7.09.2013 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Bei Freihandel melkt Ritter nicht mehr
Wenn die weisse Linie geöffnet werde, dann höre er mit der Milchproduktion auf, machte SBV-Präsident Markus Ritter klar. Emmi-Präsident und Ständerat Konrad Graber prophezeite, dieses Projekt werde sterben. Mit Umfrage.

«Die weisse Strasse durch Europa – Fluch oder Segen?» So lautete das Thema der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) im  Verkehrshaus Luzern. Stefan Hagenbuch, stellvertretender Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), stellte eingangs die Studie der Hochschule für Landwirtschaft (HAFL) vor.

Demnach würde bei einer Öffnung der weissen Linie, sprich bei einem EU-Milchfreihandel, die grosse Mehrheit von vierzehn untersuchten, «topgeführten» Betrieben die Milchproduktion aufgeben. Ausser vielleicht, es gäbe viele  zusätzliche Bundesgelder, und zwar langfristig gesicherte. Über das Budget befindet das Parlament allerdings immer von Jahr zu Jahr.

Emmi: So gehts nicht

Auch Bauernverbandspräsident Markus Ritter gesellte sich bereits zu diesen Betriebsleitern: «Wenn die weisse Linie aufgeht, höre ich mit der Milchproduktion auf, das steht fest.» Emmi-Chef Urs Riedener kommentierte die HAFL-Zahlen wie folgt: «Da würde ich auch keine Milch mehr produzieren.»

Überhaupt kam Riedener in seinem Referat so richtig in Fahrt: «Wenn wir mit  Milch, Butter, Rahm europäische Märkte erobern wollen, dann müssen wir unter den EU-Preis gehen. Das sind Commodities! Die Milchwirtschaft ist der stärkste Zweig der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft, und jetzt will man diesen mit einer sektoriellen Öffnung schwächen? Keine Firma tut das. Das wäre ein Spiel mit dem Feuer, wenn wir vorschnell in diesem Bereich öffneten!»

Problem der Rohstoffe

Ritter nahm die Commodity-Problematik auf und redete sich seinerseits in Rage: «Käse ist ein hoch spezialisiertes Produkt, das klare Qualitätsmerkmale aufweist, die der Konsument unterscheiden kann. Und wir haben gesehen, wie schwierig es bereits beim Käse ist, in Europa Erfolg zu haben!» Wenn über die weisse Linie geredet werde, spreche man vor allem über landwirtschaftliche Rohstoffe, die in grossen Mengen zu gleicher Qualität beim Verarbeiter angeliefert werden müssten, damit der Verarbeiter mit ihnen etwas anfangen könne.

Ritter fuhr fort: «Und dort können wir uns zu wenig differenzieren. Und leider hat nicht einmal die grosse Zürcher Wirtschaftszeitung, die «NZZ», diesen grundsätzlichen marktwirtschaftlichen Unterschied begriffen! Das heisst, wenn wir eine Schweizer Landwirtschaft wollen, die Lebensmittel produziert, und in diesem Kostenumfeld, also ohne EU-Beitritt, bleiben wollen, dann ist es notwendig, dass wir einen Einfuhrschutz haben und diesen mit dem Leben verteidigen!» 

Ritter stellte fest, dass sich mit der Milchproduktion heute auf vielen Betrieben kein Geld mehr verdienen lasse. Mit der Agrarpolitik 2014—2017 könnten die Bauern als Unternehmer vermehrt die hohe Abgeltung von ökologischen Leistungen als Massstab nehmen und aus der Milchproduktion aussteigen. Auch SMP-Präsident Hanspeter Kern haute auf den Putz: «Wenn Coca-Cola teurer ist als ein Liter Milch, dann leben wir in einer dekadenten Welt!» Er forderte für die Milchbauern verlässliche Rahmenbedingungen. Die Öffnung der weissen Linie findet er schlicht eine «absurde Idee».

Graber: Kommt wohl nicht

Emmi-Präsident und Ständerat Konrad Graber prophezeite, die Öffnung der weissen Linie werde sterben. «Der Bundesrat ist gut beraten, dies nicht weiterzuverfolgen.» Längerfristig sei eine Liberalisierung aber nicht vom Tisch. Der Präsident der Branchenorganisation Milch, Markus Zemp, äusserte sich ebenfalls pointiert: «Die weisse Linie isoliert zu öffnen, ist keine gute Idee. Ich bin erstaunt, dass gewisse Leute überhaupt auf die Idee kommen, einen Markt öffnen zu wollen, die Kosten aber hoch zu belassen.» 

Der neue Hochdorf-Chef Thomas Eisenring gab die liberale Grundhaltung seiner Firma wieder: «Wenn sich alle einig sind, dass die Öffnung irgendwann kommt, dann ist es besser, diesen Prozess jetzt zu gestalten.» Er selbst sei aber auch nicht so sicher, ob die Öffnung irgendwann komme, relativierte er. ZMP-Präsident Thomas Oehen sagte zum Schluss: «Die Grenzen gehen sicher nicht noch mehr zu, sondern sie öffnen sich. Wir müssen uns darauf einstellen.»

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