16.07.2018 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Stellen
Bauern wegen Wallisern im Nachteil
In mehreren Branchen muss der in Kraft gesetzte Inländervorrang laut der «SonntagsZeitung» angewendet werden, obwohl es nur in einzelnen Regionen eine erhöhte Arbeitslosigkeit gibt. Besonders ausgeprägt sei die etwa bei den Bauern. Der Bauernverbandspräsident fordert eine Systemänderung.

Am 1. Juli 2018 ist eine Stellenmeldepflicht für Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit in Kraft getreten. Die Berufe haben zwischen dem 1. April 2017 und dem 30. März 2018 die Arbeitslosenquote von 8 Prozent erreicht oder überschritten. Dazu gehören auch die landwirtschaftlichen Gehilfen.

Freie Stellen RAV melden

Bei der Stellenmeldepflicht handelt es sich um den so genannten «Inländervorrang light», den das Parlament Ende 2016 zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative beschlossen hat. Für die Landwirtschaft heisst das, dass Betriebsleiter freie Stellen den Vermittlungsstellen des Bundes melden müssen. 

Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gleichen die Ausschreibung mit den bei ihnen gemeldeten Personen ab und macht innerhalb von drei Arbeitstagen Vorschläge. Eingeschriebene Personen beim RAV können sich auch direkt bei den Bauern melden. Erst fünf Arbeitstage nach der Meldebetätigung darf der Betriebsleiter die gemeldete Stelle öffentlich ausschreiben oder anderweitig besetzen. Für die Bauern bedeutet die Regelung mehr Aufwand und Verzögerungen.

Walliser heben Schnitt über 8 Prozent-Hürde

Gemäss den von der «SonntagsZeitung» publizierten Zahlen trifft die neue Regelung vor allem die Falschen. Die Bauern müssen in der ganzen Schweiz neue Mitarbeiter auf dem Arbeitsamt suchen, obwohl es praktisch nur im Wallis arbeitslose landwirtschaftliche Hilfsarbeiter gibt. Gemäss dem Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) sind 57 Prozent aller arbeitslosen Gehilfen in der Schweizer Landwirtschaft im Wallis registriert. Im Kanton Bern hatten 2016 im Monatsmittel 29 Bauernhelfer keine Arbeit, im Wallis lag der Wert bei 294.

Das wirkt sich auf die Arbeitslosenquote aus. Diese liegt im Schnitt bei den 25 Kantonen ohne Wallis bei 4.7 Prozent, also weit entfernt von Inländervorrang-Schwelle. Durch die hohe Zahl Arbeitslose im Rhonetal wird der Schnitt um 4.3 Prozent erhöht und damit die 8-Prozent-Hürde überschritten. 

System ändern

Für den Schweizer Bauernverband ist die Situation unhaltbar. Präsident Markus Ritter wählt gegenüber der «SonntagsZeitung» deutliche Worte: «Es darf nicht sein, dass Bauern in 25 Kantonen ausbaden müssen, was in einem einzigen Kanton schiefläuft.»

Der Bauernchef forderte in der Zeitung deshalb, dass das System des Inländervorrangs grundsätzlich geändert werde. Es sollten nur noch Unternehmer in Regionen meldepflichtig sein, wo Arbeitslosigkeit auch ein Problem ist. «Alles andere ist absurd», sagt Ritter.

Geld von der Arbeitslosenkasse

Der Bauernpräsident gibt die Schuld den Walliser Behörden. Im Wallis würden, im Gegensatz zu den übrigen Kantonen, die landwirtschaftlichen Gehilfen Ende Saison nicht in die Heimatländer zurückkehren. Sie würden im Winter Arbeitslosengeld erhalten, fährt Ritter fort. 

Der Kanton Wallis wehrt sich. Man toleriere nichts «Ungesetzliches», erklärt Peter Kalbermatten, Leiter der Wirtschaftsbehörde. Die saisonale Arbeitslosigkeit in Kantonen mit saisonalen Wirtschaftsgefüge sei nicht «auszurotten». Zudem sei ein saisonaler Arbeitsloser nicht einfach vom Anspruch der Arbeitslosenentschädigung ausgeschlossen, nur weil er die Arbeit dann wieder beim gleichen Arbeitgeber aufnehme, sagt Kalbermatten zur «SonntagsZeitung». Um an die Leistungen zu kommen, müssten sich die Arbeiter strikte an die speziellen Regeln halten.

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