21.09.2017 09:46
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Hornkuh
Armin Capaul trifft Agrarminister
Armin Capaul setzt sich mit voller Energie dafür ein, dass für hortragende Kühe und Ziegen ein Beitrag ausbezahlt wird. Seine Hornkuh-Initiative wurde vom Ständerat abgelehnt. Der Bergbauer hat bei seinem Besuch in Bern auch den Bundesrat besucht.

Armin Capaul ist ein Original. Der im Berner Jura wohnhafte Bergbauer wurde weit über die Landesgrenzen bekannt. Mehrere hundert Medienschaffende haben sich Capaul und seiner Hornkuh-Initiative angenommen. Grosse Medientitel wie der «Spiegel» oder die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» haben ausführlich über den Mann mit der Zipfelmütze berichtet.

Im Ständerat wohl chancenlos

Seine Hornkuh-Initiative wird am Donnerstag im Ständerat beraten. Die Parlamentarier zeigen zwar teilweise Sympathie für sein Anliegen. Doch die Initiative dürfte im Ständerat chancenlos bleiben. Capaul lässt sich nicht beirren. «Die Hornkuh-Initiative wird auf keinen Fall zurückgezogen», sagte Armin Capaul im vergangenen März auf Anfrage des LID. Eine Alternative auf Gesetzesebene könne schnell wieder gebodigt werden.

Für sein Anliegen kämpft der Bergbauer unermüdlich weiter. Am Donnerstagmorgen konnte Capaul sich auch kurz mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann austauschen. Doch der Agrarminister dürfte sich von den Argumenten Capauls nicht umstimmen lassen. Auf der Seite von Capaul im Ständerat sind Roberto Zanetti (SP/SO) und Anita Fetz (SP/BS).

Ständerat gegen Hornkuh-Initiative

Der Ständerat hat die Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere»mit 28 zu 8 Stimmen bei 8 Enthaltungen abgelehnt. Die Mehrheit der Wirtschaftskomission (WAK) lehnte die Initiative ab. Trügen zehn Prozent der Tiere Hörner, würde dies zu rund 30 Millionen Franken Kosten führen, die in der Landwirtschaft anderswo eingespart werden müssten. 

500 Franken pro Kuh und Jahr


Die Hornkuh-Initiative will erreichen, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden. Armin Capaul verlangt mit seiner Initiative kein Enthornungsverbot, Halter von Kühen und Ziegen sollen vom Bund unterstützt werden.

Der Bergbauer aus dem Berner Jura schwebt einen Richtwert von rund 500 Franken pro Kuh und Jahr. Bei den Ziegen möchte er einen Beitrag von 100 Franken pro Jahr. Mehrkosten entstünden nicht, betont Capaul. Man müsse das Geld im Landwirtschaftsbudget einfach anders verteilen.

Bauern grossmehrheitlich dagegen

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE in der Landwirtschaft nicht nur Freunde. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Die meisten Bauern lehnen die Initiative ab. Bei den Mitgliedern der IG Anbindestall stösst das Begehren indes auf Unterstützung. Für die meisten Bauern aber, welche ihre Kühe in Laufställen halten, ist es schlicht undenkbar, die Kühe nicht zu enthornen. Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier sei zu gross, argumentieren sie. Rund neun von zehn Milchkühen sind heute hornlos. In der Schweiz werden den meisten Kälbern nach vorgängiger Schmerzausschaltung die Hornanlagen ausgebrannt.

Die Hornkuh-Initiative wurde im März 2016 mit fast 120'000 gültigen Unterschriften eingereicht. Hinter der Initiative steht eine Interessengemeinschaft um den Bergbauern Armin Capaul. Die Unterschriften stammten hauptsächlich aus der Romandie und urbanen Gebieten. Chancenlos dürfte die Initiative also nicht sein.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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