20.09.2014 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
BR: Wüsten-Solarstrom keine Option
Solarstrom aus der Wüste tönt zwar nach einer guten Idee, ist für die Schweiz unter dem Strich aber keine interessanter Ansatz. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in einem Bericht, welchen der Nationalrat bestellt hatte.

Es galt zu prüfen, mit welchen Massnahmen das Projekt Desertec und ähnliche Initiativen gefördert werden könnten. Desertec hat die Produktion von Ökostrom an den energiereichen Standorten zum Ziel. Die 2009 gegründete Desertec Foundation trieb das Projekt zusammen mit privaten Unternehmen im Mittelmeerraum voran.

Solarstrom aus Deutschland gleich teuer

Wegen der politischen Entwicklung in Nordafrika und der tiefen Strompreise in Europa steht dieses jedoch inzwischen in Frage. Darauf verweist auch der Bundesrat in seinem Bericht. Das Konzept von Desertec sei durch die Kostenentwicklung der Photovoltaik bereits überholt. Die Produktionskosten in Deutschland seien heute mit jenen in Nordafrika vergleichbar.

Die Länder in dieser Region verzeichnen wegen des Bevölkerungswachstums einen stark wachsenden Strombedarf. Sie richteten ihre interne Versorgung und ihre Energiepolitik zudem mehr und mehr auf die erneuerbaren Energien aus. Der Export nach Europa erscheine deshalb kurzfristig als eher unrealistisch, heisst es in dem Bericht.

Ungenutzte Dachflächen näher als Wüste

Gemäss den Berechnungen würde eine Wüstenfläche von der Grösse des Genfersees ausreichen, um die ganze Schweiz mit Strom zu versorgen. Der Bau von Leitungen in die Schweiz wäre zwar technisch machbar, jedoch mit sozialen und Umweltproblemen und mit zahlreichen politischen Schwierigkeiten verbunden.

Der Bundesrat hält eine solche Infrastruktur auch darum nicht für sinnvoll, weil auf Schweizer Hausdächern oder Parkhäusern mehr Leistung pro Quadratmeter produziert werden kann als in der Wüste. Energetisch sei es deshalb wenig sinnvoll, die Sonne auf dem fernen Wüstenboden zu suchen, solange in der Umgebung der Konsumenten ungenutzte Dachflächen zur Verfügung stünden, schreibt der Bundesrat.

Er hält es jedoch für wichtig, dass die Schweiz ihre Zusammenarbeit mit den Ländern im Süden fortsetzt und die Forschung zur Energieproduktion in den Wüsten unterstützt. Diese müsse aber vor allem der Versorgung der Bevölkerung und Industrien in jenen Regionen dienen.

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