10.07.2019 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sal
Umfrage
Beenden Sie die Nutztierhaltung?
Am Montag teilten die Initianten der Massentierhaltungsinitiative mit, dass bereits über 124'000 Unterschriften gesammelt worden sind. Das Begehren fordert, dass in der Schweiz Nutztiere nur noch Bio-Vorschriften gehalten werden dürfen. Würden Sie bei einer Annahme die Nutztierhaltung aufgeben? Abstimmen und mitdiskutieren

Vor gut einem Jahr wurde die Initiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)» lanciert. Diese verlangt, dass spätestens 25 Jahre nach Inkrafttreten der neuen Gesetze alle Nutztiere in der Schweiz mindestens nach dem Standard der Bio Suisse gehalten werden.

Auch für ausländische Produkte

Dies hätte einschneidende Auswirkungen. Nur noch 2000 Legehennen pro Betrieb, keine künstliche Besamung für Mastschweine mehr, Verbot der Anbindehaltung von Kühen. Pro Schwein ist beispielsweise eine Liegefläche von 1,65 Quadratmetern vorgesehen – bei Nicht-Bio-Betrieben sind es 0,9.

Die Initiative soll für die einheimische Nutztiere gelten, aber auch für Importe. Die Initianten wollen, dass jede Haltung von Tieren, die nicht mindestens den Richtlinien von Bio Suisse entspricht, verboten wird. 

Artgerechte Haltung

«Repräsentative Umfragen zeigen immer wieder auf, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung Fleisch aus „artgerechter Tierhaltung“ fordert. Dies steht in starkem Widerspruch zur Tatsache, dass der Verbrauch an Lebensmitteln tierischer Herkunft heute grossmehrheitlich mittels industrieller Nutztierhaltung gedeckt wird», schreiben die Initianten auf ihrer Website.

Diese Nutztierhaltung hat aus der Sicht der Initianten gravierende Auswirkungen. 4 Punkte wurden aufgelistet. Diese Nutztierhaltung

• treibt die Klimaerwärmung voran
• verschärft Welthunger und Wasserknappheit
• verursacht Antibiotikaresistenzen
• verletzt den Verfassungsgrundsatz des Tierschutzes

Nutztierhaltung nicht abschaffen

Das Initiativkomitee will die Nutztierhaltung aber nicht abschaffen. Gemäss den Initianten wären Kleinbauern und Alpbetriebe von den Änderungen nicht betroffen, da sie keine «Massentierhaltung» betreiben. Diese könnten sich besser um Tiere kümmern, da bei kleineren Tierbeständen mehr Zeit für das einzeln Tier übrig bleibe. Betroffen von der Initiative wären nur die grossen industriellen «Fleischfabriken», heisst es auf der Website.

Kampagnenleiterin Meret Schneider bestätigt gegenüber «Schweizer Bauer», dass die Initiative nicht die Abschaffung der Nutztierhaltung zum Ziel habe. «Nein. Wir streben eine Umgestaltung der Nutztierhaltung in der Schweiz an. Diese soll ökologischer und tierfreundlicher werden», erklärt sie. Dass Wiederkäuer wie Kühe auf Weiden grasen, unterstützt die Zürcher Kantonsrätin, die für die Grünen politisiert. «Solange die Tiere draussen sein können, gut zu ihnen geschaut wird und solange sie Gras und nicht importiertes Kraftfutter fressen», wendet sie ein.

Konsum steuern

Wenn nun die konventionellen Nutztierhalter in das Bio-Segment wechseln, dürfte der Markt mehr als übersättigt werden. In den vergangenen Monaten hat sich eine Marktsättigung bei der Bio-Milch und nun auch beim Bio-Getreide eingestellt. Derzeit liegt der Marktanteil insgesamt bei 9%.

Für Schneider ist das kein Problem. «Wenn konventionell produziertes Fleisch und konventionell produzierte Milch aus der Schweiz nicht mehr im Angebot sind, werden sofort mehr Schweizer Bio-Produkte konsumiert werden», ist sie sich sicher. Die Initianten möchten also den Konsum steuern.

Bessere Preise für Bauern

Für kleinere Bauern sei die Initiative eine Chance. «Die Initiative ihnen die Möglichkeit, auf dem Markt zu bestehen und fairere Preise zu erzielen, indem Grossbetriebe mit immensen Tierbeständen diese reduzieren müssen», halten die Initianten fest. 

Ausserdem würden Bauern einen Vorteil, die bereits heute wenig Eiweissfuttermittel (Soja) importieren und vermehrt auf Weidehaltung setzen. «Durch die Massentierhaltung und damit die Massenproduktion entstehen unrealistisch tiefe Preise für Tierprodukte, die Bauern unter Druck setzen und den Bund zur Ausschüttung enormer Landwirtschaftssubventionen bewegen. Diesem Problem würde mit der Initiative entgegengewirkt und Kleinbauern würden profitieren», sind sich die Initianten sicher.

Bauernverband dagegen

Entschieden gegen die Initiative ist der Schweizer Bauernverband. Von Massentierhaltung könne man in der Schweiz gar nicht sprechen, sagte Präsident Markus Ritter dem «Blick». Die Schweiz habe weltweit eines der strengsten Tierschutzgesetze.

Eine Annahme würde zu höheren Preisen führen, warnt der Verband. Dies ist aber eines der Ziele der Initianten. Sie möchten, dass die Bevölkerung weniger Fleisch ist. Die Sammelfrist für das Begehren läuft noch bis zum 12. Dezember 2019.

Würden Sie bei einer Annahme die Nutztierhaltung aufgeben? Oder würden Sie Ihren Betrieb umstellen? Mitdiskutieren und abstimmen

Wortlaut der Initiative

neu Art. 80a BV (Landwirtschaftliche Tierhaltung)

1 Der Bund schützt die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die Tierwürde umfasst den Anspruch, nicht in Massentierhaltung zu leben.
2 Massentierhaltung bezeichnet eine technisierte Tierhaltung in Grossbetrieben zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte, bei der das Tierwohl systematisch verletzt wird.
3 Der Bund legt die Kriterien für eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, den Zugang ins Freie, die Schlachtung und die maximale Gruppengrösse je Stall fest.
4 Der Bund erlässt Vorschriften über den Import von Tieren und Tierprodukten zu Ernährungszwecken, die diesem Artikel Rechnung tragen.

Art. 197 BV (Übergangsbestimmungen)neu Ziff. ### Die Ausführungsbestimmungen zur landwirtschaftlichen Tierhaltung gemäss Art. 80a BV können Übergangsfristen für die Transformation der landwirtschaftlichen Tierhaltung von maximal 25 Jahren vorsehen. Die Ausführungsgesetzgebung orientiert sich bezüglich Würde des Tiers an Bio Suisse Standards (mindestens Stand 2018). Ist die Ausführungsgesetzgebung zu Art. 80a BV nach dessen Annahme nicht innert 3 Jahren in Kraft getreten, erlässt der Bundesrat Ausführungsbestimmungen vorübergehend auf dem Verordnungsweg.

Höchstbestandesverordnung

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