4.09.2017 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Palmöl
Aufruf: Weniger Palmöl brauchen
Das in vielen Lebensmitteln und weiteren Konsumgütern enthaltene Palmöl führt zu Landraub und Menschenrechtsverletzungen. Dieser Ansicht sind die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer. Sie fordern darum Detailhändler und Hersteller auf, weniger Palmöl zu verwenden

Mit Palmöl-Plantagen würden Lebensräume zerstört, schreiben die Hilfswerke am Montag in einer Mitteilung. Weltweit seien bereits über 190000 Quadratkilometer Regenwald und Torfgebiete für solche Plantagen verschwunden - mehr als viereinhalb Mal die Fläche der Schweiz.

Appell an Grossverteiler

Die Zollstatistik für die Schweiz zeige, dass sich die Einfuhr von unverarbeitetem Palmöl in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdreifacht habe. Zusätzlich würden ähnlich grosse Mengen Palmöl als verarbeitete Produkte eingeführt. Getrieben werde die Entwicklung vom Verbrauch an Palmöl insbesondere für Nahrungsmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika.

Nach Auskunft der Schweizer Detailhändler und der Verarbeiter stecke heute in rund jedem sechsten Produkt in den Läden Palmöl. Erst ein sinkender Verbrauch von Palmöl brächte weniger Druck auf die Menschen und die Umwelt, sind Fastenopfer und Brot für alle überzeugt. Sie rufen deshalb die Schweizer Grossverteiler auf, den Verbrauch von Palmöl zu reduzieren.

Keine Nachhaltigkeit

Nichtregierungsorganisationen wiesen seit längerem auf die gravierenden Folgen des Anbaus von Ölpalmen hin, schreiben die Hilfswerke. In Indonesien etwa wüchsen heute Ölpalmen auf mehr als der Hälfte der Fläche, wo sich vor wenigen Jahren noch Regenwald befunden habe.

Nachhaltigkeit bei Palmöl gebe es nicht - auch nicht im Rahmen des Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Dieser 2004 etablierte Standard für Plantagenbetreiber, Händler und Verarbeiter sollte sicherstellen, dass die Mitsprache und die Rechte der Menschen in den Anbaugebieten in den Tropen gewahrt blieben. Doch der Standard sei Augenwischerei.

Bei zahlreichen zertifizierten Plantagen in Indonesien seien gravierende Probleme festgestellt worden, sagt Anton Widjaya, Direktor von Walhi Westkalimantan, einer Partnerorganisation von Brot für alle im weltgrössten Inselstaat. «RSPO ist vorwiegend 'Greenwashing' zur Beruhigung der Gewissen der Käufer und Verarbeiter von Palmöl in Europa und ebenso der beteiligten Banken und Finanzinstitute.»

Verheerende Folgen

Recherchen hätten gezeigt, dass die Bevölkerung oft nicht oder nur ungenügend über die Landvergabe an die entsprechenden Konzerne informiert worden seien. Zudem sei ihr der Zugang zu ihren Feldern verwehrt worden. Auch würden über Höhe und Umfang von Entschädigungszahlungen Unklarheiten herrschen.

Hinzu kämen verheerende Folgen für die Umwelt: So seien Plantagen direkt an Flüssen, in geschützten Wäldern oder an Steilhängen ohne Terrassierung zum Schutz gegen Erosion angelegt worden. Die Wassermenge und -qualität der Flüsse hätten sich an diesen Orten massiv verschlechtert.

 

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