20.03.2013 15:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Waldnutzung
Tag des Waldes – Doch Schweizer Waldeigentümer haben nichts zu feiern
Am 21. März wird der Tag des Waldes begangen. Doch die Schweizer Waldwirtschaft rutscht immer tiefer in die roten Zahlen ab. Die Waldeigentümer fordern deshalb ein Entgegenwirken von Seiten der Behörden.

Die Schweizer Wälder werden nachhaltig genutzt. Für viele Länder gilt die Schweiz als Vorbild. Eine im internationalen Vergleich strenge Gesetzgebung half dem Schweizer Wald. Er ist (noch) in einem guten Zustand. Und die Fläche nimmt vor allen in den Berggebieten deutlich zu. Insgesamt ist die Alpenrepublik zu einem Drittel mit Bäumen bedeckt. Der Wald dient der Allgemeinheit für Erholungszwecke. Doch er ist auch Heimat für über einen Drittel der in der Schweiz heimischen Tier- und Pflanzenarten.

Prinzip der Nachhaltigkeit

Das Prinzip der nachhaltigen Nutzung des Forstes wurde vom deutschen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz 1713 in seinem Standardwerk „Sylvicultura oeconomica“ beschrieben. Die Wälder wurden während langer Zeit geplündert, er kam sogar zu Holzmangel. Das Holz wurde als Brennstoff, zu dieser Zeit der mit Abstand wichtigste Energieträger, genutzt. Zudem wurde es im Bergbau verwendet. Das rücksichtlose Abholzen der grünen Lunge führte in einigen Regionen unseres Planeten fast zu ihrem kompletten Verschwinden.

Von Carlowitz setzte auf das Prinzip, dass nur so viel geerntet wird wie durch Aufforstung nachwächst. Und hier hackt Waldwirtschaft Schweiz (WVS), der Verband der Waldeigentümer, ein. Die heutige Waldbewirtschaftung funktioniere immer noch nach dem 300-jährigen Prinzip. Wie der WVS in einem Communiqué schreibt, bedeute das Prinzip Nachhaltigkeit, dass die Ökologie langfristig mit den wirtschaftlichen und sozialen Aspekten ins Gleichgewicht gebracht werde.

Internationaler Tag des Waldes (ITW)

Dieser wurde in den 1970er Jahren durch die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO) lanciert. Ziel ist es, der Bevölkerung Informationen und Eindrücke über die Bedeutung des Waldes zu vermitteln. Der ITW findet jährlich am 21. März statt. Ein ausführliches Dossier zur Thematik ist auf der Website des Bundesamtes für Umwelt BAFU zu finden.

Gleichgewicht in Schräglage

Der Wald habe eine Schutzfunktion, trage zur Erholung bei, sei Luftfilter und Wasserspeicher und diene dem Menschen als Grüne Lunge. Die Waldeigentümer müssten immer mehr Verantwortung übernehmen, ihre Leistungen würden aber nicht genügend abgegolten, betont der WVS.

Das Gleichgewicht Ökologie und Wirtschaftlichkeit ist in den vergangenen Jahren aber massiv in Schräglage geraten. Die Nutzung des Waldes ist defizitär. Führer habe der Erlös des Holzes die Kosten für die Pflege und die Ernte gedeckt, schreibt der WVS. Der starke Franken, zahlreiche Vorschriften und Auflagen waren der Konkurrenzfähigkeit des einheimischen Rohstoffes nicht zuträglich. Wie der WVS schreibt, boome der Holzbau, die Nachfrage werde aber zumeist mit ausländischen Vorfabrikaten gedeckt.

Waldwirtschaft fordert Abgeltungen

Gemäss dem neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik erwirtschaften 60 Prozent der Forstbetriebe ein Defizit. Diese werden von den Eigentümern, nebst tausenden von Bauern auch viele Gemeinden, Kantone und Burgergemeinden, getragen. Der WVS fordert deshalb, dass bei der anlaufenden Umsetzung der Waldpolitik 2020 und der geplanten Biodiversitätsstrategie alle Massnahmen auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit geprüft werden.

Für Auflagen, die neue Kosten verursachen, müssen gemäss dem Verband Finanzierungsinstrumente geschaffen werden, damit den Waldeigentümern die Leistungen abgegolten werden können. Doch auch die Konsumenten könnten zu einer besseren Situation des Waldes und deren Eigentümern beitragen, indem sie auf das Herkunftszeichen „Schweizer Wald“ achteten.

Waldwirtschaft Schweiz WVS

Waldwirtschaft Schweiz (WVS) wurde 1921 gegründet und ist Dachorganisation der Schweizer Waldwirtschaft. Mitglieder sind kantonale und regionale Waldbesitzerverbände, Kantone sowie einzelne Waldbesitzer. Die Geschäftsstelle in Solothurn beschäftigt 28 Mitarbeiter. Rund 200 nebenamtliche Lehrkräfte setzen sich gemäss dem Verband für die Interessen der rund 3800 öffentlichen und 244'000 privaten Waldbesitzer in der Schweiz ein.

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