22.03.2018 09:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
St. Gallen
Blocher: 300 Franken Gewinn mit Kuh
Alt Bundesrat Christoph Blocher trat am vergangenen Freitagabend im Haus der Freiheit von Toni Brunner in Ebnat-Kappel SG vor der Sektion Ostschweiz der IG Anbindestall auf. Der gelernte Landwirt gab dabei einige Anekdoten zum Besten. Wir geben sie hier wieder.

Christoph Blocher: «Soll ich Ihnen erzählen, wie ich meine erste Kuh gekauft habe? (…) Wir waren soeben in eine Blockwohnung in Meilen am Zürisee gezügelt. Als ich nach Hause kam, sagte meine Frau: Da oben hat ein Bauer Äpfel ausgeschrieben. Könntest Du nicht einen Harass Äpfel holen? Ich ging zum Bauern. (…) Der erzählte mir, er sei nur noch ein halbes Jahr da. Er sei nur der Pächter da. (…) Wir wurden einig, dass er der neue Pächter für den Bauernhof der Ems Chemie wird. Ein paar Wochen später versteigerte er sein Vieh. Ich kam etwa um fünf Uhr dazu. Er sagte mir: Das ist ein schöner Mist, der Stall ist noch halb voll, aber die Bauern, die zum Steigern gekommen sind, müssen jetzt nach Hause zum Melken. Es sind nur noch ein paar Viehhändler da. Da ist ja kein guter Preis mehr zu machen.» 

«Prompt bekam ich die Kuh»


Blocher fuhr fort: «Ich fragte den Bauern, ob er für mich eine Schürze habe, wie sie die Viehhändler trügen. Dann stehe ich neben die Stalltüre. Wenn sie die Kuh bringen, flüstern Sie mir jeweils zu, bis zu welchem Preis ich mitbieten soll. Tatsächlich brachte ich die Kühe immer schön hoch (…) Bei einer Kuh flüsterte er mir ins Ohr: 4600 Franken. Ich rief: 4500 Franken. Und prompt bekam ich sie. Der Bauer musste mir die 4500 Franken vorstrecken, denn ich hatte nicht so viel Geld dabei. (…) 

Seine Frau fragte ihn: Spinnst Du? 

Blocher erzählte weiter: «Als ich nach Hause kam, in den 4.Stock, in dem unsere Wohnung war, erzählte ich meiner Frau davon. Sie rief aus: Spinnst du? (…)  Ich sagte: Mit einer Kuh haben wir für die Tochter, die jetzt im Nationalrat ist, immer genug Milch… (…) Am nächsten Tag ging ich wieder zum Bauern hoch, wo ich die Kuh im Stall gelassen hatte. Da traf ich einen anderen Bauern, der es auch so gemacht hatte. Wir kamen ins Gespräch. Er zeigte Interesse an meiner Kuh. Ich nannte den Preis von 4800 Franken. Er zahlte. Wieder zuhause, konnte ich bei meiner Frau damit angeben und sagte ihr, dass ich wohl den Beruf wechsle und Viehhändler werde (…) Es war aber meine einzige Kuh, die ich kaufte.» 

«Ein bisschen neidisch auf Bauern» 

Christoph Blocher begann seinen Vortrag mit der folgenden Anekdote: «Ich bin gerne hierhergekommen. Ihr müsst wissen: Ich bin ein bisschen neidisch auf euch. Nicht weil ihr das Vieh anbindet, sondern weil ihr bauern könnt. Ich selbst konnte leider nicht bauern. Nein. Sie lachen jetzt. Ich hatte in der Landwirtschaftsschule einen neben mir, der war der einzige Sohn in der Familie. Der sagte: Weisst du, das ist so ein Seich. Ich muss den Hof übernehmen. Da erwiderte ich: Ich bin noch viel dümmer dran. Ich möchte Bauer werden, aber ich bin Pfarrerssohn, mein Vater hat keinen Hof. Darum musste ich dann etwas anderes machen. Aber ich kann jetzt sagen: Es ist auch gut herausgekommen.» 

Zum befohlenen Mähzeitpunkt

Christoph Blocher: «All die Theorien, was da alles geregelt wird. Bis zum Mähen der Wiesen. Letzthin machte ich im Sommer eine Wanderung. Im Napfgebiet wanderte ich vom Kanton Bern in den Kanton Luzern. Ich pflege mit den Leuten am Wegrand zu reden. Da sagte mir ein Landwirt: Das ist doch eine Sauerei, der Bauer in der Nachbargemeinde darf schon am 18. Tag des Monats machen, ich aber erst am 28. des Monats. Ich frage nach: Das wird euch befohlen? Er antwortet: Ja,ja. Da stellte ich fest: Es ist vielleicht doch besser, dass ich nicht Bauer geworden bin. Der Wohlstand in der Schweiz, und das gilt auch für die Bauern, kommt doch von der Eigeninitiative und von Leuten, die etwas gut und sorgfältig machen von morgens bis abends. (…) Die Verallgemeinerungen, der Moralismus in der Gesetzgebung, die Einschränkungen, die Bevormundung – das ist nicht gut, das ist auch unschweizerisch.» 

«Die lügen wie eine Abdankung»  


Christoph Blocher: «Ich ging mal im Toggenburg wandern, als die Warnungen vor dem Waldsterben gerade gross in Mode waren. Im Wald traf ich auf einen Mann, der daran war, «Bürdeli» zu machen. Ich sagte ihm: Ich möchte schauen gehen, wo der Wald stirbt. Er sagte mir: Das gibt es nicht. Ich erwiderte: Aber sie sagen das doch überall. Da sagte er: Das ist alles Propaganda. Ich entgegnete noch einmal, überall sei vom Waldsterben die Rede. Da sagte er: Wissen Sie, die lügen wie eine Abdankung. (…) Sie sehen ja, was passiert ist bezüglich Waldsterben. Das Gegenteil ist eingetreten. In meiner Zeit als Bundesrat überlegten wir uns, was wir gegen die Ausdehnung des Waldes machen könnten. (…) Menschen, die natürlich denken wie dieser Bauer, der da die Bürdeli machte, der hat wegen des Waldsterbens keine schlaflosen Nächte. Der weiss, das ist alles erfundenes Zeug, damit man viel machen kann, von dem dann wieder viele profitieren können.» 

«Zum Kritisieren reicht es»

Christoph Blocher: «Wenn wieder mal einer kritisiert, die Landwirtschaft erhalte so und so viel, zu viel Geld, dann sage ich ihm: Zeigen Sei mir einen Weg, wie man die Landwirtschaft besser erhalten kann. Dann sagt: Mehr Unternehmertum. Da erwidere ich: Da bin ich auch dafür. Unternehmer kann man aber nur sein, wenn einem nicht von morgen bis Abend alles diktiert und eingeschränkt wird. Dann sagt er: Mehr Markt. Da sage ich: Mit wem müssen die Bauern dann konkurrenzieren? Mit den südamerikanischen Staaten können die Schweizer nicht mithalten. Und wenn ich dann frage, wie wollen sie mit mehr Markt den Schweizer Bauernstand erhalten, ist fertig. Aber zum Kritisieren reicht es.»

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