7.07.2019 11:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Wald
Dürre macht Schweizer Wälder krank
In Schweizer Wäldern sind nach dem Dürresommer im letzten Jahr in grossem Ausmass Bäume erkrankt oder abgestorben. Besonders betroffen sind Buchen-Laubbäume, von denen mancherorts ganze Bestände tot sind, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Von tausend untersuchten Buchen, die 2018 ihre Blätter wegen der Hitze frühzeitig verloren hatten, weise nun etwa ein Sechstel sichtbare Schädigungen auf, wird Andreas Rigling von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf, zitiert. «Etwas in diesem Ausmass habe ich noch nicht erlebt.»

Bergkuppen und Waldrändern

Von «Waldsterben» will er noch nicht sprechen. Klimawandel sowie eingeschleppte Krankheiten würden dem Wald sehr zusetzen. Der Forstexperte hat die Dürre 1976 und auch das Jahr 2003 analysiert: «Was wir derzeit in den Wäldern sehen, ist ausserordentlich.»

Einige Bäume seien bereits vollständig abgestorben. Schäden sind demnach etwa auf Bergkuppen, an Waldrändern und in Gegenden zu erwarten, wo die Böden nur wenig Wasser speichern. Stark betroffen dürften laut der Zeitung Schaffhausen, das Zürcher Weinland, der Aargau, Solothurn, Chur und Basel sein. In der Region Basel müssen 2000 grosse Bäume gefällt werden, ein Fünftel des gesamten Waldbestands.

Gefahr Globalisierung


Das Problem greift dem Bericht zufolge auf weitere einheimische Baumarten über. Nach Ulme, Esche und Erle sei jetzt auch der Ahorn gefährdet. Rund ein Drittel der Schweiz ist bewaldet. Das ergibt eine Fläche von 1,28 Millionen Hektaren Wald. Genaue Zahlen über den Zustand des Waldes sollen noch in diesem Monat vorgestellt werden.

Neben dem Klimawandel und der damit verbundenen Trockenheit macht den Schweizer Bäumen ein weiteres Phänomen zu schaffen: Die Globalisierung. Diese könne zu einer Verschlechterung des Waldzustands beitragen, sagt Andreas Rigling. Neue Schädlinge und Krankheiten kommen so in die Schweiz, diesen sind die heimischen Baumarten häufig schutzlos ausgeliefert.

Neue Baumsorten

Wie können die hiesigen Wälder dem Klimawandel begegnen? Mischwälder statt Monokulturen, Vielfalt statt Einfalt und mehr Bäume aus Regionen der Erde, die an heissere und trockenere Bedingungen gewöhnt sind, sagen Forscher zur «NZZ am Sonntag». Wichtig ist, dass der Wald rechtzeitig verjüngt wird, bevor die alten Riesen sterben.

Auf der Alpennordseite sind Bäume aus kontinentalen Klimazonen ein Teil der Lösung. Diese kommen mit Frost wie mit Hitze und Trockenheit zurecht. Auch beispielsweise eine Kreuzung von der Orientbuche mit der heimischen Rotbuche ist eine Möglichkeit. Einen Wunderbaum gebe es aber nicht, stellen die Forscher klar. Einheimische Arten wie Ahorn und Eiche werden weiterhin wichtig sein. Und ein anderes Problem macht den hiesigen Wäldern ebenfalls zu schaffen. Das Wild. Bleibe ihre Anzahl weiterhin hoch, hätten die Jungbäume keine Chance, sagen die Forscher.

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