12.10.2019 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Christoph Rutschmann/Holzenergie Schweiz
Thurgau
Der Mann und das Holz
Die Holzofenbäckerei Mohn in Weinfelden TG braucht jede Woche mehr als einen Ster feingespaltenes Hartholz – vorwiegend Buche und Esche – sowie harzig duftende Föhrenspreissel für das Anfeuern. Der Mann, der das Holz liefert, ist mit Leib und Seele ein Hölziger.

Gerade ist die Sonne aufgegangen und taucht die grosse Halle in sattes Licht. Berge von Stämmen und grosse Beigen aus Meterspälten verströmen einen angenehmen Waldgeruch. Der Boden ist mit Sägespänen bedeckt, die Schritte federn angenehm. Zu dieser frühen Stunde betritt Beat Gremminger seine Wirkungsstätte. Zuerst wirft er prüfende Blicke auf die Holzvorräte und Werkzeuge. Alles ist an seinem Platz.

Heute stehen Grobes und Feines auf dem Programm. Und Spezielles: „Falls gewünscht, liefere ich Scheiter von 20, 40 oder gar 70 cm Länge. Das bekommt man fast nirgends mehr“, erklärt er und füllt eine Einrichtung zum Stapeln und Ablängen von Meterspälten. Gerade jetzt ist der Kleinauftrag einer Kundin an der Reihe, die für ihren Holzherd 20 Zentimeter lange, feine Scheiter braucht.

Tee aus der Kanne

Mit geübten Griffen startet er die Motorsäge. Späne fliegen, es ist laut. Vier Schnitte später liegt ein Haufen dicker und kurzer Spälten auf dem Boden, die in der nächsten Viertelstunde zu feinen Scheitern gespalten und in handliche Kistchen abgefüllt werden. „Das reicht wieder für zwei bis drei Wochen“, sagt Gremminger und nimmt einen Schluck Tee aus der Thermoskanne. Für die Jahreszeit ist es schon frühmorgens zu warm. Die strenge körperliche Arbeit ist schweisstreibend. 

In der Schweiz sind 2018 gemäss Holzenergiestatistik noch etwa 47‘000 Holzherde in Betrieb, die über 30‘000 Ster Holz nutzen. Ihre Zahl ist zwar stetig abnehmend, weil viele Anlagen in alten Häusern verschwinden, aber ein gewisser Trend zurück zur ursprünglichen Art des Kochens ist spürbar. Einige Hersteller im In- und Ausland produzieren heute moderne Herde, auf denen sich schadstoffarm, effizient, stromfrei und CO2-neutral kochen lässt. cr

Nun folgt das Grobe: Die Entnahme eines Föhrenenstammes aus der mächtigen Beige. Die Arbeit mit dem Handsappie (Zapin) und dem Wendeheber ist nicht ungefährlich. Nötigenfalls heisst es blitzartig fliehen, wenn die Stämme polternd ins Rollen kommen. Routiniert und sicher wird die Föhre zwischen Buchen und Eschen herausgearbeitet und liegend in Rugel abgelängt.

Ein Zückerchen

Ein betörender Harzgeruch verbreitet sich, und Beat Gremminger erklärt: „Selten hat es bei den Föhren mal einen Einschluss Kienholz darunter. Das ist vollständig harzgetränktes Holz, das sich beim Anzünden fast wie ein petrolgetränkter Lappen verhält. Kienholzspäne verteile ich meinen guten Kunden als Zückerchen. Damit wird das Feueranzünden zum Vergnügen. Früher wurde Kienholz auch als Lichtquelle genutzt, weil es schön hell und gleichmässig brennt.“

Aus dem Föhrenstamm steht das Herstellen von Anfeuerholz für die  Holzofenbäckerei Mohn in Weinfelden auf dem Programm: Die Stammrugel werden in mehreren Schritten immer feiner gespalten, bis die Spreissel noch einen Umfang von maximal 8 cm haben. Mit solchem Holz hat man im Nu ein schönes Feuer entfacht. Jeden Monat braucht die Bäckerei einen ganzen Ster Anfeuerspreissel.

Es ist nicht bekannt, wieviele Holzofenbäckereien in der Schweiz heute in Betrieb stehen. Ihre Zahl hat aber in den letzten Jahren deutlich zugenommen, denn Holzofenbrot liegt im Trend. Die Installation eines Holzbackofens hat vielen Bäckereien und Konditoreien neuen Auftrieb verliehen. Holz und Brot sind eine perfekte Verknüpfung lokaler und regionaler Dienstleistungen und erzeugen willkommene Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze: Förster und Bäckerin – ein Dreamteam. cr

Am Nachmittag stehen drei Brennholzlieferungen und das Spalten von Buchen- und Eschenholz an. Es gibt Kleinstkunden, die zwei Kistchen kleine Scheiter wünschen. Andere beheizen ihre grossen Häuser und brauchen locker 15 bis 20 Ster pro Jahr. Das Holz wird nach Wunsch in verschiedenster Art angeliefert. Manchmal kann Gremminger die Ladung einfach auf den Hausplatz leeren, andernorts ist das Holz zuhinterst im Garten oder im dritten Stock des Hauses fein säuberlich aufzubeigen. Unterschiedliche Längen, Feuchtigkeiten und Holzarten werden wunschgemäss bereitgestellt und geliefert, sei es in Bündeln, Säcken, Harassen oder kundeneigenene Behältern fast beliebiger Grösse.

Waldbesitzer spielen wichtige Rolle

Lieferanten wie Beat Gremminger sind wichtig für eine effiziente und professionelle Versorgung der Stückholzfeuerungen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen die 250‘000 Schweizer Waldbesitzer, die oft ihr eigenes Holz in ihrer eigenen Anlage nutzen. Zusammen stellen sie sicher, dass auch in Zukunft zahlreiche Stückholzfeuerungen aus dem einheimischen Holz emissionsarme und CO2-neutrale Wärme produzieren.


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