20.07.2018 09:12
Quelle: schweizerbauer.ch - ber/ral
Freiburg
Bedenken um Milchpreis
Die Ankündigung der Freiburger Translait, zusammen mit der chinesischen Synutra in Saint-Aubin den Bau einer Säuglingsmilchpulver-Fabrik zu prüfen, versetzte zwei bürgerliche Grossräte in Sorge. Sie befürchten, die Milchpreise würden dadurch stark unter Druck geraten.

Der Grosse Rat hat im März 2017 dem Kauf des Elanco-Geländes in Saint-Aubin und Marly für 23 Millionen Franken zugestimmt. Kurz darauf wurde bekannt, dass Translait in Saint-Aubin zusammen mit Synutra einen Fabrikbau prüft.

Die beiden Grossräte Nicolas Kolly (SVP) und Pierre-André Grandgirard (CVP) wandten sich in einer Anfrage an die Kantonsregierung: «Diese Ankündigung lässt uns aufhorchen und beunruhigt uns.» Kolly und Grandgirard befürchten, dass diese Fabrik die sehr heikle Branche der Milchindustrie aus dem Gleichgewicht bringen könnte und insbesondere die Milchpreise unter Druck setzen würden. Synutra ist spezialisiert auf die Produktion von Säuglingsmilch.

In der Antwort der Kantonsregierung heisst es: «Das Auftreten eines weiteren Interessenten, der einen hohen Mehrwert für ein Nebenprodukt der Milchindustrie bietet ist positiv.» Ausserdem handle es sich bei der Gesellschaft, welche sich vielleicht im Kanton Freiburg niederlassen werde, nicht um Synutra, sondern um die Sagir AG. Diese wird je zur Hälfte von Synutra und Translait gehalten. Die Volkswirtschaftsdirektion sei von der französischen Firma Sagir kontaktiert worden. Das Vorhaben entspreche der Entwicklungsstrategie im Bereich der Lebensmittelindustrie. 

Sagir wolle aus Molke - ein Nebenprodukt der Käseproduktion - Säuglingsnahrung mit hohem Mehrwert herstellen, so die Regierung. Das Unternehmen plant den Bau einer Fabrik im Baurecht auf einem Teil des Areals. Sagir will ausschliesslich Säuglingsmilchpulver nur für den chinesischen Markt produzieren. Translait sammle bereits heute rund 19'000 Tonnen Milchserum, das nach Frankreich zur Weiterverarbeitung exportiert werde. Das entspreche etwa 20% des Schweizer Milchserum-Marktes und dürfte auf 28% ansteigen, so die Regierung.

Die Kantonsregierung befürchtet im Generellen keinen negativen Einfluss auf den Milchmarkt. Für Milchserum werde heute rund 1 Rappen/Liter bezahlt, und das Produkt biete wenig Mehrwert. Das Unternehmen habe den Standortentscheid bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gefällt, so die Regierung weiter. Nicolas Kolly ist enttäuscht von dieser Antwort. «Garantien bezüglich unserer Ängste um den Milchpreis kann der Staatsrat immer noch nicht abgeben. Immerhin würden mit der Realisierung neue Arbeitsplätze im Kanton Freiburg geschaffen», sagt Kolly gegenüber den Freiburger Nachrichten.


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