30.10.2019 18:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Direktvermarktung
«Bauern sollen Verkauf in Hand nehmen»
Hans-Peter Portmann ist Direktor bei der LGT Bank (Schweiz) AG in Zürich und FDP-Nationalrat. Er hat die Motion «Ökologische Kompensation beim Freihandel» eingereicht. Im Interview erklärt er, worum es geht.

«Schweizer Bauer»: Sie verlangen vom Bundesrat Massnahmen, die den regionalen Verkauf von nachhaltig produzierten Produkten aus der Schweiz fördern. Warum?
Hans-Peter Portmann: Einerseits brauchen wir einen gewissen Grad an Selbstversorgung in unserem Land. Andererseits macht es keinen Sinn, wenn ausländische Produkte, welche allenfalls einen negativen ökologischen Fussabdruck haben, unsere nachhaltigen inländischen Produkte vom Markt vertreiben. Da braucht es Anreize und eine Lenkung, damit ökologisch nachhaltige Produkte aus der Region gefördert werden können. 

Warum braucht es in Ihren Augen weitere Freihandelsabkommen? Mit welchen Ländern?
Freihandelsabkommen machen uns auf dem globalen Markt konkurrenzfähig. Die Schweizer Binnenwirtschaft ist viel zu klein, um unsere Arbeitsplätze, unser Sozialsystem, ja unseren gesamten Wohlstand, sichern zu können. Darum braucht es in allen Regionen der Welt noch viele zusätzliche Freihandelsabkommen, beziehungsweise müssen alte Abkommen modernisiert werden, wo zum Beispiel die EU viel bessere Rahmenbedingungen hat, und dies insbesondere auch beim Export von landwirtschaftlichen Produkten.

Sie schreiben, Sie möchten u.a. den Verkauf ab Hof fördern. Wie könnte das aussehen?
Ich konnte mich bereits mit dem zuständigen Bundesamt austauschen, und da gäbe es verschiedenste innovative Lösungsansätze. Um WTO-konform zu bleiben, sollen aber nicht die Produkte, sondern der regionale Vertrieb, gefördert werden. Das könnte mit zinslosen Darlehen, mit Steuerbefreiungen, mit Public-Private-Partnership betriebenen Infrastruktur- und Transportsystemen oder auch mit einem Handel von Öko-Zertifikaten, welche einen Ausgleich, gemessen an den Distanzwegen und der eigenen Verarbeitung von nachhaltigen Produkten, zwischen regionalen und ausserregionalen Lebensmitteln schafft, geschehen.  

Der Bund gibt heute rund 60 Mio. Fr. für die Absatzförderung von Lebensmitteln aus. Verlangen Sie zusätzliches Geld oder wollen Sie Mittel aus dem bestehenden Topf umverteilen?
Nein, ich will keine zusätzlichen Mitteln in die bestehenden Töpfe reintun. Aber Umwelt- und Klimaschutz wird uns viel Geld kosten. Dazu gibt es heute schon Vorstösse, welche bis zu 12 Mrd. Franken in einen Klimafonds umlenken wollen. Dieser Fonds wird gute Finanzierungsprojekte brauchen. Da gehört die Förderung von regionalen Projekten dazu. Auch allfällige Steuererleichterungen für den regionalen Verkauf könnten über diesen Fonds kompensiert werden.

Sie schreiben in Ihrer Motion, dass die materiellen Gewinne der Förderungsmassnahmen hauptsächlich bei den Produzenten (d.h. in der Landwirtschaft) anfallen sollen. Haben Sie den Eindruck, dass dies heute oft nicht der Fall ist? 
Ja, diesen Eindruck habe ich. Oftmals erhält der Produzent, zum Beispiel der Bauer, einen viel zu tiefen Preis für seine Produkte. Die grossen Margen liegen bei den Lebensmittelverarbeitern und den Verteilern. Und gerade dort fällt dann die negative Ökobilanz an. Darum sollen Verarbeitung und Verkauf von Produkten möglichst in die Hände des Produzenten gelegt werden.

Beenden Sie die Sätze...  

Freihandel ist ein Instrument zur Bekämpfung von Armut und die Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben unter den Völkern.

Landwirtschaft ist in jedem Land der unverzichtbare Produktionssektor, welcher die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen muss.

Zur Motion

Der Bundesrat wird beauftragt, Massnahmen auszuarbeiten, welche den regionalen Verkauf von nachhaltig produzierten Produkten aus der Schweiz fördern. Damit soll die Marktposition dieser Schweizer Produkte gegenüber importierten, weniger nachhaltig produzierten Lebensmitteln gestärkt werden. ats

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