6.02.2015 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wald
Forstfachleute feilen an Waldschutzempfehlungen
In Interlaken ziehen derzeit Forstfachleute aus aller Welt Bilanz zu zehn Jahren Diskussion über die Frage, wie weltweit die Nutzungs- und Eigentumsrechte an Wald am besten geregelt werden. Die Schweiz und Indonesien hatten 2004 diesen Prozess ebenfalls in Interlaken angestossen.

Ziel des Treffens ist es, in einem Bericht Empfehlungen zuhanden der 11. Sitzung des UNO-Waldforums vom kommenden Mai in New York niederzuschreiben. Diese Empfehlungen sollen die Weichen stellen für die künftige Arbeit dieses UNO-Gremiums, das auf den Umweltgipfel von 1992 in Rio de Janeiro zurückgeht.

Klare Nutzungs- oder Eigentumsrechte zentral

Klare Nutzungs- oder Eigentumsrechte im Wald sind nach Angaben des Bundesamt für Umwelt (Bafu) und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des Bundes zentral für die Erhaltung der Wälder und damit zum Schutz des Klimas.

Diese beiden Institutionen organisieren mit Unterstützung verschiedener Partner das Treffen in Interlaken, an dem rund 160 Forstfachleute aus etwa 60 Ländern teilnehmen.

Simmentaler Bäuerten erklärt

Am Donnerstag organisierten Bafu und Deza für die Forstfachleute drei Exkursionen ins Berner Oberland respektive ins Emmental. Eine führte nach Boltigen ins Simmental. Dort erklärte ein einheimischer Forstingenieur den Forstfachleuten aus aller Welt das Wesen der sogenannten Bäuerten.
Das sind oft jahrhundertealte Korporationen, die im Kollektiv die Nutzung von Wald oder Weiden oder von beidem organisieren.

Die Forstfachleute aus aller Welt nahmen die Erklärungen interessiert auf, wie ein Augenschein der Nachrichtenagentur sda zeigte. Ein Fachmann aus Nepal wollte etwa wissen, ob die Bäuert, in der der einheimische Forstingenieur für den Wald zuständig ist, Gewinn macht und wie das Verhältnis zur Einwohnergemeinde ist.

Eine andere Exkursion führte zu Schutzwäldern im Lauterbrunnental, die dritte zu einem Privatwaldbesitzer im Emmental. Christoph Dürr vom Bafu sagte, sein Amt habe die Bäuerten den Forstfachleuten aller Welt nicht als Musterbeispiel darstellen wollen. Diese Bäuerten seien einfach eines von vielen möglichen Modellen für eine lokal gut abgestützte Waldnutzung.

Aussicht auf Erfolg

Laut Dürr sind am Treffen der Forstfachleute in Interlaken die Chancen intakt, dass amFreitag eine Empfehlung formuliert wird, gemäss der die Regierungen der beim Uno-Waldforum mitmachenden Länder Nutzungs- und Eigentumsrechte an Wäldern klar regeln sollen. Ein entsprechender Antrag für den Schlussbericht liege vor, sagte Dürr in Boltigen.

Für Dürr wäre es «ein grosser Erfolg», wenn eine solche Empfehlung zustandekäme. In etlichen Ländern, etwa in Osteuropa, wehrten sich die Regierungen bisher gegen dezentrale Regelungen der Waldnutzungs- und Waldeigentumsrechte.

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