25.01.2013 07:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Aargau
BLW-Direktor: «Wir leben just in time»
Bernard Lehmann gab Aargauer Meisterlandwirten Antworten auf: Brauchen innovative Betriebe eine Agrarpolitik?

Der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) sagte wenig grundsätzlich Neues an der Generalversammlung der Aargauer Meisterlandwirte in Gränichen. Aber so, wie er Hintergründe und Zusammenhänge, Haken und Finessen der Agrarpolitik erläuterte, sicherte sich Bernard Lehmann ein aufmerksames Publikum. Er kam – kaum überraschend – zum Schluss, die Agrarpolitik sei für die Landwirtschaft und die Gesellschaft wichtig. Durch Bundesmittel und Grenzschutzmassnahmen würden rund 5 Milliarden Franken Cashflow generiert.

Mehr Nahrungsmittel

Vorab erklärte Lehmann, auch die Schweizer Landwirtschaft könne sich dem internationalen Umfeld nicht entziehen. Die Erdbevölkerung wachse jährlich um 80 Millionen – jene der Schweiz um 80'000. In 35 Jahren brauche die Welt zweimal mehr Nahrungsmittel. Das sei eine riesige Herausforderung. Steigende Weltmarktpreise markierten eine Trendwende. Der Getreidevorrat der ganzen Welt betrage nur 45 Tage. «Wir leben just in time», konstatierte der Referent. 

Wolle die Schweiz ihren Selbstversorgungsgrad halten, müsse sie kalorienmässig mehr produzieren – bei knapper werdendem Boden und zunehmender Abhängigkeit von Kraftfutterimporten. Lehmann bezeichnete es als bemerkenswert, dass jetzt in Bevölkerungsumfragen die Versorgungssicherheit vor Tier- und Umweltschutzanliegen rangiere.

Interessenausgleich

Den hellhörig-kritischen Meisterbauern gewährte der BLW-Chef Einblicke hinter die Kulissen der AP-Debatte. Er machte deutlich, wie diffizil Interessenausgleiche und Konsensfindungen seien. Der Bauernverband sei kein Verlierer, weil er nicht mit allen seinen 45 von insgesamt 134 im Parlament eingebrachten Abänderungsanträgen durchgedrungen sei.

Ein Dilemma bestehe darin, dass zusätzliche Ausgaben meistens durch Abstriche andernorts kompensiert werden müssten. Lehmann erläuterte eingehend die Mechanik der künftigen Direktzahlungen. Er forderte die Bauern auf, ihre Energie nicht nur für Kritik zu verwenden, sondern sich auf die schlaue Ausschöpfung aller Möglichkeiten, eine gute Positionierung der Produkte am Markt und die Reduzierung von Fremdkosten zu konzentrieren. Je ein Prozent höhere Erlöse und geringere Kosten brächten 200 Millionen Franken mehr Erträge.

Die Aargauer Meisterlandwirte wählten Thomas Strebel, Mägenwil, als Nachfolger von Kurt Huber, Muri, zum neuen Präsidenten und mit Barbara Zwahlen, Killwangen, erstmals eine Frau in den Vorstand.

 

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