Sonntag, 29. November 2020
21.11.2020 17:47
Zuckerrüben

Zuckerrübenanbau darf nicht verschwinden

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Der Freiburger CVP-Grossrat Pierre-André Grandgirard und 52 Mitunterzeichnende lancieren eine Standesinitiative.

Wohl zeigt sich der Bundesrat von der harten Seite, denn das Neonicotinoid Gaucho bleicht in der Schweiz verboten. Aber Landwirt und CVP-Grossrat Pierre-André Grandgirard aus dem Broye-Bezirk will das nicht einfach so hinnehmen. Nicht weniger als 52 Kolleginnen und Kollegen konnte er überzeugen, die Dringlich Motion mit zu unterzeichnen. 

Dieser Motion liegt die Ausbreitung der Vergilbung bei den Zuckerrüben zugrunde, welche die Schweizer Zuckerproduktion gefährdet. An seiner Sitzung vom 29. September 2020 anerkannte der Staatsrat das Anliegen der Motion und beantragte deren Annahme durch den Grossen Rat, die am 15. Oktober 2020 erfolgte. Der Staatsrat hat beschlossen, ihr  Folge zu geben, und er unterstützt das Gesuch um eine befristete Bewilligung für den gezielten Einsatz des Mittels Gaucho. Von 1994 bis 2018 wurde das Saatgut der Zuckerrüben damit  gebeizt.

Zuckerrüben sind eine für die Fruchtfolge wichtige Kultur und wurden im Jahr 2020 im Kanton Freiburg von 296 Produzenten auf einer Fläche von 1430 ha angebaut. Der Kanton Freiburg liefert damit rund 8 % der schweizerischen Zuckerrüben, welche in der nahe gelegenen Zuckerfabrik Aarberg verarbeitet werden. Zur langfristigen Sicherstellung dieser Wertschöpfungskette ist der Kanton Freiburg an der Schweizer Zucker AG finanziell beteiligt. Diese sei nun akut gefährdet, argumentieren sie. 

Mehr als zehn europäische Staaten haben eine Notfallzulassung für die erwähnten Neonicotinoide erteilt. Dabei gelten jeweils strenge Auflagen zur Risikominderung. In Belgien zum Beispiel dürfen während zwei Jahren nach der Verwendung von mit Neonicotinoiden gebeiztem Rübensaatgut nur Kulturen angebaut werden, die für Bienen unattraktiv sind (z.  B. Getreide). Danach sind in den drei Folgejahren für Bienen wenig attraktive Kulturen (z.  B. Mais, Kartoffeln) zulässig. Betreffend allfällige Auswirkungen auf die Wasserqualität im Kanton Freiburg hat das Amt für Umwelt im Rahmen des Analyseprogramms 2018/2019 802 Analysen der Substanz Imidacloprid (90 Grundwasser und 712 Oberflächengewässer) durchgeführt.

Von den 802 Proben lag eine einzige sehr leicht über dem Grenzwert, der bei 13ng/l (Durchschnitt von zwei Wochen) und 100 ng/l (isolierter Wert) liegt. Im Moment scheint also die Konzentration von Imidacloprid in den freiburgischen Gewässern kein Problem zu sein. Falls dieses Produkt temporär wieder zugelassen wird, müssen die zuständigen Behörden dafür sorgen, dass die Bewilligung an gewisse Bedingungen geknüpft wird: Lokal verstärkte Analysen von Grundwasser und Oberflächengewässern, temporäre Bewilligung einzig für Imidacloprid (und nicht für andere Neonicotinoide), und nur für die Saatgutbeizung von Zuckerrüben, Fruchtfolge der nicht blühenden Kulturen. 

4 Responses

  1. Fotos sortieren lieber SB , das sind keine Zuckerrüben ! Lassen wir die Zckerproduktion am Leben , es lohnt sich für alle. Die Sorglosigkeit der Leute bezüglich Ernährungssicherheit erzeugt bei mir Stirnrunzeln . Hunger ist die grausamste Lehrnmethode….
    Diese Initiative ist sehr erfreulich.

  2. Da werden wieder Kraut und Rüben vermischt! Bei Gaucho war die Belastung der Gewässer noch nicht eine ernsthafte Diskussion. Es geht um die subletale Wirkung auf Nutz-Insekten (inkl. Bienen)! Diese Gefahr geht von allen gauchobehandelten Kulturen aus, auf denen sich Schädlinge (z.B. Blattläuse auf Zuckerrüben) ansiedeln. Wenn diese dann von den Nutzinsekten gefressen oder die Ausscheidungen geleckt werden, nehmen sie Schaden (z.B. Schwächung und somit Anfälligkeit auf deren Krankheiten).

    1. Sehr geehrter alter Bauer, gibt es Studien oder wissenschaftliche Untersuchungen, welche die These über die Aufnahme von Gaucho im Honigtau (Zuckerausscheidung) der Rübenblattläusen von Bienen unterlegen? Im Internet findet sich nichts.
      Der Honigtau von Rübenblattläusen wird allgemein sehr schnell von Russpilzen zersetzt (Quelle Internet).

      1. Es war Leider zu erwarten, dass da nichts kommt. Ich habe Sie ja bereits mehrmals um wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu dieser These gebeten.
        Im Bienenhonig müsste sicher auch Imidacloprid gefunden werden wenn Bienen Honigtau von Rübenblattläusen auf behandelten Rüben ernten. Haben Sie Kenntnisse über solche Nachweise?
        Es wäre korrekt von Ihnen, zu antworten.

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