9.07.2019 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Biodiversität
Bauern in spezieller Verantwortung
Was tut die Landwirtschaft für die Biodiversität? Und was kann die Gesellschaft dafür tun? Um diese Fragen ging es vergangenen Samstag in Münchenbuchsee. Die Bevölkerung war eingeladen, Massnahmen zur Biodiversitätsförderung kennenzulernen. Zuvor traten Bauernverband, Apisuisse und Umweltverbände vor die Medien.

Vieles habe die Schweizer Landwirtschaft in den vergangenen Jahren getan, um den Rückgang der Biodiversität zu bremsen, der mit der Industrialisierung der Landwirtschaft begonnen habe. 7 Prozent der Fläche muss ein Betrieb, der Direktzahlungen erhält, für den Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) ausscheiden. Effektiv sind es laut Ritter aktuell sogar 16 Prozent Biodiversitätsförderflächen. 


Mit 165‘000 Hektaren würden die gesetzten Umweltziele übertroffen. Ebenfalls sei mit 75 Prozent die Zielmarke von 50 Prozent bei der Vernetzung der Biodiversitätsförderflächen überboten. Und auch das dritte Ziel von 40 Prozent mit besonders hoher Qualität sei seit kurzem erreicht. Potenzial sieht Ritter bei der Zusammensetzung der extensiven Wiesen und bei ausreichend wertvollen, strukturreichen Flächen von hoher Vielfalt in Ackerbaugebieten.

"Nur gemeinsam können wir Ziele erreichen"

Ein Problem sei der Insektenschwund, mit dem auch der Rückgang der Vogelvielfalt zusammenhänge, sagte Ritter weiter: „Das Insektensterben muss rasch und wissenschaftlich untersucht werden, damit wir wirksame Massnahmen ergreifen können." Die Landwirtschaft ist die einzige Branche, die konkrete Umweltziele kennt. "Wir stehen in spezieller Verantwortung", sagte Markus Ritter dazu. "Aber es ist wichtig, dass alle mitmachen. Dasselbe gilt für Biodiversität und den Pflanzenschutz. Nur gemeinsam können wir Ziele erreichen."

Er sieht beim Biodiversitäts-Rückgang die ganze Gesellschaft in der Verantwortung. "Fakt ist, dass die Landwirtschaft einen bedeutenden Teil der Flächen bewirtschaftet und damit eine wesentliche Verantwortung trägt", so Götti Limacher. Die Landwirtschaft habe bereits einige Anstrengungen unternommen. "Wir Imker sind der Meinung, dass wir generell darauf hinarbeiten müssen, möglichst wenige Pestizide einzusetzen", sprach er die Pflanzenschutzthematik an. Denn die Pflanzenschutzmittel hätten weit grössere Auswirkungen auf die Insekten, als bisher angenommen.

Mangel an Nahrung und Nistgelegenheiten

Wild- und Honigbienen litten unter dem dramatischen Verlust an Biodiversität, erklärte Mathias Götti Limacher, Vizepräsident des Imkerdachverbandes Apisuisse. Es fehle ein vielfältiges und anhaltendes Nahrungsangebot. Auf die Ordentlichkeit der Schweizerinnen und Schweizer sei zudem zurückzuführen, dass es Wildbienen an Nistgelegenheiten mangle. Wildere Gärten oder morsche Bäume in Hecken würden den Wildbienen zugutekommen. 

Konsumenten in der Pflicht

Von den Privaten fordert Götti Limacher, dass in den Gärten keine Pestizide eingesetzt und generell Gärten mit hoher Biodiversität angelegt werden. Zudem sollen die Konsumentinnen und Konsumenten in ihrem Verhalten konsequent sein. "Sie sollten auch Früchte mit kleinem Makel kaufen. Und sie müssen bereit sein, die Produkte aus der Landwirtschaftsform zu kaufen, die sie fordern. Auch zu einem höheren Preis."

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