Sonntag, 18. April 2021
26.03.2021 11:47
Wald

Douglasien statt Tannen und Fichten pflanzen

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Von: sda/blu

Schweizer Waldeigentümer sollen nach Ansicht der Holzindustrie vermehrt die Nadel-Baumart Douglasie pflanzen als Alternative zu Tannen und Fichten. Die beiden letzteren kämen durch die Klimaerwärmung vor allem in tieferen Lagen unter Druck.

Mit der Douglasie biete sich eine interessante Alternative an, die auch in Zukunft die Nachfrage der Holzwirtschaft bedienen könne und gleichzeitig die Klimastabilität des Waldes erhöhe, teilte die Schweizer Task Force Wald+Holz+Energie der Rohholzverarbeiter aus dem Holz- und Energiesektor am Freitag mit. Sie pries in Flyern an die Waldeigentümer die Vorteile dieser Baumart an.

Nur 0.32 Prozent

Ursprünglich stammt die Douglasie aus Küstengebieten im westlichen Nordamerika. In die Schweiz eingeführt wurde der Baum gemäss der Holzwirtschaft 1827. Heute macht sein Anteil am Gesamtvorrat aller Baumarten in der Schweiz gerade mal 0,32 Prozent aus. Er ist in Tieflagen in der ganzen Schweiz anzutreffen. Die Douglasie wurde jüngst vermehrt angepflanzt. In den Nachbarländern Frankreich und Deutschland liegen die Bestände rund zehnmal höher.

Gemäss der Holzindustrie übersteht die Douglasie Sommerhitze und -dürre deutlich besser als Fichte, Tanne oder Waldföhre. Sie ist an günstigen Standorten zudem standfester. Weiter ist sie den Angaben zufolge schädlingsresistenter, verdunkelt weniger als etwa die Buche und versauert die Böden weniger als Fichten. Ökonomisch ergebe sie eine zwei- bis dreimal höhere Wertleistung pro Hektare im Vergleich zu Fichten und Tannen.

Pflanzung, Hege und Pflege:

  • Auf die Pflanzung wurzelnackter Douglasien ist zu verzichten, da die Wurzeln schnell austrocknen (Quick-Pot verwenden).
  • Pflanzabstand: 3-6 Meter; Endabstand, wenn Baum- Durchmesser über 80 cm beträgt: 10-12 Meter
  • Die Douglasie schätzt volles Licht und Raum nach oben, obwohl es sich um eine Halbschattenbaumart handelt.
  •  Die Douglasie muss vor Verbiss, Fegen und später Schälen geschützt werden bis zu einem Durchmesser von ca. 30 cm. Dies bedingt einen langjährigen Stammschutz.
  • In der Jugendphase empfiehlt sich ein Durchforstungsintervall von 5-6 Jahren, danach reicht eine Durchforstung alle 10-15 Jahre.
  • Wertastung steigert die Erlöskraft der Douglasie erheblich.

Wissenschaftler: Kein Wunderbaum

Ein Wunderbaum ist die Douglasie aus Sicht von Wissenschaftlern allerdings nicht. Steigen die Temperaturen weiter leicht an, so würde dies in den nächsten 50 Jahren auch der Douglasie in tiefen Lagen Probleme bereiten, sagte Ökologe Thomas Wohlgemuth von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Ökologisch sei der Baum für die Böden gut verträglich und als Beimischung kein Problem, sagte Wohlgemuth weiter. Allerdings wären Reinbestände oder eine Dominanz der Baumart nicht gut für die Waldbiodiversität.

Reinbestände hätten deutlich negative Einflüsse etwa auf Insekten und Spinnen, sagte der Forscher weiter. Weil diese auf der Douglasie seltener vorkommen, fänden auch die Vögel den Baum weniger attraktiv. Zudem dürften sich Schadorganismen längerfristig an die Douglasie anpassen, insbesondere wenn diese immer zahlreicher angepflanzt werde.

Standort- und Provenienzwahl:

  • Die häufigste und sehr geeignete Douglasienvarietät für den Anbau in Mitteleuropa ist die Küstendouglasie (Botanischer Name: Pseudotsuga menziesii var. menziesii)
  • Am besten gedeihen Douglasien auf sauren Standorten. Der Boden darf gerne auch tiefgründig oder sandig sein. Ungeeignet sind kalkhaltige Böden sowie luftfeuchte und frostige Lagen.
  • Wichtig ist eine gute Wasserversorgung. Deshalb sind Hanglagen der Exposition W-NW besonders geeignet.
  • Die ideale Höhenlage für den Einbau von Douglasien liegt bei 500-900 m. In den Voralpen der Alpennordseite findet man Douglasien in Höhenlagen bis 1500 m.
  • Im Wald werden Douglasien idealerweise zusammen mit anderen standortangepassten Baumarten gemischt.
Die Douglasie kann bis zu bis zu 60 m hoch werden. Sie ein Tiefwurzler.
David Coulin
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8 Responses

    1. Es wurden abertausende von Douglasien gepflanzt. Superholz, da ist nichts einzuwenden…. Aber dort wo ich herkome, haben Douglasien kein Glück gebracht. Schade natütrlich , das Holz hat sehr gute Eigenschafften.

        1. @ kenta: Weisstanne auch einer meiner Lieblingsbäume; wäre eigentlich der richtige Baum in unserer Region – leider aber langsamwüchsig…. Ich schliesse mich der Meinung von „Thurgauer“ an : Mischwald und würde es noch mit der Libanon Zeder ergänzen bzw. versuchen. Auf jeden Fall weg von den Fichten – Monokulturen ! ( P.s.: Douglasien bestechen mit einem wunderbaren Duft ihres Harzes.)

  1. Douglasie ist auch nicht DIE Lösung. In Reinbeständen gibt es auch Probleme mit Käfern und Pilzen.
    Am besten ist Mischwald. Wir Pflanzen: Douglasien, Lärchen europ. und japanisch, Eichen, Schwarzföhre, Küstentanne; Spitzahorn, Kirschen, Schwarznuss, Walnuss, Edelkastanien.
    Alle diese Bäume können eher mit Trockenheit umgehen als die altbekannten Arten.

  2. Monokulturen sind nie gut; die Mischkultur ist in jedem Fall vorzuziehen. Das gilt auch für den Acker. Uebrigens finde ich es interessant, wie man bei Bäumen keine Angst zu haben scheint vor Neophyten und schon histerisch reagiert bei anderen invasiven Arten. Der Mensch ist und bleibt ein unlogischer Angsthase.

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