30.08.2017 16:21
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Agrarpolitik 2022
Arbeitsbezogene Direktzahlungen
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben ihre Erwartungen bezüglich der Agrarpolitik 2022+ beim Bund deponiert. Zusammen mit der gesamten Milchbranche fordern sie eine Anpassung der Direktzahlungen an die zukünftigen Ziele. Der Fokus soll zudem auf eine starke Milchwirtschaft gelegt werden.

Die Milchproduktion ist der bedeutendste Sektor der Schweizer Landwirtschaft, schreiben die SMP am Mittwoch in einer Mitteilung. Da 82 Prozent des Schweizer Rindfleisches auf Milchbetrieben produziert werde, werde die Bedeutung gar noch verstärkt. Zudem erfülle die hiesige Milchproduktion aufgrund der hohen Anforderungen an Tierwohl, Regionalität und Natürlichkeit die Erwartungen der Gesellschaft.

Einheimische Futtergrundlage

Bei der Ausgestaltung der künftigen Agrarpolitik 2022+ haben die SMP nun ihre Vorstellungen deponiert. Als zentrales Element fordern sie eine Anpassung der Direktzahlungen an die zukünftigen Ziele. Diese sollen weniger flächenbezogen, aber viel mehr arbeits- und leistungsbezogen ausgestaltet werden.

Zukunftsfähige Betriebe sollen zudem Milch «grösstenteils» auf eigener, einheimischer Futtergrundlage produzieren. Der Bund soll daher die Erzeugung von einheimischen Raufutter wie Gras, Mais und vor allem auch Futter-Leguminosen fördern. Damit könne sich die Schweizer Milch gegenüber dem Ausland differenzieren und richte sich gleichzeitig dem Markt aus.

Ausstieg aus der Milch belastet andere Richtungen

Diese Mehrwerte könnten anschliessend am Markt in Wert gesetzt werden und führten zu Mehrerlösen. «Die faire Verteilung dieser Mehrerlöse in der gesamten Wertschöpfungskette ist ein zentrales Element», halten die SMP fest. Die Forderung an den Bund: Dieser muss die Rahmenbedingungen so ausgestalten, dass die marktbezogene Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette auf «Augenhöhe» stattfinden kann.

Die SMP machen zudem aufmerksam, dass der Sektor Milch aufgrund des Freihandels beim Käse mit der EU sich stark von anderen Bereichen unterscheide. Der Molkereimilchpreis sei zu 70 Prozent von der EU abhängig. Wenn aufgrund tiefer Preise viele Milchbauern aussteigen, wirkt sich dies auf andere Produktionsrichtungen aus. Deshalb der Appell der SMP an den Bund: «Bei der Ausgestaltung des agrarpolitischen Instrumentariums muss diesem Umstand Rechnung getragen werden. Sonst belastet der Ausstieg aus der Milch andere Produktionsrichtungen und bringt den gesamten Schweizer Agrarmarkt aus dem Gleichgewicht.»

Bund will Marktöffnung prüfen

Der Bundesrat will den Bericht «Gesamtschau zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik 2022» voraussichtlich im Herbst 2017 veröffentlichen. Im Juni 2017 teilte die Landesregierung mit: «Der Bundesrat möchte die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Landwirtschaft auf dem Binnenmarkt sowie auf den ausländischen Märkten optimieren, ein besseres Management der natürlichen Ressourcen gewährleisten und die unternehmerische Entwicklung der Landwirtschaftsbetriebe begünstigen.»

Infrage komme etwa eine Öffnung des Agrarmarktes, um den Abschluss von Freihandelsabkommen zu erleichtern und damit das Wachstum der Schweizer Exportbranchen zu sichern sowie die Situation der Konsumentinnen und Konsumenten zu verbessern. Bei einer allfälligen Öffnung des Agrarmarktes sollen Begleitmassnahmen geprüft werden. Der Bericht soll anschliessend als Leitfaden für die Ausgestaltung der Agrarpolitk 2022+ dienen.

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