26.02.2013 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans Käser
Bern
«Aufgabenkatalog der Lobag ist breit»
Andreas Wyss ist seit rund 100 Tagen Geschäftsführer der Lobag in Ostermundigen. Die Organisation vertritt rund 11'000 Landwirte und Bäuerinnen. Wyss zeigt die aktuellen Tätigkeitsschwerpunkte der Lobag auf.

«Schweizer Bauer»: Herr Wyss, was hat Sie dazu bewogen, sich als Geschäftsführer bei der Lobag zu bewerben?
Andreas Wyss: Diese Arbeit bedeutet eine neue grosse Herausforderung für mich. Sie bietet mir die Chance, mich an der Schnittstelle von Politik und Verwaltung für die Landwirtschaft zu engagieren, was mir sehr wichtig ist. 

Seit rund hundert Tagen widmen Sie sich der neuen Aufgabe. Was sind ihre bisherigen Erfahrungen?
Der Aufgabenkatalog der Lobag ist enorm breit. Daher kenne ich noch nicht alle Dossiers bis ins letzte Detail. Doch ich arbeite täglich daran. In den verschiedenen Gremien der Lobag und auf der Geschäftsstelle arbeiten  engagierte Leute. Sie erleichterten mir den Einstieg in hohem Masse. Ich stelle fest, dass die Aussage «für d Bure» im Logo der Lobag von allen als Dienstleistungsverständnis getragen wird.

Am 1. September dieses Jahres tritt das neue Tierschutzgesetz in Kraft. Ist die Landwirtschaft darauf vorbereitet?
Grösstenteils ja. Doch die Umsetzung muss bis am 1. September dieses Jahres vollzogen sein. Die neuen Regeln gelten vom ersten Tag an. Wer sie nicht beachtet, riskiert Sanktionen. Wenn Vorschriften vorläufig nicht eingehalten werden können, darf nicht einfach zugewartet werden. In diesen Fällen ist bis am 31. März beim Kanton ein gut begründetes Ausnahmegesuch einzureichen.

Als weiteres Grossprojekt steht im Kanton die Erhebung der Bewirtschaftungsflächen an. Nach der Pilotphase soll die erste Etappe bis im Frühjahr abgeschlossen sein. Machbar bei 8000 im Mittelland zu erhebenden Betrieben?
Das ist für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung. Der Lobag ist es wichtig, dass der Datenschutz gebührend beachtet wird bei einem so grossen Projekt. Von Bedeutung ist auch die Unterstützung der Landwirte und der Erhebungsstellenleiter. Wie die Hilfe für die Flächenerhebungen der zweiten Etappe finanziert werden soll, ist noch zu klären.

Die Bauernfamilien sehen sich täglich mit zahlreichen landwirtschaftlichen Gesetzen konfrontiert. Sehen Sie sich als Rechtshilfeberater der Verbandsmitglieder?
Ja, die Lobag hat eine Rechtsabteilung. Wenn die oder der Ratsuchende über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, dann übernimmt die Lobag den Fall kostenlos. Für Lobag-Mitglieder ohne Versicherung gilt ein reduzierter Tarif.

Am 3. März wird über zwei Vorlagen abgestimmt, deren Ausgang grosse Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben wird. Welche Haltung nimmt die Lobag gegenüber der Revision des Raumplanungsgesetzes ein?
Diese Vorlage ist für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung. Schliesslich geht es um den Erhalt des Kulturlandes und um die Sicherung der bäuerlichen Existenz. Deshalb fordern wir ein Ja.

Und was sagt die Lobag zur Initiative «Bern erneuerbar»?
Aus der Sicht der Landwirtschaft muss ein zweifaches Nein eingelegt werden. Sowohl die Initiative als auch der Gegenvorschlag gehen zu weit. Ganz gewiss ist die Landwirtschaft offen für erneuerbare Energien. Doch ein Sanierungszwang für ihre Bauten würde unzumutbare Kosten verursachen.

Über die Agrarpolitik 2014–2017 wurde viel geredet, und die Lobag investiert viel Zeit in die Vernehmlassungen.
Wir setzen uns ein für eine Berner Landwirtschaft mit Zukunftsperspektiven. Selbstverständlich macht sich die Lobag Gedanken, wie die Interessen der Berner Bäuerinnen und Bauern auch über das Jahr 2017 hinaus konsequent gegen aussen vertreten werden können. Es ist wichtig, dass die Landwirtschaft ihre Sicht der Zukunft aktiv kommuniziert und dieses Feld nicht den anderen überlässt.

Mit Landschaftsqualitätsbeiträgen soll im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017 die landschaftliche Vielfalt gezielt gefördert werden. Was sagen Sie zu dieser Idee?
Breite Schichten der Bevölkerung und der Politik machen sich stark für den Erhalt und die Förderung der Landschaftsqualität. Deshalb sind wir gefordert, in Zusammenarbeit mit dem Kanton entsprechende Förderprojekte, welche für die Landwirtschaft umsetzbar sind, zu erarbeiten. 

Was unternimmt die Lobag gegen die schwindenden Mitgliederzahlen der bernischen Bauernvereine und damit der Lobag?
Auch in Zukunft müssen wir für einen positiven Auftritt der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit sorgen. Doch Bauernvereine und Verband benötigen Mitglieder, um bei Verhandlungen und Stellungnahmen auch ins Gewicht zu fallen. An der Klausurtagung vom 27. Februar 2013 wird sich der Grosse Vorstand der Lobag  mit der Thematik Mitgliedschaft befassen. 

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