19.05.2014 10:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Düngen
BLW kippt Krippenverluste
Bisher wurden in der Suisse-Bilanz 5 Prozent Lager- und Krippenverluste toleriert. Diese will der Bund nun streichen. Mit der Folge, dass ein Futterbaubetrieb bis zu 5 Prozent weniger Düngerbedarf geltend machen kann.

Seit 1998 muss jeder Landwirtschaftsbetrieb jährlich eine Suisse-Bilanz rechnen. Anhand von Tierbestand, Flächen, Kulturen, Zu- und Wegfuhren von Düngern wird eine ausgeglichene Stickstoff- bzw. Phosphorbilanz angestrebt. Bisher konnte ein Bauer für seine Raufutterverzehrer maximal 5 Prozent Lager- und Krippenverluste geltend machen. Die will das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nun streichen. Es schickte eine entsprechende Änderung der Wegleitung zur Suisse-Bilanz in die Vernehmlassung. Diese ist am 11. Mai abgelaufen.

BLW: Genauere Bilanzen

«Würden die Lager- und Krippenverluste gestrichen, könnte ein reiner Futterbaubetrieb mit Silomais im Extremfall 5 Prozent weniger Düngerbedarf ausweisen. Ein gemischter Betrieb dürfte je nach Anteil Ackerbau 0 bis 5 Prozent weniger N und P zuführen», betont Erich Huwiler vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Er ist Vertreter in der Koordinationsgruppe IP-Richtlinien Tessin und Deutschschweiz, die in ihrer Vernehmlassungsantwort die Beibehaltung der Krippenverluste fordert. 

Das BLW stützt sich auf eine Studie, die es 2012 bei Agroscope in Auftrag gegeben hat, um die Schwächen der Suisse-Bilanz zu eliminieren und N- und P-Überschüsse zu minimieren. «Agroscope kam zum Schluss, dass eine Streichung der Lager- und Krippenverluste zu genaueren Bilanzen führt», erklärt Laurent Nyffenegger vom BLW. Die Krippenreste würden meist auf dem Mist landen und so auf dem Betrieb verbleiben. «Wir möchten die Änderungen auf 2016 umsetzen. Die  Grundfuttertoleranz von 5 Prozent und der Fehlerbereich von 10 Prozent in der Gesamtbilanz bleiben aber vorderhand bestehen.»  

Vollzug wird nicht verbessert

Huwiler widerspricht: «Dass die in Krippenresten enthaltenen Nährstoffe auf dem Betrieb bleiben, stimmt nur für den Phosphor. Der Stickstoff  geht grösstenteils verloren. Es wäre aber zu kompliziert, N und P unterschiedlich zu behandeln, deshalb müssen die Krippenverluste beibehalten werden.»

Er wundert sich, dass das BLW ausgerechnet hier den Hebel ansetzen will: «Mineraldünger- und Kraftfuttereinsatz sowie die Zu- und Verkäufe von Grundfutter sind viel grössere Einflussfaktoren. Bei einer Streichung der Krippenverluste wird an einer ganz kleinen Schraube gedreht. Dabei werden alle Bauern ein bisschen bestraft, der Vollzug aber nicht verbessert.»

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