21.04.2016 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Graubünden
Bündner wollen alle leeren Ställe umnutzen
Das Bündner Kantonsparlament hat genug von den Schwierigkeiten bei der Umnutzung von leerstehenden Maiensäss-Ställen zu Wohnbauten. Mit einer Standesinitiative will der Grosse Rat in Bern eine Gesetzesänderung erreichen.

Diese soll die «massvolle Umnutzung» aller landwirtschaftlich nicht mehr genutzten Bauten für Wohnzwecke erlauben. Ställe dürfen heute nur in Ausnahmefällen zu Ferienwohnungen umgebaut werden. Dazu müssen sie entweder in einer Gruppe von mindestens fünf Ställen in einer «Erhaltungszone» stehen. Oder sie müssen, im Fall von «verstreuten Stallbauten», als «landschaftsprägend» inventarisiert sein. Auch «schützenswerte Ställe» dürfen bewohnt werden.

Gefahr des Zerfalls

Der Parlamentsmehrheit genügen diese Möglichkeiten nicht, wie sich am Mittwoch zeigte. Die grosse Mehrheit der Grossrätinnen und Grossräte befürchtet, dass ungenutzte Ställe von ihren Besitzern verfallen gelassen würden, sollten sie nicht umgebaut werden können.

Mit der Möglichkeit der Umnutzung will das Parlament einerseits das Landschaftsbild erhalten, andererseits den Wert dieser Bauten sichern. Ställe, die nur als Ställe genutzt werden dürfen, als solche aber nicht mehr gebraucht werden, verlieren ihren Wert. Ihr Erhalt danach kostet bloss.

Gegen den Widerstand der Regierung

Offenbar ist die Malaise im Berggebiet gross. Das Parlament beauftragte die Regierung gegen deren Widerstand, die Standesinitiative in Bern einzureichen - mit 86 zu 24 Stimmen gar überaus klar. Nur die SP-Fraktion hatte sich der ablehnenden Haltung der Exekutive angeschlossen.

Die Regierung hatte vergeblich argumentiert, es gehe um die «riesige Menge von 20'000 Ställen», die einem schleichenden Umnutzungsdruck zu Wohnzwecken ausgesetzt wäre. Damit würde ein Hauptpfeiler der Schweizerischen Raumplanung, die Trennung von Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebiet, in gravierender Weise durchbrochen.

Regierung erachtet Chancen als gering

Zudem seien die vorhanden Umnutzungsmöglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. Ausser im Schams habe noch keine Gemeinde die Planungsgrundlagen für «Landschaften mit landschaftsprägenden Bauten» erarbeitet. Volkswirtschaftsdirektor Jon Domenic Parolini äusserte den Verdacht, die Gemeindeorgane fürchteten, bei der Stallinventarisierung auf zu viele illegale Umbauten zu stossen.

Parolini wies auch darauf hin, dass Standesinitiativen in Bern nahezu chancenlos seien. Man wolle wenigstens ein Signal nach Bern senden, dass das Berggebiet zu vielen Einschränkungen ausgesetzt sei, lautete die Replik aus dem Rat.

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