12.03.2013 08:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Silvia Gisler
Schwyz
130 Meter Weg werden zum Zankapfel
Am Dienstagvormittag standen zwei Altendörfler Landwirte vor dem Schwyzer Verwaltungsgericht, weil ihnen die Regierung eine Baubewilligung für einen 130 Meter langen Weg verweigert hatte.

In Altendorf tobt ein Streit um 80 respektive 130 Meter eines Weges im Gebiet Teufruns – am Rande eines kommunalen Naturschutzgebiets. Zwei Landwirte bauten den unwegsamen Karrweg, den sie als Zufahrt zu ihren Landwirtschaftsflächen brauchen, zu einem Bewirtschaftungsweg aus.

Gemeinde vergass Ersatzmassnahme

Ein erst nachträglich eingereichtes Baugesuch wurde  – trotz Einsprache von vier Umweltverbänden – sowohl von der Gemeinde Altendorf als auch vom Volkswirtschaftsdepartement mit Auflagen und unter Anordnung einer Ersatzmassnahme genehmigt. Wobei die Gemeinde in ihrem Beschluss vergessen hat, die Ersatzmassnahme anzuordnen.

Gegen diesen Beschluss reichten die Umweltverbände beim Regierungsrat Beschwerde ein. Dieser verweigerte kurzerhand die Bewilligung und ordnete den Rückbau des 130 Meter langen Bewirtschaftungsweges an. Dagegen haben die beiden Altendörfler Landwirte ihrerseits Beschwerde eingereicht.

Keine Alternativen - viel längere Fahrten


Für Bruno Beeler, Anwalt der Beschwerdeführer, ist klar: «Kein einziger Regierungsrat, der am Entscheid mitgewirkt hat, wusste beziehungsweise weiss über die konkrete Situation vor Ort Bescheid», betonte er mehrmals vor Gericht. Anders sei dieser Entscheid nicht zu ­erklären. Die beiden vorgeschlagenen Alternativrouten, um zur Liegenschaft Teufruns und den Bewirtschaftungsflächen zu kommen, seien unverhältnismässig, unsinnig, von «Mumpitz» war die Rede.

Die alternative Bergroute messe für Bewirtschafter A sieben Kilometer und eine Fahrzeit von 45 Minuten anstelle der bisherigen 3,3 Kilometer. Bewirtschafter B müsste eine um fünf Kilometer längere Strecke und somit insgesamt rund 13 Kilometer und ­anderthalb Stunden Fahrt in Kauf nehmen. Die alternative Talroute via Galgenen würde für Bewirtschafter A eine Wegstrecke von 18 Kilometern und für Bewirtschafter B eine von rund 13 Kilometern bedeuten. Abgesehen von der Fragwürdigkeit, ob dies ökologischer und wirtschaftlicher sei oder nicht, seien beide Alternativrouten eine Zumutung – im Winter schlicht unpassierbar.

Nicht zuletzt führe die Bergstrecke mitten durch ein Auerwild-Schutzgebiet und die Talstrecke 1,5 Kilometer entlang dieses Schutzgebiets. Anwalt Beeler fragte das Gericht und insbesondere die Umweltverbände, weshalb diese deutlich ­höhere Belastung für das Wild kein Problem sei, die 80 Meter Bewirtschaftungsweg aber schon.

Regierung hält an Rückbau fest

Natalie Rüfenacht, Rechtsvertreterin der Regierung, betonte vor Gericht, dass ein allfälliger Augenschein vor Ort keine konkreten Erkenntnisse gebracht hätte und hielt dementsprechend am Antrag des Rückbaus fest. Wäre ein Augenschein vonnöten, hätte dies das Verwaltungsgericht seinerseits angewiesen.

Sie stellte indes Bruno Beelers Angaben bezüglich der Erreichbarkeit im Winter infrage. So sei das Gebiet von Siebnen-Galgenen her während des ganzen Jahres erreichbar und auch für tägliche Fahrten zumutbar. Es sei ein sofortiges Nutzungsverbot für den Bewirtschaftungsweg, der quer durch das kommunale Naturschutzgebiet führe, auszusprechen.

Michael Erhard, Vertreter der Umweltverbände, schloss sich den Aussagen der Regierungsvertreterin an. «Der Schutzstatus des Auerhuhns ist vollends umzusetzen», betonte der Vorsteher von Pro Natura Schwyz. Er betonte, dass es nicht um die bestehende Waldstrasse geht, sondern um den Verkehr. «Jeder Weg, der neu erstellt wird, führt zu Zusatzverkehr.»

Wie wird entschieden?

Man darf gespannt sein, wie das Verwaltungsgericht entscheidet, denn zweifelsohne sind sich die Vertreter nicht einig, wo sich nun das Auerwild-Schutzgebiet tatsächlich befindet, respektive wo es endet. Wenn es den Parteien wirklich um den Wildschutz geht, sollten doch 80 respektive 130 Meter am Rande des Gebiets eine umweltfreundlichere Lösung sein, als eine deutlich längere Fahrt am Rande oder mitten durch das Naturschutzgebiet.

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