17.02.2014 11:18
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bilaterale
Blocher: Schweiz schliesst keine Kolonialverträge ab
Die Schweiz wird laut SVP-Nationalrat Christoph Blocher bei einem Abbruch der bilateralen Verhandlungen mit der EU über die Personenfreizügigkeit nicht untergehen. Die Schweiz werde von sich aus keine bilateralen Verträge brechen.

In einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sagte Blocher, der Vertrag über die Personenfreizügigkeit mit der EU enthalte Revisionsklauseln und Kündigungsfristen. Die Schweiz halte diesen Vertrag ein.

Doch weil die Personenfreizügigkeit in eine Katastrophe münde, habe das Schweizer Volk beschlossen, davon wegzukommen. Im Vertrag mit der EU sei vereinbart worden, dass das Abkommen zu revidieren sei, wenn es wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten gebe.

Gegen Kolonialverträge

Über 50 Prozent der Schweizer Stimmbürgerschaft sei der Ansicht, dass es solche Störungen gebe. Die Schweiz habe 23,8 Prozent Ausländer und fast 15 Prozent in erster Generation eingebürgerter Schweizer. Das habe kein vergleichbares europäisches Land.
Blocher plädierte dafür, die Verhandlungen der Schweiz mit der EU über die institutionelle Bindung abzubrechen. «Die Schweiz schliesst keine Kolonialverträge ab, auch nicht mit der EU. Die Haltung der EU-Kommission ist: Was willst Du kleine Schweiz? Was fällt dir ein?

Man predigt das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Gilt dies jetzt nicht mehr? Anscheinend habe ich mich getäuscht. Kleine Länder straft man ab wie kleine Buben. Das darf sich die Schweiz nicht gefallen lassen», sagte Blocher in dem Interview weiter.

Blocher auf der Titelseite

Blocher hat es mit seinen Aussagen auf die Titelseite des «Spiegels» geschafft. «Die Deutschen haben Angst», lautet dort das Zitat. Im Interview wird Blocher konkret. Sie hätten Angst vor den Bulgaren und den Rumänen, für die ab 1016 die Personenfreizügigkeit gelte.

Zum Schluss fragt der Spiegel Blocher, ob er sich als Europäer sehe. «Ja, absolut. Aber die EU ist eine falsche, zu verkopfte Konstruktion, tut mir leid. Sie ist auch weit vom idealistischen Friedensprojekt abgerückt.»

Das Interview sorgte für gute Verkaufszahlen: Gemäss dem Kioskbetreiber Valora wurden bis am frühen Montagnachmittag rund ein Fünftel mehr «Spiegel»-Exemplare verkauft als üblich, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. «Der Spiegel» gelangt in der Schweiz nach Angaben der Werbevermarkterin Publicitas in Schnitt mit einer Auflage von 25'000 Exemplaren in den Handel.

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