31.08.2016 14:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Martin Brunner
SAB
«Berggebiete wollen kein Naturreservat sein»
Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (CVP, FR) will sich als Landwirtin und Alpbesitzerin für die Anliegen der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) einsetzen. Sie strebt unter anderem weniger Regulierungen an.

«Schweizer Bauer»: Christine Bulliard-Marbach, welches sind die grössten Herausforderungen, die in Zukunft auf die Berggebiete zukommen werden?
Christine Bulliard-Marbach: Im Vordergrund steht die Sicherung der Arbeitsplätze, sei dies nun in der Landwirtschaft, im Tourismus oder in der Wirtschaft allgemein. Einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung müssen wir Beachtung schenken. Die Grundversorgung gehört zu den Herausforderungen. Nicht zuletzt sehe ich aber auch die Förderung der Solidarität zwischen dem ländlichen und dem städtischen Raum als eine zentrale Aufgabe.

Sehen Sie neue Denkansätze zur Förderung der Berggebiete?
Im Vordergrund muss die Stärkung der Eigeninitiative der Bergbevölkerung stehen. In unserer Arbeit sind wir aber auch stark auf die Zusammenarbeit mit dem Bund angewiesen. Wir müssen dabei versuchen, die Einschränkungen und Regulierungen für das Berggebiet zu reduzieren. Das betrifft zum Beispiel die Raumplanung oder die Zweitwohnungsinitiative, die man regional differenzierter und in Bezug auf die Bedürfnisse der Regionen regeln sollte. Diese und weitere Auflagen möchte ich in nächster Zeit durchleuchten und sie wo immer möglich so zu verändern versuchen, dass sie für die Berggebiete verträglich werden. Dabei setze ich bei der Lösungsfindung stark auf den Dialog.

Ist es denn sinnvoll, dem Berggebiet auf lange Sicht eine so grosse Beachtung zu schenken?
Zwei Drittel der Schweiz sind Berggebiet, 20 Prozent der Bevölkerung leben dort. Schon deshalb lohnt sich die Unterstützung der Berggebiete. Ebenso wichtig aber ist, dass die Berge zu unserer Schweizer Identität gehören. Bergwelt, Landschaften, Lebensqualität usw. sind ein wesentlicher Teil der Schweiz als Tourismusland. Nicht zuletzt brauchen wir diesen Raum in Anbetracht der kommenden Bevölkerungsentwicklung.

Welchen konkreten Mehrwert bringt denn das Berggebiet?
Auf die Landwirtschaft bezogen sind das unter anderem die fast unendlich vielen oft regionalen Produkte, die geschätzt werden. Sie machen einen Teil der Stärke des Berggebiets aus und bringen den Landwirten die notwendige Wertschöpfung. Aber auch die Wasserkraft ist eine bedeutende Ressource für unsere Wirtschaft, nicht zu vergessen den Tourismus als Wirtschaftsfaktor.

Wie stehen Sie zum Problem der Grossraubtiere?
Die Berggebiete wollen kein Naturreservat sein, sondern ein Lebens- und Wirtschaftsraum. Die Grossraubtiere sind leider nicht mit den heutigen Bewirtschaftungsformen in der Landwirtschaft und mit dem Tourismus kompatibel. Die schwierige und kontroverse Diskussion um eine Lösung wird deshalb weitergehen.

Warum haben Sie das Amt als Präsidentin der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet übernommen?
Als ehemalige Gemeindepräsidentin von Ueberstorf und Vorstandsmitglied des schweizerischen Gemeindeverbandes kenne ich die Anliegen der rund 600 Berggemeinden, die neben den Kantonen sowie zahlreichen Organisationen und Personen in der SAB zusammengeschlossen sind. Das sind gute Voraussetzungen, um als Nationalrätin deren Anliegen in Bern zu vertreten. Kommt dazu, dass ich der Verbindung zwischen der deutschen und der welschen Schweiz vermehrt Beachtung schenken möchte.

Welchen Bezug haben Sie persönlich zum Berggebiet und zur Landwirtschaft?
Meine Verbundenheit zum Berggebiet basiert vor allem im Sensebezirk, zum Beispiel als Präsidentin der Vereinigung «Pays romand, pays gourmand», und Vorstandsmitglied des Freiburger Tourismusverbandes. Im Schwarzseetal bin ich Mitbesitzerin einer Alp. In meinem Wohnort Ueberstorf führe ich seit 25 Jahren einen Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau.

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