27.11.2012 15:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Tierschutz
1246 Strafverfahren wegen Tierschutz
Es werden jedes Jahr mehr Tierschutzstrafverfahren geführt. Aber nicht alle Kantone sind diesbezüglich gleich aktiv. Schon zum neunten Mal hat die Stiftung Tier im Recht die Tierschutzstrafpraxis ausgewertet, diesmal jene des Jahres 2011.

Am Dienstag stellten Geschäftsleiter Gieri Bolliger und seine beiden Mitarbeiterinnen Michelle Richner und Christine Künzli die Ergebnisse vor. «Die Gesamtentwicklung ist erfreulich», betonte Bolliger. Dabei bezog er sich auf die Anzahl Strafverfahren, die sich gesamtschweizerisch in den letzten zehn Jahren vervierfacht haben. 2011 wurden deren 1246 geführt. «Das zeigt, dass Tierschutzdelikte heute konsequenter verfolgt werden als früher.» Die Stiftung für das Tier im Recht geht davon aus, dass es noch viele schwarze Schafe gibt, die vom Radar der Justiz noch nie erfasst wurden. Allerdings, so Bolliger, führe nicht jedes Verfahren auch zu einer Anklage.

Neue Bündner Fachstelle

Als gute Beispiele lobte er die Kantone Bern (259 Verfahren), St. Gallen (235) und Zürich (207), in denen die Behörden 2011 jeweils über 30 Fälle mehr ahndeten als im Vorjahr: «Im Graubünden ist die Anzahl Tierschutzstrafverfahren sogar von 16 auf 55 gestiegen, das ist eine Zunahme um fast 250 Prozent.» Laut Bolliger ist das das Verdienst einer neu geschaffenen Fachstelle für Tierschutz.
Nach den Spitzenreitern folgen im Ranking der Stiftung  die Kantone Waadt, Aargau und Solothurn. Auf der anderen Seite der Skala findet man die schwarzen Schafe,  die Kantone Nidwalden, Genf, Jura und Uri, in denen 2011 kaum ein Strafverfahren geführt wurde. Hier fehlten griffige Strukturen, Fachkompetenz und  ein konsequentes, koordiniertes Vorgehen, so Bolliger.

Gemessen an der Wohnbevölkerung wurden die Strafverfolgungsbehörden 2011 in der Schweiz durchschnittlich in 1,51 Fällen pro 10000 Einwohner aktiv. In Appenzell Innerrhoden waren es 5,72 Fälle pro 10000 Einwohner, in Luzern dagegen nur 0,45 Fälle pro 10000 Einwohner. 
Jeder 168. Schafhalter

Luzern steht auch bezüglich Nutztiere auf der Alarmliste der Stiftung, wie Bolliger betonte: «Luzern und Freiburg sind Kantone mit vielen Landwirtschaftsbetrieben und grossen Tierzahlen. Trotzdem wurden dort jeweils nur wenige Strafverfahren geführt.» In Luzern gebe es 8862 Nutztierhalter mit 1,64 Mio. Tieren – und gerade mal acht Verfahren. «Im Schnitt hatte sich nur jeder 1107. Halter einer Strafuntersuchung zu unterziehen.» Im Kanton Freiburg  mit 1,8 Mio. Tieren waren es elf Verfahren.

Meist Hunde betroffen

Gesamtschweizerisch wurde 2011 gegen jeden 132. Rindvieh- und Schweinehalter, jeden 168. Schafhalter, jeden 388. Ziegenhalter und jeden 732. Geflügelhalter ein Verfahren geführt.

Diese Zahlen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bauern ihre Sache grundsätzlich gut machen. Die Aufgliederung nach Tierarten zeigt nämlich, dass vergangenes Jahr 739 von 1246 aller Fälle, also fast drei Viertel, Heimtiere betrafen. Wie in den Vorjahren wurden auch 2011 vor allem Hundehalter strafbehördlich verfolgt. Sie provozierten 619 Verfahren, Nutztierhalter deren 393, 100 betrafen Wildtiere.

Qualzucht im Fokus

Nachdem die Landwirtschaft nicht mehr so stark im Fokus der Stiftung steht wie noch vor einigen Jahren, will sich diese nun gegen Qualzuchten engagieren. Eine solche sei verboten, wenn bei den Nachkommen mit zuchtbedingten Belastungen gerechnet werden müsse, betonte Christine Künzli: «Wenn also Hunde wegen einer verkürzten Nase nicht mehr richtig atmen können.» Als Beispiele für Rassen, bei denen Qualzucht betrieben wird, nannte sie den Boxer und den Pekinesen bei den Hunden, aber auch Nackt- und Perserkatzen, doch: «Auch bei Nutztieren kann die Zucht zu Tierquälerei führen, wenn den Rindern so viel Fleisch angezüchtet wird, dass sie nicht mehr natürlich abkalben können.»

Damit das Qualzuchtverbot umgesetzt wird, hat die Stiftung bei den Staatsanwaltschaften Aargau, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich sieben exemplarische Strafanzeigen gegen Hunde-, Katzen und Taubenzüchter eingereicht.

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