13.05.2015 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Boden
Bodenprobe-Pflicht auf der Kippe
Im ÖLN sind Bodenproben Pflicht – obschon die Ergebnisse oft ungelesen in der Schublade verschwinden. Experten möchten das Obligatorium abschaffen. Das Bundesamt für Landwirtschaft öffnet die Diskussion.

Im  ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) müssen alle zehn Jahre Bodenproben gestochen werden. Diese Pflicht steht nun auf der Kippe. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) stellt die obligatorischen Bodenproben im Rahmen der Anhörung zum Agrarpaket Herbst 2015 zur Diskussion. Es gebe zwar Argumente, die den Nutzen der Bodenanalysen belegen würden, so das BLW. Doch werde die Pflicht zur Probenentnahme oft hinterfragt.

Resultate schwer zu interpretieren

«Viele Bodenanalysen landen ungenutzt in der Schublade», bestätigt Lena Heinzer, Leiterin Fachbereich Pflanzenbau und Pflanzenschutz im Kanton Schaffhausen. «Je nach Bodentyp, etwa bei sehr schweren oder kalkhaltigen Böden, sind die Resultate schwer zu interpretieren. Zudem werden sie im ÖLN standardmässig  gar nicht dazu genutzt, die Düngung anzupassen.» Dafür sei die  Suisse-Bilanz massgebend, die sich auf Kultur und Tierbestand abstützt. «Wenn deren Normen stimmen, werden alle Böden richtig versorgt, und es bräuchte die Bodenproben nicht mehr»

Dieser Meinung sind auch Heinrich Hebeisen und Herbert Schmid. Beide beschäftigen sich am BBZN Hohenrain LU mit dem Pflanzenbau. «Bodenproben sind eine wertvolle Grundlage für die parzellenspezifische Düngung, nicht aber für den Vollzug. Dafür sind die Schwankungen und die Abhängigkeit vom Anbausystem und dem Zeitpunkt der Probennahme zu gross», betonen sie. So würden im Futterbau meist im Herbst noch gedüngte Flächen ausgangs Winter beprobt.

BLW will Vorschläge prüfen

Lena Heinzer stellt den Nutzen der Bodenproben nicht grundsätzlich infrage. Sie stört sich nur an der Analysepflicht. Mit dem heutigen System würden die Bauern gratis für ein Bodenmonitoring sorgen, findet sie. «Wer Bodenproben für die Optimierung der Düngung nutzen will, kann sie freiwillig stechen. Somit müssen sie nicht verordnet und kontrolliert werden, was eine administrative Vereinfachung darstellt.»

Laut Anne Rizzoli vom BLW werden die Ergebnisse der Anhörung ausgewertet und die Vorschläge geprüft. «Allfällige Systemänderungen müssen vertieft auf ihre Auswirkungen geprüft werden», betont sie. Es gebe viele gute Gründe, die Bodenanalysen beizubehalten. «Es wäre ja auch denkbar, dass man andere Anforderungen abschwächt oder abschafft und die relativ einfachen Anforderungen der Bodenproben beibehält.» Hier müssten die Vor- und Nachteile abgewogen werden.

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