21.03.2018 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Holz
Und da war es nur noch einer
Nach der Schliessung der Fabrik in Utzenstorf BE ist Perlen Papier AG die einzige verbleibende Papierfabrik der Schweiz. Für die Waldbesitzer ist der Papierholzmarkt wichtig im Zusammenhang mit der Waldpflege.

Per Ende 2017 hat die Papierfabrik in Utzenstorf ihre Tore geschlossen und das Geschäft an die Perlen Papier AG in Perlen LU verkauft. Diese betreibt die Altpapiersortierung am Standort Utzenstorf weiter, die Papierproduktion wird in Perlen konzentriert. Dort wurden letztes Jahr 16'582 Tonnen Papierholz absolut trocken verarbeitet.

«Grössere Abhängigkeit»

Die Schliessung der Fabrik in Utzenstorf hat aber laut Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer, unmittelbar keine grossen Auswirkungen auf den Papierholzmarkt. «In Utzenstorf wurde in den letzten Jahren bei einem Altpapieranteil von bis zu 100 Prozent nur noch wenig Frischholz verwendet», erklärt Urban Brütsch, Leiter Ökonomie bei Wald Schweiz. «Unsere Abhängigkeit von Perlen als letztes Papierholzwerk der Schweiz ist aber natürlich trotzdem grösser geworden.» 

Zurzeit seien die Liefermengen, welche von Perlen angenommen werden, relativ konstant, weiss Brütsch. Weil ein Grossteil des produzierten Papiers (ca. 85%) exportiert wird, sind die internationalen Papierpreise und die Währungskurse entscheidend, ob mehr Papierholz verarbeitet werden kann. Leider sei aber die Tendenz im Papierholzverbrauch auch aufgrund der Digitalisierung seit Jahren eher sinkend. 

Energieholz ist wichtig

Der Papierholzmarkt und damit auch das Weiterbestehen von Perlen Papier ist laut Brütsch wichtig für die Waldbesitzer, da bei Industrieholzabnehmern die Mengen begrenzt sind und die Papierholzsortimente sonst lediglich noch als weniger rentables Energieholz verbrannt werden können. «Da Papierholz meist aus Durchforstungen und Pflegeeingriffen anfällt, könnte dies dazu führen, dass die wichtige Pflege von Jungwald zur Förderung stabiler Wälder nicht mehr kostendeckend ausgeführt werden kann und nur noch dank Beiträgen der öffentlichen Hand möglich sein wird», erklärt Brütsch.

So entsteht Papier

In einem mechanischen Verfahren werden Hackschnitzel oder das zu Hackschnitzeln aufbereitete Waldholz (gesunde, gerade Fichten- und Tannenstämme ohne grobe Äste von 4 bis 6 m Länge und 10 bis 40 cm Durchmesser, mind. 50% Feuchtigkeitsgehalt) unter Zusatz von Wasser zerrieben, gereinigt und gemahlen.

Der aufgelöste und je nach Endprodukt zusätzlich gebleichte Faserstoff wird zusammen mit dem ebenfalls aufbereiteten Altpapier gemischt und auf die Papiermaschine gebracht. Diese entwässert den Papierstoff mit über 100km/h Geschwindigkeit in verschiedenen Stufen und glättet ihn. Die erzeugte Papierbahn wird auf den sogenannten Tambour aufgerollt und danach an der Schneidmaschine auf die von den Kunden gewünschten Rollenbreiten zugeschnitten. Eine Packmaschine verpackt die Papierrollen für den Transport. big

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