28.10.2019 11:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Energie
Energiewerk setzt auf Pflanzenkohle
Die Industriellen Werke Basel (IWB) bauen auf ihrem Betriebsgelände in Kleinhüningen eine Pyrolyse-Anlage. Diese soll ab 2020 neben Fernwärme auch Pflanzenkohle produzieren. Diese soll CO2 im Boden binden und so das Klima schützen.

Mit der Anlage wollen die IWB ungenutzte minderwertige Biomasse wie beispielsweise Grünschnitt unter Sauerstoffausschluss verkohlen. Die durch sogenannte Pyrolyse produzierte Pflanzenkohle soll in der Landwirtschaft eingesetzt werden und so langfristig CO2 im Erdboden speichern, wie einem IWB-Communiqué vom Montag zu entnehmen ist.

«Mit dieser Anlage gelingt es uns, vier Ziele gleichzeitig zu erreichen: Wir verwerten energetisch ungenutztes Grüngut, wir produzieren CO2-negative Wärme und gleichzeitig unterstützen wir nach alter Tradition die Bodenverbesserung in der Landwirtschaft. Und schlussendlich helfen wir unserem Klima durch den Entzug von Kohlenstoffdioxid», erlärt Peter Baumstark, Leiter Integrierte Energielösungen und Mitglied der Geschäftsleitung bei IWB.

Die IWB wollen mit dem Bau der Anlage noch in diesem Jahr beginnen. Mit der Inbetriebnahme ab Winter 2020/2021 soll die Anlage jährlich rund 2,7 Gigawattstunden Wärme in das Fernwärmenetz der IWB speisen. Das reiche für die Versorgung von rund 300 durchschnittlichen Haushalten.

Die Anlage soll rund 570 Tonnen Pflanzenkohle pro Jahr produzieren. Jährlich würden der Atmosphäre damit rund 1500 Tonnen CO2 entzogen, hiess es weiter. Die Anlage leiste nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses der Basler Fernwärmeproduktion, sondern sie entziehe das umweltschädliche Gas der Atmosphäre. So diene die Anlage dem Klimaschutz.

Gemäss eigenen Angaben sind die IWB die erste Energieversorgerin in der Schweiz, die eine Pyrolyse-Anlage zur Produktion von Pflanzenkohle baut und betreibt. Die IWB investieren für den Bau der Anlage einen «mittleren einstelligen Millionenbetrag».

Pflanzenkohle für Agropreis nominiert

Im Kanton Zug verarbeitet die Familie Keiser Baum- und Strauchschnitte von Bauernhöfen zu hochwertiger Pflanzenkohle. Das Endprodukt wird vor allem in der Tierfütterung, aber auch im Ackerbau eingesetzt. Durch die Speicherung von CO2 im Boden wird die Klimabilanz der Landwirtschaft verbessert.

Im Amazonasgebiet haben Ureinwohner während hunderten von Jahren Kohle zusammen mit organischen Abfällen in den Boden eingearbeitet und diesen fruchtbarer gemacht. Dieses uralte Wissen nutzt die Familie Keiser. Auf dem Wies-Hof in Neuheim ZG wird seit 2011 an der Produktion von Pflanzenkohle getüftelt. Das minderwertige Holz von der Baumpflege aus der Region wird in Form von kleinen Holzschnitzeln in einer Pyreg-Anlage unter Luftabschluss bei rund 600 Grad verkohlt und so in ein hochwertiges Produkt umgewandelt. Mit der Abwärme werden Holzschnitzel getrocknet.

Die zertifizierte Pflanzenkohle findet Einsatz als Futterzusatz zu Verbesserung der Tiergesundheit, bei der Kompostierung sowie als Einstreu. Das Kreislaufdenken ist für die Familie Keiser zentral. Pflanzenkohle bleibt im Boden über Jahrhunderte erhalten, zudem verbessert diese die Bodenstruktur. Für die Familie Keiser ist klar: Mit der Pflanzenkohle lässt sich Klima-Farming betreiben. Denn durch die Speicherung von CO2 im Boden verbessert sich die Klimabilanz der Landwirtschaft. Das Pojekt ist für den Agropreis nominiert. Mehr dazu gibts hier

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