12.11.2014 11:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Solothurn
Bauernverband gegen Pistenverlängerung
Der Flughafen Grenchen möchte die Piste ausbauen. Er führt wirtschaftliche Gründe ins Feld. Der Solothurnische Bauernverband empfindet den Kulturlandverlust und die damit verbundenen Ersatzmassnahmen als zu gross. Er erteilt deswegen den Plänen eine Absage.

Der Flughafen hat für die in der Region stark verankerte Uhrenindustrie eine wichtige Bedeutung. Die Stadt Grenchen hat gut 16'000 Einwohner, in der näheren Umgebung wohnen weitere 30'000 Menschen. Nun soll die Piste des Flughafens Grenchen um 450 Meter verlängert werden.

Bauern sammeln Unterschriften

Die Bauern aus der Region haben sich bereits formiert, um gegen die Pläne des Flughafens vorzugehen. Sie sammelten deshalb Unterschriften. Für die betroffenen Bauern kommt eine Verlängerung nicht in Frage. «Durch den unnötigen Ausbau geht der Landwirtschaft hektarenweise wertvollstes Ackerland verloren», sagt deren Sprecher Thomas Marti Ende September.

Die Pistenverlängerung kappe zudem wichtige Zufahrtswege, so dass für die Bewirtschaftung der südlich der Piste gelegenen Felder kilometerlange Umwege in Kauf genommen werden müssten, führen die Bauern weiter aus. Auch das Drainage-System – ein Jahrhundertbauwerk – würde stark in Mitleidenschaft gezogen.

Das Komitee gegen eine Pistenverlängerung hat gemäss eigenen Angaben fast zweitausend Mitglieder. „Der Solothurner Regierungsrat kann nun nicht mehr ignorieren, dass ein breiter Widerstand gegen das Projekt da ist“, folgern die Bauern.

SOBV befürchtet massive Ersatzmassnahmen

Der Solothurnische Bauernverband SOBV kritisiert ebenfalls den hohen Kulturlandverlust. Doch nicht nur die Verlängerung an sich und die damit verbundenen Anpassungen beim Rollweg machen dem Verband Sorgen, sondern die ökologischen Ersatzmassnahmen, die in
„erheblichem Umfang Kulturland verlangen“. Die Pistenverlängerung soll in der Witi-Schutzzone erfolgen. Massive Forderungen nach ökologischen Ersatzmassnahmen seien die Folge, hält der SOBV am Mittwoch in einem Communiqué fest.

„Der damit zusammenhängende Verlust an Kulturland ist für die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe nicht akzeptabel“, heisst es weiter. Da die versprochene Rückführung eines Teils des Segelflughafen in Landwirtschaftsland bereits massiv reduziert worden ist, schwindet das Vertrauen zu den Flughafenverantwortlichen weiter.

Der SOBV befürchtet, dass kaum neue Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen, aber sämtliche bauliche Massnahmen, wie auch der ökologische Ausgleich zulasten von Landwirtschaftsland vorgenommen wird.

Piste soll neu 1450 Meter messen

Gemäss den Flughafenbetreibern soll die Piste um 450 auf 1450 Meter verlängert werden. Die Betreiber führen vor allem wirtschaftliche Gründe ins Feld. Mit dem Flugplatz sind 22 Betriebe mit 220 Arbeitsstellen und einer Wertschöpfung von 26 Millionen Franken pro Jahr verbunden.

Zudem bleibe die Wirtschaftsregion Jura-Südfuss/Trois Lacs mit einem gut ausgebauten Flughafen Grenchen weiterhin mit Geschäftsjets während 362 Tagen im Jahr mittels Instrumenten-Anflug erreichbar, teilte der Flughafen mit. Moderne Business-Airports müssten heute Pistenlängen zwischen 1400 und 2000 Meter aufweisen. Dennoch würden in Grenchen auch in Zukunft keine grösseren Geschäftsjets landen oder ein Linienbetrieb eingeführt, versicherten Flughafendirektor Ernest Oggier und Erich Blösch, der Verwaltungsratspräsident der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG, Mitte September.

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