20.07.2013 07:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Butter
Bauern sollen 2 Prozent mehr produzieren
Die Branchenorganisation Butter (BOB) hat sich alle Coupons für den zollfreien Import von Butter gesichert. Entsteht beim Import ein Gewinn, bleibt dieser in der BOB. Die SMP können bei dessen Verwendung mitreden.

Vor gut einer Woche informierte die Branchenorganisation Butter (BOB), sie importiere prophylaktisch 500 Tonnen Butter und habe sich auf dem internationalen Buttermarkt weiter Liefermengen gesichert. Dies stösst  auf Unverständnis. Wurde doch erst noch überschüssige Butter  von den Bauern für die Entsorgung im Ausland verbilligt.

1000 Tonnen fehlen

Der Entscheid, 500 Tonnen Butter zu importieren, geht auf eine Lagebeurteilung Mitte Juni 2013 zurück. Diese beinhaltet laut Stefan Hagenbuch, Leiter Marktfragen bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP), dass bei gleichbleibender Butterproduktion ab Juli bis Dezember 2013  sowie normalen Verkäufen bis Ende Jahr ein Manko von rund 1000 Tonnen entstände. «Wir haben heute keinen Grund, an dieser Einschätzung zu zweifeln, auch wenn wir es nicht genauer wissen», sagt er. Hagenbuch hofft, dass die Milchproduzenten auf das Signal reagieren. Die Milchproduzenten sollen, so weit das möglich ist – bei etwas höheren Milchpreisen ab Juni/Juli –, 2Prozent mehr (aber nicht  mehr) Milch  einliefern. 

Nur BOB kann importieren

Hagenbuch ist es wichtig, eines klarzustellen: «Jährlich versteigert der Bund im Rahmen von WTO-Verträgen Coupons für den zollfreien Import von von 100 Tonnen Butter. Zudem gab der Bund der teilweise fehlenden Mittel beim Schoggigesetz wegen leider laufend zusätzliche Coupons in Umlauf.» Diese habe die BOB  auch im Interesse aller Milchproduzenten zusammengetragen. Das bedeute, dass nur die BOB Butter fast zollfrei importieren dürfe. Einerseits importiere sie  nur, wenn es die Butter wirklich brauche. Andererseits bleibe ein allfälliger finanzieller Gewinn in der Branche und nicht bei einem einzelnen Importeur. «Wären die Coupons nicht im Besitz der BOB, würden sie die Eigentümer einfach einlösen, was zu Preisdruck bei der inländischen Butter führen könnte», ist Hagenbuch überzeugt. Dieses Vorgehen ist im übergeordneten Interesse aller Milchproduzenten, resümiert er.

Für die Bauern ist es vor allem aber unverständlich, dass die Lager derart geleert wurden, dass jetzt Importe notwendig sind. Dass man also nicht einen Minimallagerbestand anvisierte. Bei genauerem Betrachten wirft der Butterexport einige Fragen auf. Im Jahr 2012  wurden in den Monaten Januar, Februar und März jeweils gut 1000 Tonnen Butter exportiert. Im April waren es aber noch gerade 509 Tonnen. Im Mai 2012 waren es hingegen ganze 3822 Tonnen, im Juni wiederum gut 1000 Tonnen, und dann nahmen die Exporte massiv ab.

Hohen Beitrag genutzt

Dass im Mai derart viel exportiert wurde, liegt auf der Hand. Im April 2012 entschied die BOM, den Exportbeitrag im Juni leicht und ab Juli stark zu reduzieren. Es erscheint logisch, dass die Lagerhalter mit diesem Wissen noch möglichst viel  im Mai   exportieren wollten. Das bestätigt auch Peter Ryser, Geschäftsführer der BOB: «Den Exporteuren war es freigestellt, wann exportiert wurde. Deshalb kann ich  die einzelnen Schwankungen nicht kommentieren. Jedoch ist die hohe Exportmenge im Mai sicher auf die  angekündigte Beitragskürzung der BOM auf Juni 2012 zurückzuführen. Ohne diese Beitragskürzung wären die Exporte sicherlich mehr über das Jahr hinweg verteilt gewesen.»

«Von Januar bis Mai 2012 bezahlten wir 70% der wechselkursbereinigten Differenz  zwischen dem inländischen und dem ausländischen Milchfettpreis», erklärt  BOM-Geschäftsführer Daniel Gerber. Dies entsprach einem Beitrag  von 4,51 Fr./kg Milchfett im April,  4,815 Fr./kg im Mai. Der  hohe Mittelbedarf habe den Vorstand veranlasst, die Exportbeiträge per Juni 2012 auf einen Fixbeitrag von  3 Fr. und per August  1.50 Fr. zu reduzieren. «Dank der hohen Exporte im Mai hatten wir das Butterproblem weitgehend gelöst», sagt Gerber.

Transparenz fehlt

Punkto Butterexporte fehlt es  an  Transparenz. Es ist nicht in Erfahrung zu bringen, welcher Butterexporteuer  wann wie viel aus dem Entlastungsfonds ausbezahlt kriegte. Auch fehlt die Transparenz, wie viel Butter effektiv in der Schweiz lagert. Zwar weist die BOB die Butterproduktion, die Verkäufe, die Exportmenge und die in den Tiefkühllagern liegende Butter aus. Ungewiss aber ist, wie viel Butter in den normalen Lagen liegen. 

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