5.04.2018 18:41
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Verbände
Bafu-Vizechefin kritisiert Bauern
Am 4. April fand in Bonstetten die 176. Delegiertenversammlung des Zürchern Bauernverbands (ZBV) mit rund 300 Personen und vielen Höhepunkten statt. Es wurde eine Resolution zur Rettung der Agroscope verabschiedet. Vom Bafu gabs Kritik.

"Auf welchem Fundament soll die Zukunft unserer heimischen Landwirtschaft verankert werden", fragte ZBV-Präsident Hans Frei in seinen Eröffnungsworten. Das klare Bekenntnis der Stimmbürger zur Ernährungssicherheit, die erneute Restrukturierung der Agrarforschung und eine volkswirtschaftlich ungenügende Perspektive zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Gesamtschau des Bundesrates) veranlassten den Präsidenten zur Grundsatzfrage. Vom Bundesrat wünscht er sich Verlässlichkeit statt Desavouierung und ein vergleichbares Einkommen für die Bauernfamilien.

Erfolgreicher Verband

Auch das vergangene Jubiläumsjahr wurde gebührend gefeiert und rekapituliert, eine erfolgreiche Rechnung von Geschäftsführer Ferdi Hodel präsentiert und die Mitgliederbeiträge einstimmig gutgeheissen. Zudem wurden Projekte der Öffentlichkeitsarbeit vorgestellt, so ein Video vom Stall bis zur Fleischtheke und ein Ausstellungsmodul welches die Fleischstücke beim Rind attraktiv präsentiert. Auch die Resultate einer Umfrage zur Landwirtschaft im Kanton Zürich 2040 wurden präsentiert.

Kritik vom Bafu

Franziska Schwarz, Vizedirektorin des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), hielt ein Referat zum Thema "Gefährden gesunde Nahrungsmittel unsere Umwelt?". Sie bezeichnete die Landwirtschaft als wichtigen Player für die Erhaltung einer gesunden Umwelt, ein Anliegen, dass viele Bauern teilen. Die heutige Landwirtschaft sei jedoch weit davon entfernt betonte Schwarz, was einigen Landwirten im Saal sauer aufstiess.

Besonders in den Bereichen Ammoniak, Pflanzenschutzmittel und Bodenerosion witterte sie Handlungsbedarf, da sei der Vollzug des Umweltrechts mangelhaft. Erhöhte Stickstoffeinträge schädigten Ökosysteme, wie auch den Waldboden, so dass die Bäume weniger tiefe Wurzeln schlagen und bei Sturmböen leichter zu Fall kommen.

Betrieben, die ihre Tiere vorwiegend mit importierten Futtermitteln versorgen, sollten die Direktzahlungen gestrichen werden, da sie keinen Boden bewirtschaften und keine gemeinwirtschaftlichen Leistungen erbringen würden, so Schwarz. Während einige Delegierte die Forderungen des Bafu als praxisfremd und Verunglimpfungen der von bereits erbrachten Umweltleistungen der Bauern verstanden, riefen andere zum Dialog auf.

Agroscope retten

Die Delegierten verabschiedeten einstimmig eine Resolution welche den Bund auffordert, weiter auch im Kanton Zürich landwirtschaftliche Forschung betreiben. Der Zürcher Bauernverband fordert:

 

  • Eine schlagkräftige, einheimische, dezentrale und mit der Praxis eng verknüpfte landwirtschaftliche Forschung.
  • Eine ressourcenschonende produzierende Landwirtschaft, die standortangepasst produziert und sich im gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Umfeld behauptet und entwickelt.
  • Dieses Umfeld ändert sich in unserer Zeit stärker und schneller denn je: Klimawandel, Ressourcenknappheit, neue Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, Globalisierung und grenzüberschreitender Handel sind nur ein paar Indizien dafür. Deshalb ist ein Abbau der Forschung an den beiden Deutschschweizer Standorten unverantwortlich.
  • Antworten zu den daraus entstehenden agronomischen und wirtschaftlichen Fragestellungen kann nur eine proaktive, staatlich getragene landwirtschaftliche Forschung geben, die eng mit und für die Praxis arbeitet. Die etablierten Forschungsstandorte Reckenholz und Wädenswil gehören zwingend dazu.

 

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