11.07.2013 11:12
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wald
Schweiz ohne Landwirtschaft - Ohne Bauern gäbs nur Buchen
Buchen, so weit das Auge reicht: Ein erstaunlich einheitliches Bild fanden Schweizer Forscher in einem Buchen-Urwald in der Ukraine vor. Ohne menschlichen Einfluss sähe es auch in der Schweiz so aus. Die Erkenntnisse der Studie könnten dabei helfen, Waldwirtschaft und Naturschutz hier zu Lande zu optimieren.

Der Buchen-Urwald Uholka-Schyrokyj Luh in den ukrainischen  Karpaten euphorisiert die Botaniker: Die Vielfalt an Waldstrukturen  sei «erstaunlich hoch» und die Gesamtzahl der gefundenen Arten an  Flechten, Pilzen und Insekten «überwältigend», teilte die  Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL am Mittwoch  mit.

Dies ist das Fazit einer umfassenden Untersuchung des Waldes vor  drei Jahren, die das Team um Christoph Scheidegger von der WSL  zusammen mit ukrainischen Kollegen durchgeführt hat. Die Resultate  stellen sie nun im Bericht «Inventar des grössten Buchen-Urwalds in  Europa» vor.

Fast nur Buchen

Mit rund 100 Quadratkilometern Fläche ist dies der grösste  Buchen-Urwald Europas. Anders als die vielfältigen Tropenwälder  besteht er fast nur aus Buchen. Lediglich drei Prozent der Bäume  seien andere Baumarten wie Ahorn, Weisstanne oder Ulme, schreiben  die Forscher. Sogar in grösseren Lücken, die durch Stürme  entstehen, wachsen fast nur Buchen nach.

In der Schweiz geschah das Gegenteil: Nach dem Sturm Lothar  wuchsen in den Lücken sogenannte Pionierbaumarten wie Pappeln,  Erlen und in höheren Lagen auch Vogelbeeren nach. Die Fläche des  ukrainischen Waldes sei eben so gross, dass nur selten Samen  anderer Bäume aus anderen Regionen dorthin gelangten, schrieb die  WSL..

Buchenwälder werden in der Schweiz häufiger

Auf kleinem Raum war die Vielfalt indes enorm: Junge, alte und  tote Bäume stehen dicht beieinander. Die Forscher fanden zahlreiche  Flechten, Pilze und Insekten, darunter einige in der Schweiz  bedrohte Arten wie die Ulmen-Grubenflechte und die Lungenflechte in  grossen Mengen. Deren Verbreitung könnte wichtige Hinweise für  regionale Artenschutzstrategien in der Schweiz liefern, schrieb die  WSL.

Solche Buchenwälder wären ohne menschlichen Einfluss in weiten  Regionen der Schweiz verbreitet. Gemäss früheren Studien dürften  Buchenwälder mit dem Klimawandel im Mittelland und in den Voralpen  in Zukunft häufiger werden. Somit seien die Erkenntnisse aus der  Ukraine für die Waldwirtschaft und den Naturschutz in der Schweiz  wertvoll, betonen die Forscher. Das internationale Forschungsprojekt wurde vom Staatssekretariat  für Bildung, Forschung und Innovation SBFI unterstützt.

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