5.10.2016 12:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Solothurn
Der Buchenbauer
In Andreas Vögtlis Brust schlägt das Herz des Hölzigen. Darum hat er sein neues Ökonomiegebäude in Büren aus eigener Buche und Nadelholz gebaut. Aus Überzeugung – und um mit bestem Beispiel voranzugehen.

Wenn es um Schweizer Holz geht, macht Andreas Vögtli ernst. Denn der Landwirt aus dem Schwarzbubenland ist nicht nur Präsident des Solothurner Bauernverbandes, er setzt in grossem Stil auf seinen Wald. Dessen Holz speist den eigenen Fernwärmeverbund im heimischen Büren, an dem 13 Haushalte hängen. Doch die schönsten Stämme hat er stets stehen lassen. Sie lieferten das Holz für das neue Ökonomiegebäude etwas ausserhalb des Dorfes.

Einheimisches zählt

Hier hat Vögtli gebaut, derzeit werden die letzten Installationen gemacht, Werkstatt und Remise ausgekleidet, das Elektrische angeschlossen, die Solarpanels auf dem Dach montiert, um später den eigenen Strom zu liefern für den Landwirtschaftsbetrieb und die Brennholzaufbereitung. Bis im Spätherbst soll alles fertig sein. Während er durch das Gebäude führt, fallen nackte Zahlen wie etwa: 110 Kubikmeter Buche wurden gefällt für die Brettschichtholz-Tragkonstruktion.

Zu den 70 Kubikmetern Fichten-Brettschichtholz wurden zusätzlich rund 370 Kubikmeter Nadelholz aus dem eigenen Wald in der Region gesägt und verbaut. Doch wer genau zuhört, spürt Vögtlis Emotionen – und seine Überzeugung. Jene nämlich, Schweizer Holz ausländischer Ware vorzuziehen kompromisslos. Darum besteht das gesamte Ökonomiegebäude nicht nur zu 100 Prozent aus Schweizer Holz, sondern auch aus möglichst viel Holz aus dem eigenen Wald.

Kein Prestigeobjekt


Ausschliesslich Schweizer Holz zu verarbeiten, sei keine Frage des Prestiges, sagt Andreas Vögtli. Die Mehrkosten sind nicht zu vernachlässigen, konkrete Zahlen nennt er aber keine. Er ist überzeugt: Sobald das geplante Werk im Kanton Jura in Betrieb ist und heimische Buche in grossen Mengen industriell zu Brettschichtholz verarbeitet werden kann, sinken auch die Preise. Die Preisspanne zu ausländischem Holz werde nicht ganz verschwinden, «aber sie wird geringer.»

Mit Sicherheit günstiger wäre ein Gebäude aus osteuropäischen Fertigteilen gewesen; importierte Wertschöpfung. Aber die Familie nimmt die Mehrkosten bewusst in Kauf: «Wir machen das aus Prinzip. Ausserdem können wir nicht Wasser predigen und Wein trinken. Die Schweizer Landwirtschaft ist darauf angewiesen, dass die Konsumenten unsere qualitativ hochstehenden, einheimischen Produkte kaufen und nicht nach einer «Geiz ist Geil»-Strategie auf importierte Lebensmittel setzen.

Die Holzfamilie

Das harte Buchenholz ist eine zukunftsträchtige Alternative zu Stahl und Beton, was nicht nur die ETH Zürich veranlasst hat, die Renaissance des Holzbaus zu proklamieren. Dank neuer Holzprodukte, etwa der Fagus Jura AG im jurassischen Vendlincourt, sind Buchenkonstruktionen heute keine Randerscheinung mehr. Ausserdem ermöglicht Buchenholz weitaus filigranere Konstruktionen als übliches Bauholz. Und seit die Brandschutzverordnung angepasst wurde, sind sechsstöckige Gebäude auch im öffentlichen Sektor möglich.

Schon seit Generationen handeln Vögtlis mit dem Holz aus dem eigenen Wald. Der Grossvater lieferte mit dem voll beladenen Pferdefuhrwerk im Winter zwei- bis dreimal in der Woche nach Basel aus, zur Kundschaft gehörten auch die umliegenden, mittlerweile geschlossenen Papierfabriken. Heute versorgen Vögtlis ihre Kunden in Direktvermarktung mit Holzschnitzeln, Cheminée-Holz und Wärmeenergie über die Fernleitungen  der Hackschnitzelheizung.

Und sie betreiben Acker-, Futter- und Obstbau, Mutterschafhaltung sowie ein Lohnunternehmen als eigenständige Firma. Hinzu kommen 21 Hektaren Wald. «Für uns ist der Waldbau gerade so wichtig wie der Ackerbau», sagt Andreas Vögtli, «so bleibt die gesamte Wertschöpfung auf dem Betrieb.» Später, im Wohnhaus mitten im Dorf, zeigt er auf die Balken an der Decke: «Auch sie kommen aus dem eigenen Wald.» 

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