25.09.2014 17:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Solothurn
Bauern wehren sich gegen Flughafenausbau
In Grenchen sorgt das Thema Pistenverlängerung für emotionale Wellen. Der Flughafen möchte die Piste aus wirtschaftlichen Gründen verlängern. Die Bauern der Region wollen sich gegen einen möglichen Verlust an Kulturland wehren. Sie haben sich formiert und Unterschriften gegen den Ausbau gesammelt.

Der Flughafen nimmt eine wichtige Funktion für die in der Region stark ausgeprägte Uhrenindustrie ein. Die Stadt Grenchen hat gut 16'000 Einwohner, in der näheren Umgebung wohnen weitere 30'000 Menschen. Und nun soll die Piste des Flughafens Grenchen um 450 Meter verlängert werden.

Bauern verlieren zweimal

Der BDP-Kantonalpräsident und Selzacher Landwirt Markus Dietschi meldets sich bereits im Mai zu Wort. Er befürchtet, dass durch den Pistenausbau Land verloren geht. Die Bauern rund um den Flughafen könnten sogar doppelt betroffen sein. Einerseits durch die Verlängerung der Piste. Andererseits dürfte gutes Ackerland durch ökologische Ausgleichsmassnahmen verloren gehen.

Das meiste Land beim Flughafen gehört einer Stiftung. Bei einer Neuverteilung des Pachtlandes könnten künftig jene Bauern, die durch einen allfälligen Pistenausbau Land verlieren, mit mehr Land bedacht werden. Dies auf Kosten anderer Landwirte. „Es geht hier um Existenzen“, mahnte Dietschi im Mai.

Hektaren bestes Ackerland geht verloren

Die betroffenen Bauern haben sich in der Folge organisiert und begannen, Unterschriften gegen den Ausbau zu sammeln. Am Donnerstag nun haben die Bauern gemäss einer Mitteilung der „Solothuner Zeitung“ die Unterschriften den Flughafenbetreibern überreicht. Für die Bauern kommt eine Verlängerung nicht in Frage. «Durch den unnötigen Ausbau geht der Landwirtschaft hektarenweise wertvollstes Ackerland verloren», sagt deren Sprecher Thomas Marti.

Die Pistenverlängerung kappe zudem wichtige Zufahrtswege, so dass für die Bewirtschaftung der südlich der Piste gelegenen Felder kilometerlange Umwege in Kauf genommen werden müssten, führen die Bauern weiter aus. Auch das Drainage-System – ein Jahrhundertbauwerk – würde stark in Mitleidenschaft gezogen.

Das Komitee gegen eine Pistenverlängerung hat gemäss eigenen Angaben fast zweitausend Mitglieder. „Der Regierungsrat kann nun nicht mehr ignorieren, dass ein breiter Widerstand gegen das Projekt da ist“, folgern die Bauern.

Piste soll neu 1450 Meter messen

Bereits in der vergangenen Woche stellten die Flughafenbetreiber ihre Pläne vor. Die Piste soll um 450 auf 1450 Meter verlängert werden. Die Betreiber führen vor allem wirtschaftliche Gründe ins Feld. Mit dem Flugplatz sind 22 Betriebe mit 220 Arbeitsstellen und einer Wertschöpfung von 26 Millionen Franken pro Jahr verbunden.

Zudem bleibe die Wirtschaftsregion Jura-Südfuss/Trois Lacs mit einem gut ausgebauten Flughafen Grenchen weiterhin mit Geschäftsjets während 362 Tagen im Jahr mittels Instrumenten-Anflug erreichbar, teilte der Flughafen mit. Moderne Business-Airports müssten heute Pistenlängen zwischen 1400 und 2000 Meter aufweisen. Dennoch würden in Grenchen auch in Zukunft keine grösseren Geschäftsjets landen oder ein Linienbetrieb eingeführt, versicherten Flughafendirektor Ernest Oggier und Erich Blösch, der Verwaltungsratspräsident der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG.

Regierung entscheidet im Frühjahr 2015

Die Anzahl Geschäftsflüge dürften gemäss den Berechnungen des Flughafen bis 2020 auf 11‘000 pro Jahr ansteigen. Dafür wird mit einem starken Rückgang der Flugbewegungen in anderen Bereichen gerechnet.

Zurzeit läuft für den Regionalflughafen Grenchen das Verfahren zur Anpassung des bundesrechtlichen Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL). Der Beschluss der Solothurner Regierung wird für nächsten Frühling erwartet. Danach folgt die öffentliche Auflage des Objektblatts SIL. Mit dem Start des Plangenehmigungsverfahrens wird Anfang 2016 gerechnet.

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