15.11.2014 10:43
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Bio Suisse
Bio-Betriebe neu mit konventioneller Alp
Bio Suisse weicht die Gesamtbetrieblichkeit der biologischen Bewirtschaftung auf. Sömmerungsbetriebe dürfen neu konventionell bewirtschaftet werden. Die Delegierten machten aber klar, dass dies die Ausnahme sein soll.

Einmal mehr bewiesen die Delegierten der Bio Suisse, dass sie lebhaft diskutieren und nicht wie die Delegierten vieler Organisationen alle Anträge einfach abnicken. Der Vorstand schlug vor, dass die Bewirtschaftung von Sömmerungsbetrieben, gleich wie die Hofverarbeitung oder die Verpflegung von Gästen auf dem Hof, von der Gesamtbetrieblichkeit ausgenommen werden kann.  Wenn ein Sömmerungsbetrieb von einem einzelnen Betrieb bewirtschaftet werde, könnten Vorschriften der Alpbesitzer die biologische Produktion stark erschweren oder verunmöglichen. Bei Neuvergaben von Alpen könnten sich einzelne Knospe-Betriebe deshalb unter Umständen nicht bewerben.

Neuenburger wehrten sich

Da ergriff Jean-Bernard Steudler aus Chézard-St-Martin NE das Wort: «Es ist mir bewusst, dass diese Möglichkeit geboten werden muss. Aber es stört mich, dass dies so einfach gehen soll! Wir werden Mühe haben, dies in der Öffentlichkeit zu erklären!» Es gehe bei Bio auch um die Überzeugung, da könne man doch nicht den Betrieb biologisch und  die Alp konventionell bewirtschaften. «Damit öffnen wir den Weg zum sektoriellen Bio, andere werden das auch wollen!», so Steudler. Markus Schöni aus  Roche-d’Or JU  stimmte ihm zu: «Das muss die absolute Ausnahme bleiben.»

SMP-Gelder  

Seit Jahren wird an der DV kritisiert, dass Bio Suisse das Geld, das die Schweizer Milchproduzenten (SMP) für das Milchmarketing überweisen, weder bei den Einnahmen noch bei den Ausgaben separat ausweist (der «Schweizer Bauer» berichtete). Es geht dabei um rund 900000 Franken. Weil dies auch im Budget für 2015 wieder nicht der Fall war, reichten die Bärner Bio Bure einen Antrag zu mehr Transparenz in diesem Bereich ein. Den Antrag nahmen die Delegierten einstimmig an. Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli versprach, die SMP-Gelder ab dem Budget für 2016 entsprechend auszuweisen.

Paul Urech aus Cazis GR warb für den Antrag des Vorstandes und verwies darauf, dass im Bündnerland viele Alpen im Besitz der politischen Gemeinden oder der Bürgergemeinden seien. Er erhielt Unterstützung von Beat Keller aus Ringoldswil BE: «Es darf nicht sein, dass die Biobauern immer zu kurz kommen!» Die Neuenburger brachten einen Gegenantrag ein, der die Ausnahme von der Gesamtbetrieblichkeit auf «bestimmte Fälle» beschränkte. In der Abstimmung wurde es ganz eng: 40 Delegierte stimmten für die Neuenburger, 39 für den Vorstand. Damit brachten die Delegierten zum Ausdruck, dass der Vorstand und die Markenkommission Anbau in der Umsetzung Vorsicht walten lassen sollen.

Statutenrevision

Ebenfalls erst nach einer längeren Diskussion stimmten die Delegierten mit 76 zu 10 Stimmen  einer Statutenrevision zu. Die bisherigen Kommissionen werden durch flexiblere Arbeitsgruppen ersetzt, drei neue Gremien für Qualität, Markt und  Wissen sollen den Vorstand entlasten. Christoph Meili von der Biofarm erreichte aber mit einem Antrag, dass die Geschäftsstelle die Produzenten eines Produktbereiches in Fachgruppen organisiert (und nicht «organisieren kann»). Schliesslich würden die Fachgruppen mit der Neuorganisation nicht mehr dem Vorstand, sondern der Geschäftsstelle unterstellt.

Grand Prix Bio

Der Grand Prix Bio Suisse geht dieses Jahr an die Swissbiocolostrum AG in Cham ZG, die als erster und einziger Schweizer Hersteller seit sechs Jahren hochwertige Kolostrum-Erzeugnisse produziert und vermarktet. Die verwendete Biestmilch von Kühen, Schafen und Ziegen stammt von Schweizer Biobetrieben. Der Preis ist mit 10000 Franken dotiert. In der Jury waren alt Nationalrat Jo Lang, Jean-Claude Cattin, Chemins du Bio, Samuel Krähenbühl, stv. Chefredaktor «Schweizer Bauer», Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, und Andreas Käsermann, Leiter der Medienstelle der Bio Suisse.

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