29.10.2019 09:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Hecke gestutzt: Bauer verurteilt
Ein Landwirt wurde vom Berner Regionalgericht Bern-Mittelland schuldig gesprochen, weil er seine Hecke ohne Bewilligung zurückschnitt. Der Hecke geht es aber besser als zuvor.

Vor rund 40 Jahren pflanzte der Landwirt die Hecke an. Seither pflegte er diese in Eigenregie. So auch im Jahr 2017. 

Experte: "Hecke in gutem Zustand"

Er schnitt rund die Hälfte der Hecke zurück. Das Problem: Er hatte keine Bewilligung eingeholt. Das wurde ihm nun zum Verhängnis, wie «20 Minuten» am Dienstag berichtet. Gemäss dem Regionalgericht Bern-Mittelland hätte er dazu eine Bewilligung benötigt. 

Der Landwirt nahm einen Heckenspezialisten des Natur- und Vogelschutzvereins Wohlen als Zeuge vor Gericht mit. «Ich setze mich seit über 40 Jahren mit dem Thema auseinander und muss sagen, dass die Hecke in einem guten Zustand ist», bescheinigte der Mann vor Gericht.

So hat sich im Gehölz ein Rotrückenwürger-Familie eingenistet. Diese Vögel leben vorwiegend von Insekten und nisten ausschliesslich an Orten, an denen sie eine grosse Auswahl an Nahrung haben. Dass diese Vogelart dort lebe, weise darauf hin, dass die Biodiversität der Hecke intakt sei, fuhr der Experte fort.

Widerhandlung gegen Naturschutzgesetz

Die Richterin liess dies bei der Urteilsfindung nicht einfliessen. Obwohl er die Hecke durch das Schneiden der Äste nicht beschädigte, war die Tat laut Gericht eine Widerhandlung gegen das Naturschutzgesetz des Kantons Bern. Ausgelöst wurde der Prozess durch das kantonale Amt für Landwirtschaft und Natur. Für das Zurückschneiden ohne Bewilligung verurteilte die Richterin den pensionierten Landwirt zu einer Geldbusse im dreistelligen Bereich.

Der Bauer ist frustriert. Vor Jahren habe er dem Dorf noch 60 Quadratmeter Land geschenkt, da die Gemeinde eine Strasseneinmündung sanieren wollte. «Dieselbe Behörde bringt mich nun wegen einer gestutzten Hecke vor Gericht», so der Landwirt zu «20 Minuten». 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  Der Landwirt kann dieses in den kommenden zehn Tagen anfechten. «Ich bespreche das Ganze mit meiner Frau. Ich möchte dieses Kapitel jedoch abschliessen», erklärt der Landwirt.

Im Sommer wurde ein Junglandwirt im Kanton Luzern für das Zurückschneiden einer Hecke gebüsst. Eine unbekannte Person störte sich daran und erstattete Anzeige. Der Landwirt hatte keine Bewilligung zum Zurückschneiden eingeholt. Gegen den 28-Jährigen wurde eine Geldstrafe von 30 Tagesansätzen zu je 50 Franken verhängt, bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zusätzlich wurde eine Busse von 500 Franken ausgesprochen.

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