2.03.2017 11:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Mehr Insekten in verwüsteten Wäldern
Wenn heftige Stürme über Wälder fegen und dabei reihenweise Bäume umlegen, freut das die Insektenwelt: Die Artenvielfalt ist auf solchen Sturmflächen deutlich höher als im intakten Wald, wie eine Studie des Forschungsinstituts für Wald, Schnee und Landschaft WSL zeigt.

Nach einem Sturm sind schattige Waldabschnitte plötzlich sonnig und es entsteht viel Totholz. Paradiesische Bedingungen für Insekten, wie ein WSL-Forschungsteam um Beat Wermelinger und Martin Obrist in einer Studie zeigt: Auf Windwurfflächen finden sich demnach im Schnitt doppelt so viele Insektenarten wie in benachbarten intakten Waldabschnitten.

Bienenvielfalt deutlich höher

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler drei Waldflächen untersucht, die 1999 vom Orkan Lothar verwüstet wurden: Einen Buchenwald in Sarmenstorf AG, einen Fichtenwald in Messen SO und einen Mischwald in Habsburg AG. Auf diesen Flächen und im angrenzenden unversehrten Wald sammelten sie während zwei Sommern Insekten und bestimmten sie.

Bei den Bienen, Wespen und Wanzen fanden sich sogar fast viermal mehr Arten auf den Sturmflächen wie im intakten Wald, schrieb die WSL. Zudem lockt das Totholz auf den Windwurfflächen gefährdete Käferarten an, erklärte Wermelinger gemäss der Mitteilung. «Die intakten Wälder beherbergen hingegen eher weniger exklusive Arten.» Als Beispiele nennt der Forscher Lauf- und Borkenkäfer, besonders auch eingeschleppte Arten.

Teils räumen, teils ungeräumt lassen


Da Waldbesitzer nach Stürmen oft die umgestürzten Stämme verkaufen, verglichen die WSL-Forschenden ausserdem die Artenvielfalt auf geräumten und ungeräumten Sturmflächen. Die Anzahl gefundener Arten unterschied sich zwar kaum, dafür aber die Artenzusammensetzung: Nur knapp zwei Drittel der Arten kamen auf beiden Typen von Sturmflächen vor.

Das erklärt sich dadurch, dass durch die Räumung zwar bestimmte Lebensräume - insbesondere Totholz - teilweise verschwinden, dafür aber andere Mikrohabitate entstehen, schrieb die WSL. Am besten für die Artenvielfalt sei daher, nach heftigen Stürmen Windwurfflächen teils zu räumen und teils ungeräumt zu lassen, schlussfolgert Wermelinger aus den Resultaten der Studie, die im Fachblatt «Forest Ecology and Management» erschienen ist.

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