29.11.2017 10:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Interview
«Bauern zur Aufgabe gezwungen»
Bergbauer Josef Infanger aus Engelberg OW bat den Bundesrat in eindringlichen Worten um Rahmenbedingungen, die ein Überleben der Bergbauern ermöglichen. Im Video-Interview erklärt er, weshalb er sich so grosse Sorgen macht, wenn der Grenzschutz abgebaut wird.

Josef Infanger war einer der Landwirtschaftsvertreter, die am Dienstagnachmittag in Bern vor die Medien traten. Der Anlass war die sogenannte Gesamtschau des Bundesrates zur Agrarpolitik, in welcher der Bundesrat seine Pläne zum Abbau des Grenzschutzes kundtat.

Teil der produzierenden Landwirtschaft

Infanger appellierte an den Bundesrat: «Wir Bergbauern erbringen mit unserer täglichen Arbeit durch Nutzung und Pflege des Kulturlandes, unserer Alpweiden sowie der vielen Naturschutzflächen einen grossen gemeinwirtschaftlichen Nutzen. Das von Menschen, die mit ihrer Scholle verbunden und bereit sind, mit viel Herzblut Überdurchschnittliches zu leisten. Wir Bergbauern wollen ein Teil der produzierenden Landwirtschaft sein, unseren Teil zur Ernährungssicherheit beitragen und so auch unsere wunderschöne Landwirtschaft pflegen und erhalten.»

Irgendwann wird Nebenerwerb zuviel

Infanger betreibt in Engelberg OW mit 28 Brown-Swiss-Kühen Milchwirtschaft mit eigener Aufzucht. Im Winter geht die Milch an die ZMP, im Sommer ist alles Vieh auf lokalen Alpen, und die Milch wird verkäst. Er sagt, der Bund gefährde mit seiner Politik die Existenz der kleineren und mittleren Betriebe.

Die geplanten Massnahmen machten noch mehr Druck auf sie, sodass sie zur Aufgabe gezwungen würden. Im Video-Interview mit schweizerbauer.ch erklärte er, dass die Bauern wegen tieferer Produktepreise noch mehr auf den Nebenerwerb gehen müssten, wodurch die Arbeitsbelastung irgendwann so gross werde, dass es einfach nicht mehr gehe. 

Tourismus und Landwirtschaft brauchen einander

Gegenüber schweizerbauer.ch sagte Bergbauer Infanger auch, dass grössere Betriebe die Flächen nicht mehr gleich gut pflegen könnten. «Vergandete Flächen sind nicht gut für den Tourismus», gab Infanger zu bedenken. Schon zuvor an der Medienkonferenz hatte er die Brücke zum Tourismus geschlagen. Tourismus und Landwirtschaft bräuchten sich gegenseitig. Er schloss seinen Auftritt mit folgenden Worten: «Meine Botschaft an den Bundesrat: Geben Sie uns zukunftsfähige Rahmenbedingungen. Dann haben auch unsere Jungen Perspektiven – denn diese wollen dort Bauer sein, wo sie aufwachsen.»

Landwirtschaft in Obwalden 

Einleitend gab Josef Infanger eine Übersicht über die Landwirtschaft im Kanton Obwalden: «In unserem Kanton haben wir 650 Heimbetriebe mit einer durchschnittlichen Fläche von 12 Hektaren LN. Das durchschnittliche, jährliche landwirtschaftliche Einkommen pro Betrieb beträgt sehr bescheidene 30’000 Franken.» Topografisch bedingt sei in Obwalden nur die Produktion von Milch und Fleisch möglich. «Daher sind ca. 70% Milchwirtschaftsbetriebe.» Auch bewirtschafteten die Obwaldner 250 Sömmerungsbetriebe mit Milchwirtschaft und Jungviehaufzucht. 


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