15.02.2017 12:03
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Bundesrat
Bundesrat gegen Hornkuh-Initiative
Für den Bundesrat geht die Hornkuh-Initiative in die falsche Richtung. Er empfiehlt dem Parlament, das Volksbegehren ohne Gegenvorschlag abzulehnen. Innerhalb der Landwirtschaft ist das Begehren umstritten. Was halten Sie von der Hornkuhinitiative? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Die Urheber der Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere» (Hornkuh-Initiative) wollen erreichen, dass weniger Tiere enthornt werden. Darum soll in der Verfassung festgehalten werden, dass horntragende ausgewachsene Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden.

Mehr Geld für Tierhaltung

Das hätte zur Folge, dass ein grösserer Teil der Direktzahlungen für die Tierhaltung eingesetzt werden müsste, schreibt der Bundesrat in der Botschaft ans Parlament, die er am Mittwoch verabschiedet hat. Seiner Ansicht nach wäre es auch schwieriger, alle Aspekte des Tierwohls ausgewogen zu fördern. Zudem gebe es keine Studie, die zeige, dass dass das Wohlergehen von Kühen oder Ziegen ohne Hörner unverhältnismässig beeinträchtigt sei.

Es sei ein unternehmerischer Entscheid der Landwirte, horntragende Tiere zu halten, schreibt der Bundesrat. Seiner Ansicht nach müssen sie die Abwägung zwischen dem Enthornen einerseits und dem zusätzlichen Aufwand und dem höheren Unfallrisiko andererseits machen.

Unerwünschte Nebenwirkung

Er warnt auch davor, dass die Anbindehaltung wieder zunehmen könnte, weil horntragende Kühe in Freilaufställen mehr Platz benötigen. In der Botschaft ist von Zusatzkosten von 10 bis 20 Prozent die Rede. Das wäre eine unerwünschte Entwicklung, schreibt der Bundesrat.

Er ist sich aber auch bewusst, dass das Anliegen bei der Bevölkerung auf Wohlwollen stösst. Die Milchkuh sei eine Sympathieträgerin, die in der Werbung oft mit Hörnern dargestellt werde. Breite Kreise teilten vermutlich die Ansicht, dass das Enthornen einen unverhältnismässigen Eingriff in die Würde der Tiere darstelle. Trotzdem empfiehlt der Bundesrat dem Parlament die Initiative zur Ablehnung.

120'000 Unterschriften

Diese ist im März 2016 mit fast 120'000 gültigen Unterschriften eingereicht worden. Hinter der Initiative steht eine Interessengemeinschaft um den Bergbauern Armin Capaul. In der Schweiz werden den meisten Kälbern nach vorgängiger Schmerzausschaltung die Hornanlagen ausgebrannt. Laut der Nutztierschutzorganisation Kagfreiland sind inzwischen fast drei Viertel der Milchkühe hornlos. 

Die Unterschriften kamen vor allem aus den städtischen Gebieten und aus der Romandie. Die Initiative dürfte vor allem in urbanen Gebieten an Sympathie geniessen. Der Ausgang der Abstimmung ist jedenfalls offen. Der Schweizer Tierschutz ist mit den Begehren in den Grundzügen einverstanden. «Damit die Initiative tatsächlich Produktionsformen fördert, die Horn tragenden Nutztieren Verbesserungen bringen, wird allerdings noch viel Einsatz und Engagement von Tierschützern für eine tierfreundliche Umsetzung in Gesetz und Verordnung notwendig sein», schreibt der STS weiter. Der STS will den Hörnerfranken aber nur für Tiere, welche in Laufställen gehalten werden, nicht aber für Tiere in Anbindeställen

Initiative spaltet Bauern

Armin Capaul verlangt mit seiner Initiative kein Enthornungsverbot, Halter von Kühen und Ziegen sollen vom Bund unterstützt werden. Der Bergbauer aus dem Berner Jura schwebt einen Richtwert von rund 500 Franken pro Kuh und Jahr. Bei den Ziegen möchte er einen Beitrag von 100 Franken pro Jahr. Mehrkosten entstünden nicht, betont Capaul. Man müsse das Geld im Landwirtschaftsbudget einfach anders verteilen.

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE Feinde in der Landwirtschaft. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Bei den Mitgliedern der IG Anbindestall stösst das Begehren indes auf Unterstützung. Für die meisten Bauern aber, welche ihre Kühe in Laufställen halten, ist es schlicht undenkbar, die Kühe nicht zu enthornen. Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier sei zu gross, argumentieren sie. Rund neun von zehn Milchkühen sind heute hornlos.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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