Sonntag, 11. April 2021
19.12.2019 09:51
Bern

Hockey-Fans helfen Coop-Kritiker

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Von: Daniel Salzmann

Tannenbaumproduzent Paul Wälchli wagte es, Detailhändler Coop zu kritisieren. Dafür hat er viel Zuspruch erfahren.

Weihnachtsbaumproduzent Paul Wälchli aus Oschwand BE war letzten Freitag auf der Titelseite der Zeitung «Blick» und am Samstag auf derjenigen des  «Schweizer Bauer». Er konnte im Unterschied zu früheren Jahren keine Premium-Bäume an Coop liefern.

100 Bäume für die Fans

«Uns Produzenten sagte man, dass die dänischen Premium-Bäume schöner seien als die aus der Schweiz», wurde Wälchli dort zitiert. Anders als die Schweizer Christbaumproduzenten dürfen die Produzenten in Dänemark mit Alpha-Naphtylessigsäure die Triebe regulieren. 15 Franken günstiger im Einkauf seien die dänischen Bäume auch, verkauft würden sie gleich teuer, Coop wolle die Marge steigern, lautet der Vorwurf von Wälchli. 

Paul Wälchli berichtet am Dienstagvormittag auf Anfrage des «Schweizer Bauer», dass er auf diese Aussagen hin extrem viel Zuspruch, Gratulationen und Solidaritätsbekundungen erhalten habe. Die rund 200 Bäume, die er als Premium-Bäume an Coop hätte liefern wollen, werde er deshalb an die Frau und an den Mann bringen können. Viel ausgelöst habe die Ambrì-Mütze, die er auf der «Blick»-Foto getragen habe. Seit seiner Kindheit, die er  im Tessin verbracht habe, sei er Fan des Eishockeyklubs Ambrì-Piotta. Sogar Ambrì-Präsident Filippo Lombardi habe ihn angerufen. Am Dienstagabend fahre er in die Leventina und werde dort vor der Valascia-Eishockey-Halle 100 Schweizer Bäume verkaufen. 

«Blick» fragte Wälchli an

Aus seiner Sicht seien seine Bäume heuer von gleicher Qualität wie letztes Jahr, überhaupt würden die Käufer kleine Fehler gar nicht sehen. Er betont, dass nicht er selbst sich an die Zeitung «Blick» gewandt habe. «Blick»-Redaktor Fabio Giger sei aufgrund eines Online-Kommentars auf den Vorgang aufmerksam geworden, und dann hätten verschiedene Vorstandsmitglieder der IG Christbaum Auskünfte abgelehnt, so sei der «Blick» dann bei ihm gelandet.

Wälchli attestiert Coop, dass er im Unterschied zu anderen Händlern nicht mit Importbäumen den Preis drücke. Im «Blick» stand: «Für einen Premium-Baum erhielt der Berner Christbaumproduzent bis anhin einen Preis von 47 Franken, die dänischen kosten rund 15 Franken weniger. Verkauft werden die Tannen später für 99 Franken – egal, ob aus Dänemark oder aus der Schweiz.» Marktkenner haben gegenüber dem «Schweizer Bauer» diese Preise bestätigt, Coop kaufe die dänischen Tannen in der Realität für nur 35 Franken ein. Coop jedoch sagt auf Anfrage des «Schweizer Bauer»: «Diese Informationen sind falsch. Die Preise von in- und ausländischen Bäumen variieren je nach Bestellzeitpunkt, Lieferant und Logistikkosten und liegen etwa auf gleichem Niveau.»

Weniger CH-Premium?

Laut Informationen des «Schweizer Bauer» habe Coop heuer 3000 Premium-Bäume eingekauft: 2500 importierte aus Dänemark, 500 aus der Schweiz. Letztes Jahr hingegen seien alle oder mindestens der überwiegende Teil der Premium-Bäume aus der Schweiz gekommen. Auch dazu wollte Coop sich nicht äussern, die Zahlen der eingekauften Premium-Bäume aus der Schweiz in den Jahren 2018 und 2019 bleiben ein Geschäftsgeheimnis.

Allerdings sagte die Medienstelle nicht ausdrücklich, Coop habe 2019 gleich viele oder mehr Schweizer Premium-Bäume eingekauft. Also werden es wohl in der Tat weniger sein. Eine weitere Frage bleibt offen: Darf Paul Wälchli nach seiner Kritik nächstes Jahr noch an Coop liefern? Coop sagt dazu: «Wir werden mit der IG Christbaum und Paul Wälchli das Gespräch suchen, um eine konstruktive Lösung zu finden.»

85% aus Schweiz

Detailhändler Coop stört sich sehr daran, dass er wegen der Kritik von Paul Wälchli bezüglich importierter Tannenbäume in den Fokus der Medien gelangt ist. Doch auch der «Blick» hatte in seinem Artikel bereits festgehalten, dass bei Coop 85% der verkauften Bäume aus dem Inland stammten, während es bei der Landi nur rund 50% seien und bei Jumbo nur rund 10%. Der «Schweizer Bauer» weiss, dass Coop seit vielen Jahren einen höheren Inlandanteil hat. Der Detailhändler betont gegenüber dieser Zeitung, dass bei ihm der Inland-Anteil in den letzten Jahren noch gesteigert worden sei. Coop bekenne sich klar zu den Schweizer Tannenbaumproduzenten und setze auf Schweizer Bäume.  sal

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