1.04.2017 06:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Direktzahlungen
BLW will Prämie für Hochstammmost
Hochstammobstbäume sollen besser gepflegt und genutzt werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bezahlt eine Prämie für Most von solchen Bäumen.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) beabsichtigt,  die Pflege von Hochstammbäumen verbindlicher und präziser zu regeln. So sollen die Bauern verpflichtet werden,  für einen korrekten Aufbau der Baumkrone zu sorgen, die Bäume fachgerecht zu schneiden, Mäuse sowie besonders gefährliche Schadorganismen und eingewanderte Neophyten zu bekämpfen. Denn der Bund fördert die Hochstammobstbäume immerhin mit 62 Mio. Franken jährlich. Kritisch könnte es vor allem bei der Qualitätsstufe I werden, zu welcher die Mehrzahl der direktzahlungsberechtigen Bäume gehören. Für solche Bäume zahlt der Bund 13.50 Franken pro Jahr.

Kritik an Plänen

Dieser Vorschlag befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Zwar stösst der Vorschlag bei Umweltverbänden wie etwa BirdLife Schweiz auf Zustimmung. Eine umfassende Pflege, wie sie der Bund nun verlangt, wird sich für Bauern wohl kaum mehr einzig wegen der Beiträge lohnen, sondern nur, wenn die Früchte gewinnbringend vermarktet werden können.

Diesbezüglich sieht es bei Äpfeln am besten aus, weil es dank der Apfelsaftsaft-Produktion eine grosse Nachfrage nach Mostobst gibt. Trotzdem ist es auch hier letztendlich eine Frage der Rentabilität.

Schwierige Kontrolle

Aber auch für das BLW stellen sich Fragen bezüglich Durchsetzung der Pflegepflicht für die Hochstämmer. Denn eine Kontrolle der teilweise weitläufigen und  bei den ÖLN-Kontrollen nicht immer im Vegetationsstadium befindlichen Bäume wäre für die Kontrolleure eine zusätzliche Herausforderung. Das BLW beabsichtigt nun aber, einen anderen Ansatz zu verfolgen, wie BLW-Sprecher Jürg Jordi auf Anfrage bestätigt. «Eines ist klar: Qualitativ hochwertige Früchte wachsen nur auf gesunden und gepflegten Bäumen.» Deshalb will das BLW nun das Problem von der anderen Seite her angehen. Es ist vorgesehen,  dass nicht der Schnitt der Bäume direkt, sondern das Endprodukt — sprich der Most — kontrolliert und gefördert werden soll. Konkret soll für die Bäume der Qualitätsstufe I in Zukunft der Betrag von 13.50 Franken aufgrund der Ablieferung einer Flasche Most an das BLW kontrolliert werden.

Beamte besser auslasten

Wenn der zuständige Beamte nach erfolgter Degustation die Qualität des Mostes als ausreichend ansieht, wird die Prämie von 13.50 Franken pro Baum und Jahr ausbezahlt. «Dadurch ersparen wir den ohnehin schon stark geforderten ÖLN-Kontrolleuren eine zusätzliche Arbeit und können zudem unsere Mitarbeiter hier in der BLW-Zentrale gleichzeitig besser auslasten und gesünder ernähren», erläutert Jordi.

Heute erste Prämie

Um Erfahrungen mit dem neuen System zu sammeln, startet das BLW einen ersten Probelauf. Heute Samstag von 13.00 bis 14.00 Uhr erhalten Bauern, welche ihren Most beim Bundesamt für Landwirtschaft,  Mattenhofstrasse 5, 3003 Bern, vorbeibringen, direkt eine Prämie ausbezahlt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE