Sonntag, 17. Januar 2021
02.12.2020 18:45
Umfrage

Werden Sie noch Zuckerrüben anbauen?

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Von: Jonas Ingold, lid/blu

Rund 220’000 Tonnen Zucker produziert die Schweizer Zucker AG dieses Jahr. Das reicht nicht, um die Nachfrage zu decken. CEO Guido Stäger will daraus das Beste machen: Denn die Schweiz brauche den Schweizer Zucker. Werden Sie  2021 noch Zuckerrüben anbauen? Abstimmen und mitdiskutieren

Herr Stäger, wie viel Zucker wird während der diesjährigen Kampagne in den Fabriken in Frauenfeld und in Aarberg produziert und wie viel davon ist Schweizer Zucker?

Guido Stäger: Im Moment rechnen wir mit 1,5 Millionen Tonnen Rüben und etwa 220’000 Tonnen Zucker. Davon ist knapp 90 Prozent Schweizer Zucker.

Die Nachfrage nach Schweizer Zucker konnte letztes Jahr nicht abgedeckt werden. Braucht es auch dieses Jahr Importe?

Der Gesamtbedarf der Schweiz dürfte wegen Covid-19 auf etwa 300’000 Tonnen sinken. Der Selbstversorgungsgrad mit Schweizer Zucker sinkt also gegen 60 Prozent, es müssen über 100’000 Tonnen EU-Zucker importiert werden. Auch die Schweizer Zucker AG (SZU) importiert Rüben und Zucker, um unsere Kunden mit dem fehlenden Zucker zumindest teilweise zu versorgen.

Guido Stäger, Direktor Schweizer Zucker AG
Albrecht Dreier

Wegen der Virösen Vergilbung gibt es in westlichen Anbaugebieten Ertragsausfälle, die Rüben sind sehr klein. Führen kleine Rüben auch in der Verarbeitung zu Umstellungen oder Problemen?

Kranke oder trockenheitsgeschädigte Rüben haben eine andere Zusammensetzung und lassen sich schlechter extrahieren. Wir müssen unsere Verarbeitungsbedingungen anpassen und haben eine etwas tiefere Zuckerausbeute, dafür mehr Melasse und Schnitzel.

Milder Winter fördert Virus

Die Viröse Vergilbung ist weltweit verbreitet und die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit bei den Zuckerrüben. Das BYV (Beet Yellow Virus) genannte Virus wird von Blattläusen beim Saugen übertragen. In der Schweiz sei vor allem die grüne Blattlaus ein Problem, sagt Samuel Jenni von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau. Dieser sei mit Nützlingen schwerer beizukommen als etwa der schwarzen Blattlaus. Weil der letzte Winter mild war, ermöglichte er den Blattläusen eine Lebendüberwinterung. Deshalb gab es die ersten Symptome für die Viröse Vergilbung in der Schweiz dieses Jahr bereits am 8. Juni im Chablais, so früh wie noch nie. In den westlichen Anbaugebieten dürften zwischen 80 und 90 Prozent der Felder befallen sein. Noch weniger verbreitet aber ebenfalls vorhanden ist das Virus östlich von Bern.

Die Viröse Vergilbung ist weltweit verbreitet und die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit bei den Zuckerrüben.
SFZ

Gibt es noch andere Probleme?

Ja. Bei den Ernte- und Verlademaschinen die Rollenabstände der Reinigungsanlagen wegen den kleinen Rüben angepasst werden müssen. Dadurch werden die Steine weniger gut entfernt und mehr davon landen in der Fabrik. Wenn die Rüben aus steinreichen Böden kommen, haben wir grosse Probleme und unsere Schnitzel-Schneidmaschinen vor der Extraktionsanlage werden durch die Steine beschädigt. Aber wir müssen das Beste aus der Situation machen und alle Rüben verarbeiten, wir brauchen den Zucker.

Wie sieht die Anbaubereitschaft der Pflanzer für nächstes Jahr aus?

Die Pflanzer und auch die SZU haben auf die Notzulassung von Gaucho gewartet und sind entsprechend enttäuscht. Trotzdem müssen wir den politischen Entscheid des BLW akzeptieren. Es muss ja unser aller Ziel sein, die extremen Trinkwasser- und Pestizidinitiativen abzulehnen und der Druck, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen wird bleiben. Wir möchten den Anteil an Bio- und IP-Suisse-Rüben im nächsten Jahr deutlich erhöhen. Das BLW hat immerhin zwei zusätzliche Wirkstoffe zur Bekämpfung der Blattläuse zugelassen.

Wie geht es hier weiter?

Die Fachstelle wird zusammen mit den kantonalen Landwirtschaftsämtern ein Monitoring aufbauen, damit wir die neuen Wirkstoffe zum richtigen Zeitpunkt und damit möglichst effektiv einsetzen können. Wir werden in den nächsten Wochen intensiv mit den Pflanzern kommunizieren, um ihnen die Chancen des Ansatzes neuer Wirkstoffe und dem Blattlausmonitoring zu erklären. Damit hoffen wir, viele von ihnen zu überzeugen, auch 2021 wieder Rüben anzubauen. Die Kunden wollen Schweizer Zucker und die Preise sind unterdessen auch deutlich besser.

Werden Sie noch Zuckerrüben anbauen?
Ja, klar
33%
168
Nein, ich höre auf
40%
200
Weiss noch nicht
10%
51
Habe nie Rüben angebaut
17%
83

Wettbewerbsnachteil

Der Verband der Schweizer Zuckerrübenpflanzer SVZ , dass die Notzulassung von Gaucho abgelehnt wurde. Der negative Entscheid stellt den Schweizer Zuckerrübenanbau laut dem SFZ vor riesige Herausforderungen: «Es muss befürchtet werden, dass die Schweizer Zuckerwirtschaft in ihren Grundfesten gefährdet ist. Die Ablehnung der befristeten Notzulassung führt zu einem massiven Wettbewerbsnachteil der einheimischen Zuckerproduktion und hat hohe Importmengen von nachweislich weniger nachhaltig produziertem Zucker zur Folge», warnt der Verband.

Der Schweizer Zuckerrübenverband fordert, dass nur noch Zucker importiert wird, der ohne Pflanzenschutzmittel hergestellt wurde, die in der Schweiz nicht zugelassen sind. 

Die Schweizer Zucker AG teilt die Bedenken des SVZ bezüglich Zuckerimporten. «Der Entscheid führt zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung gegenüber der EU. Der Entscheid des BLW wird zu einem Rückgang der Anbaufläche führen und dies wiederum zu einem grösseren Anteil von Importzucker, welcher nicht nur mit den in der Schweiz verbotenen Pflanzenschutzmitteln behandelt, sondern auch deutlich weniger nachhaltig produziert wird als in der Schweiz», machte Schweizer Zucker nach dem Entscheid deutlich.

Die Branche befürchtet, dass die Anbaubaubereitschaft sinken wird. 
Andreas Scheurer

8 Responses

  1. Wenn die Mittel wirklich so gefährlich sind, werden dann alle Essensreste welche Importgüter enthalten zu Sondermüll?
    Ironie ein: „Wird den Biogasanlagen fehlen. Wärme +Stromproduktion fallen, verarbeitende Industrie ins günstigere Ausland. In die Region mit Freihandelsverträgen. (z.B. Südamerika. Platz wird abgeholzt) Danke Bundesrat. Flieger Schiffe müssen dann nur noch mit verkaufsfähigen Produkten geladen werden. Weniger Transport und weniger Produktion, mehr Umweltschutz“. Ironie aus

  2. Als erstes müssen SVZ SZU die ungerechtfertigte und unsinnige Rübenpreisreduktion der Branchenvereinbarung 2021 zurücknehmen. Wir haben soeben unsere Rüben geliefert Zuckergehalt 19.2% und sehr hohem Kiloertrag. Mit der Branchenvereinbarung 2021 würde ich netto Fr. 450.- / Hektare verlieren. Das ist unakzeptabel. So geht das nicht! Ohne Rücknahme der Rübenpreisreduktion – kein Anbauvertrag!

  3. Ich kenne niemanden der hexen kann. Natürlich wären höhere Preise angezeigt. Dass Produzenten mit immer höheren Zuckerrgehalten wütend sind, verstehe ich voll und ganz. Auf der anderen Sete : sind wir froh haben wir in der Ostschweiz diese Pest noch nicht ! Und denken daran : immer mehr Rüben importieren um die Fabriken am laufen zu erhalten geht auch nicht. Eine Zeit ist nicht alle Zeit !

    1. ps. meinen Ertrag gebe ich an dieser Stelle nicht bekannt, sonst wird der Beitrag wieder gelöscht….. ( weil ohne Gaucho )….. aber der Herrgott hats Heuer nicht schlecht gemeint, man darf aufs nächste Jahr gespannt sein, so ist Bauern.

  4. Wenn Schweizer Zucker so gesucht ist und die verlangte Menge nicht geliefert werden kann, dann ist doch irgendwo ein Fehler im System! Das Anbaurisiko trägt immer der Produzent. Wenn das Risiko höher wird, sollte auch der Preis steigen. Die Nachfrage ist ja vorhanden! Darf dann nicht nur Zucker mit den gleichen Anbaubedingungen wie in der Schweiz importiert werden? Direktzahlungen sind heute ein notwendiges Übel welches es mit weltweit anständigen Preisen gar nicht bräuchte. Wenn die Preise immer sinken hören auch viele Ostschweizer Produzenten auf weil sie sich einfach verarscht fühlen. Überall wird von Bodenschonung geredet, bei der Zuckerrüben Ernte bleibt das viel mal auf der Strecke, da sind wir im Zugzwang zu liefern. Wir Bauern werden überall in Produzentenorganisationen eingebunden und sind trotzdem immer Restgeld Empfänger. Die Schweiz will auch überall die Welt retten. Also fangen wir doch bei würdigen Zuckerrüben und Zucker Preisen an!

    1. Natürlich währe mir der Rübenpreis wie vor 20 jahren viel lieber. Wenn Politiker von der reichen Schweiz reden dreht sich mir der Magen, wenn an gewisse Produzentenpreise denke. Es ist traurig, dass der grausamste Lehrmeister zum Zuge kommen muss : Hunger !
      Den Bodendruck bei der Ernte nehme ich in Kauf. Das laden mit der Maus hinterlässt alerdings häufig für Jahre Spuren.

      1. Einfach nochmals auf den Punkt gebracht: Eine Rübenpreissenkung ist unter keinem Aspekt zu rechtfertigen. Auf der einen Seite zahlt man den mit der unsäglichen neutralen Zone 15 – 16 % , Zucker, den es gar nicht gibt, auf der anderen Seite will man Pflanzer bestrafen, die viel Zucker abliefern. Auch ökologischschlecht, Rüben mit wenig Zuckergehalt verursachen unter dem Strich mehr Transportkosten und Umweltbelastung. Eine reine Alibiübung zu Gunsten der Westschweiz!!!

        1. Auf dem Acker , auf dem ich nächstes Jahr Rüben mache, hatte ich das letzte mal 21 % Zucker. Leider wurde diese Sorte wegen stark zunehmender Cercospora- Anfälligkeit gekippt. Die Transportkosten, resp. Emissionen sind tatsächlich ein Faktor, welchler Beachtung geschenkt werden muss. Ja, diese Übung geht zu gunsten der Westschweiz, ganz klar. Ohne Aarberg wird Frauenfeld nicht lange überleben. Sollen wir uns auf die Auflösung unserer Aktienanteile ( Verkauf Bauland der 2 Fabriken ) freuen ?

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