16.06.2020 18:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Organisationen
Bio Suisse sagt Ja zu Jagdgesetz
Die Delegierten der Bio Suisse haben sich schriftlich mit 43 zu 35 Stimmen bei 5 Enthaltungen für die Ja-Parole zur Revision des Jadgesetzes ausgesprochen. Der Antrag kam von Bio Grischun.

Bio Grischun, mit 1200 Mitgliedern die grösste Sektion der Bio Suisse, war mit dem Antrag an die Delegiertenversammlung gelangt, dass Bio Suisse die Ja-Parole zur Revision des Jagdgesetzes fasst, über die am 27. November abgestimmt wird. 

«Zunahme von Wildschäden» 

Die Bestandesgrösse vieler geschützter Arten habe zugenommen, dies führe zu einer Zunahme von Wildschäden. Das revidierte Gesetz gebe den Kantonen mehr Spielraum bei der Schadensprävention. «Wenn sich die Wolfspopulation weiterhin so rasant entwickelt, steht die Schaf-, Ziegen- und Schafhaltung sowie die Alpwirtschaft vor grossen Problemen», schrieben die Bündner Biobäuerinnen und -bauern in ihrem Antrag. 

Vorstand sah es anders

Der Vorstand der Bio Suisse wollte von einer Ja-Parole nichts wissen, er beantragte keine Parole oder Stimmfreigabe. Doch die Bündner fanden mit 43 zu 35 bei 5 Enthaltungen eine Mehrheit unter den Delegierten. Dass die Abstimmung schriftlich stattfand, mag geholfen haben. So mussten sich die Wolfsgegner nicht vor dem wolfsfreundlicheren Vorstand und der Geschäftsstelle exponieren und erklären.  

Der Wolf kehrte im Jahr 1995 in die Schweiz zurück. 2012 bildete sich das erste Rudel, heute gibt es deren acht. Der Wolfsbestand wächst stetig an: 2019 lebten rund achtzig Wölfe in unserem Land. Manche Wölfe greifen Schafe und Ziegen an. Jährlich werden 300 bis 500 Tiere gerissen.

Umweltverbände gegen Gesetz 

Das Parlament hat eine Revision des Jagdgesetzes beschlossen. Mehrere Umweltverbände, darunter Pro Natura, haben dagegen erfolgreich das Referendum (58'000 Unterschriften) ergriffen. Nun wird am 27. September darüber abgestimmt. Von den politischen Parteien sprechen sich Grüne, SP, Grünliberale und EVP gegen das Gesetz aus. Sie sprechen von einem Abschussgesetz, die Vorlage sei nicht ausgewogen. «Die Natur, geschützte Säugetiere und Vögel sowie der Tierschutz kommen noch mehr unter Druck», steht etwa auf der Website der Gesetzesgegner.  

Bauernverband für das Gesetz

Bio Suisse gesellt sich nun als Verband ins Lager der Befürworter des Gesetzes. An vorderster Front stehen dort der Schweizer Bauernverband, der Verein «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere» und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet (SAB). Die Website der Gesetzesbefürworter findet sich hier 

Der Bundesrat macht sich für die Revision des Gesetzes stark. «Für den Bundesrat ist das revidierte Jagdgesetz ein typisch schweizerischer Kompromiss», sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga Ende Februar. «Es gibt Leute, die den Wolf ausrotten wollen, und es gibt Leute, die den absoluten Schutz des Wolfs wollen - beides ist für den Bundesrat keine Option», fuhr sie fort. 

Langfristiges Nebeneinander

Ziel für den Bundesrat sei ein «langfristiges Nebeneinander von Mensch und Wolf», sagte Sommaruga. Es sei erfreulich, dass die Wolfspopulation in den vergangenen Jahr stark gewachsen sei. Jedoch führten Wolfsangriffe auch zu Konflikten mit den Besitzern von Nutztieren. «Der Wolf beschäftigt und beunruhigt die Menschen vor Ort.»

Sommaruga appellierte explizit an die Bevölkerung im urbanen Raum. Die Städter müssten «Rücksicht nehmen auf die Situation auf dem Land und in den Bergen». Das sei in der Vergangenheit mehrmals gelungen. Und auch dieses Mal müsse das Schweizer Stimmvolk «über die Stadtmauern blicken».

Kein bedingungsloses Abschiessen

An die Adresse von Umwelt- und Tierschutzverbänden, die das Referendum gegen das revidierte Jagdgesetz ergriffen hatten, sagte Sommaruga, dass der Wolf eine geschützte Tierart bleibe, die grundsätzlich nicht gejagt werden dürfe. Ein «ungesteuertes Wachstum» sei aber nicht erwünscht. Wölfe müssten ihre angeborene Scheu vor Menschen, Herden und Siedlungen bewahren.

Das Erlegen von Wölfen ist laut Sommaruga weiterhin an mehrere Voraussetzungen geknüpft: Die Kantone müssen verhältnismässig vorgehen und dürften zum Beispiel nicht in ein Wolfsrudel eingreifen, das sich fernab von Schafherden oder Dörfern aufhält. Zudem müssen die Kantone gegenüber dem Bund vorgängig begründen, weshalb Abschüsse erforderlich sind.

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