5.02.2015 06:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Raphael Bühlmann
Kleinbauern
Betriebe bis 30 ha sollen mehr erhalten
Anhand des Biobetriebs Obereichi in Lanzenhäusern BE zeigte die Kleinbauern-Vereinigung auf, dass auch kleine Betriebe mit der neuen AP verlieren. Sie fordert eine Neuverteilung, bei der zwei Drittel aller Betriebe profitierten.

«Weg vom Streben nach Grösse, hin zu Qualität und Artenvielfalt», dies fordert die Vereinigung zum Schutz kleiner und mittlerer Bauern (VKMB). Die aktuelle Landwirtschaftspolitik setze zu stark auf Grossbetriebe, kritisiert die Kleinbauern-Organisation. Mit der AP 14–17 profitierten flächenmässig grosse Betriebe und reiche Bauern. Denn die Vermögens- und Einkommensgrenzen für den Bezug von Direktzahlungen (DZ) seien abgeschafft worden, ebenso sei die Abstufung nach Fläche abgeschwächt worden (früher ab 40 ha, jetzt ab 60 ha).

Neue Verteilung der DZ

Man müsse wegkommen vom Dogma «Wachsen oder Weichen» erklärte VKMB-Präsidentin Regina Fuhrer vor den Medien auf dem Betrieb Obereichi in Lanzenhäusern BE. Vielseitige Betriebe seien nicht nur in Ländern des Südens eine Chance, sie hätten auch für die Schweizer sowie für die gesamte Landwirtschaft der Industrieländer Zukunftscharakter. «Hoch spezialisierte Betriebe sind viel abhängiger vom jeweiligen Markt», so Fuhrer. Konkret fordern die Kleinbauern eine Neuverteilung der Versorgungssicherheitsbeiträge. So sollen die flächenmässig kleinen Betriebe auf Kosten der grossen Betriebe mehr Direktzahlungen erhalten.

Das schlägt die VKMB vor

Heute werden als Basisbeitrag Versorgungssicherheit  900 Fr./ha bis zur 60. Hektare bezahlt. Die VKMB möchte für die ersten 10 Hektaren 1351 Fr./ha bezahlen, für die Hektaren 11–20 810 Fr./ha und für die Hektaren 21–30 nur noch 270 Fr./ha. Für die 31. und für alle weiteren Hektaren soll ein Bauernbetrieb laut der VKMB keine Beiträge für Versorgungssicherheit mehr erhalten. sal

Dies sei kein extremer Vorschlag, erklärt Fuhrer. «Die bodengebundene, regionale und vielfältige Produktion, wie sie vor allem von Kleinbauern betrieben wird, ist bei der Bevölkerung sehr gefragt», so Fuhrer. Laut VKMB-Geschäftsführerin Barbara Küttel würden mit ihrem Vorschlag 40'000 Bauernbetriebe, das heisst gut zwei Drittel aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe, mehr Direktzahlungen als heute erhalten. Für diese Anpassungen seien keine Gesetzesänderungen nötig, betont Küttel.

Tierbeiträge fallen weg

Die VKMB hatte rund um die AP 14–17 die Abschaffung der Tierbeiträge immer unterstützt. Zum Einwand, es sei doch immer klar gewesen, dass damit viele kleinere Betriebe Direktzahlungen verlieren würden, sagt Fuhrer: «Die Tierbeiträge hatten vielerorts einen zu hohen Tierbesatz zur Folge.» Ihre Abschaffung sei berechtigt gewesen. Heute stimme die Verteilung der Direktzahlungen aber nicht mehr.

«Weil diese zu stark auf die Fläche ausgerichtet werden, werden kleine Betriebe benachteiligt.» Rudolf Schüpbach erklärte, auch er werde mit der AP 14–17 rund 12 bis 14% Direktzahlungen verlieren. «Ich könnte schon noch mehr Hochstammbäume setzen oder noch mehr Ökoflächen machen, aber dann würde ich zu viel Erlös aus Produktion und Verarbeitung verlieren», erklärte er vor den Medien.

Biohof Obereichi

Den Biohof Obereichi in Lanzenhäusern BE leiten Christine Stämpfli und Rudolf Schüpbach. Er umfasst 6,5 ha LN und 2,6 ha Wald. Auf dem Betrieb arbeiten 5 bis 15 Teilzeitmitarbeiter. Betriebszweige: 7 Mutterkühe und Kälber, 1ha Getreide, 25 a Kartoffeln, 30 a Gemüse, 10 a Erdbeeren (Verkauf getrocknet), 50 a Kräuter (50 verschiedene Sorten), rund 40 Hochstammbäume, Betreuungsarbeit. Alle Hofprodukte werden selbst verarbeitet und direkt vermarktet. Auf dem vielfältigen Bauernhof mit viel Handarbeit werden arbeitslose Menschen oder Menschen mit psychischen Problemen betreut. sal

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