19.08.2020 16:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Aktionsplan gegen Klimawandel
Hochwasser, Murgänge, Hitze und Schäden an der Infrastruktur: Die Bewältigung des Klimawandels wird die Schweiz Milliarden Franken kosten. Nun hat der Bundesrat seinen Aktionsplan angepasst, mit dem Katastrophen besser vorgebeugt und die Folgen minimiert werden sollen.

Der am Mittwoch vom Bundesrat verabschiedete Aktionsplan für die Jahre 2020 bis 2025 enthält 75 Massnahmen. Beispielsweise sollen Grün- und Wasserflächen das Problem der überhitzten Städte eindämmen, wie es in einer Mitteilung heisst. Einen weiteren Fokus setzt der Bundesrat bei der Prävention. So sollen Frühwarnsysteme - beispielsweise zur Vorhersage von Trockenperioden - weiterentwickelt werden.

44 neue Massnahmen

Bereits im Frühjahr 2014 hatte der Bundesrat einen ersten Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet. Dieser beinhaltete 63 Massnahmen - unter anderem in der Landwirtschaft und im Tourismus. Mit dem neuen Aktionsplan würde die Umsetzung der Strategie fortgesetzt, schreibt der Bundesrat. Bei 44 Massnahmen handelt es sich um neue Aktivitäten. 31 Massnahmen waren bereits im ersten Aktionsplan enthalten.

Die Massnahmen sollen dazu beitragen, die grössten Folgen und Risiken des Klimawandels zu bewältigen. Dazu gehören laut dem Bundesrat eine häufigere und stärkere Hitzebelastung, Sommertrockenheit, zunehmende Naturgefahren und der Verlust der heimischen Tier- und Pflanzenvielfalt.

Widerstandsfähigere Sorten

In der Landwirtschaft fördern Bund und Kantone die ressourcenschonende und an die trockeneren Bedingungen angepasste Bewirtschaftung, zum Beispiel den Anbau von Sorten, welche Trockenheit besser überstehen. Zudem sieht der Aktionsplan vor, Biodiversitäts-Schutzgebiete zu schaffen und zu vernetzen.

Verschiedene weitere Massnahmen des zweiten Aktionsplans zielen darauf ab, die Abstimmung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden zu verbessern. So entwickelt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) für Gemeinden ein einfaches Online-Tool, das sie bei der Planung von eigenen Anpassungsmassnahmen unterstützen soll.

CO2-Reduktion prioritär

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie von Bund und Swiss Economics könnte der Klimawandel um das Jahr 2050 bei Infrastruktur und Energiewirtschaft Kosten von bis zu einer Milliarde Franken im Jahr verursachen. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Infrastruktur seien vielfältig.

Speziell für kleinere Gemeinden und Kantone könne die finanzielle Bewältigung zu einem Kraftakt werden, hatte Umweltministerin Simonetta Sommaruga im vergangenen Oktober gewarnt. So unerlässlich die Massnahmen im Aktionsplan auch seien, der Kern der Klimapolitik bleibe die Reduktion von CO2, betonte Sommaruga damals. «Die günstigste und die wirksamste Lösung gegen Schäden an der Infrastruktur ist die Reduktion der CO2-Emissionen.»

Unklare Kosten

Wie viel die Umsetzung der Massnahmen genau kostet, kann laut der Regierung nur grob geschätzt werden: Für die 41 Massnahmen, für welche die Verwaltung Angaben zum Ressourcenbedarf gemacht hat, gehen die Experten von ungefähr 11 bis 12 Millionen Franken pro Jahr in den Jahren 2020-2021 und von ungefähr 9 bis 10 Millionen Franken pro Jahr in den Jahren 2022-2025 aus, wie es im Aktionsplan heisst.

Die effektiven Kosten der Anpassung an den Klimawandel dürften aber wesentlich höher liegen. Dies vor allem deshalb, weil auch Kantone und Gemeinden Massnahmen treffen müssten. Zudem sei davon auszugehen, dass die Kosten für die Anpassung mit fortschreitendem Klimawandel stark zunähmen, hält der Bundesrat fest. Die frühzeitige Anpassung werde aber wesentlich günstiger sein als das spätere Beheben der Schäden.

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