29.06.2017 13:42
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Milchmarkt
Bundesrat gegen Milchpreis-Garantie
Der Bundesrat ist gegen einen garantierten Milchpreis. Er lehnt eine Motion aus dem Nationalrat ab, die mindestens 75 Rappen pro Kilogramm Molkereimilch verlangt.

Dieser Preis soll für 80 Prozent der produzierten Menge garantiert werden. Diese Milchmengen würden dem Inlandmarkt zugewiesen. Für die restlichen 20 Prozent, die für den Exportmarkt bestimmt sind, würden die Mengen und die Preise über die BO Milch zwischen den Partnern vereinbart.

Hoffnung und Vertrauen zurückgeben


«Heute befinden sich Schweizer Produzentinnen und Produzenten von Molkereimilch in einer katastrophalen Lage ohne Zukunftsperspektiven», schreibt Motionär Jacques Nicolet (SVP/VD). Seiner Meinung nach ist es die Pflicht des Parlaments, ihnen «Hoffnung und Vertrauen zurückzugeben». Die Segmentierung sei wirkungslos und bringe für die Schweizer Milchproduzenten einen Verlust der finanziellen Substanz von mehreren hundert Millionen Franken mit sich.

Durch die Einführung des Interventionspreises entstehen dem Bund gemäss Nicolet keine Kosten. Der Mechanismus soll nur aktiviert werden, wenn der Interventionspreis nicht erreicht wird. Der Bund würde anschliessend Massnahmen ergreifen, um den Interventionspreis von 75 Rappen zu erreichen. Die Milchproduzenten hätten so die Garantie, dass sie für mindestens 80 Prozent ihrer Milchproduktion 75 Rappen erhalten, so Nicolet.

Bundesrat befürchtet hohe Kosten

In seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort weist der Bundesrat darauf hin, dass in den letzten Jahren für Molkereimilch zwischen 60,64 Rappen und 65,15 Rappen pro Kilogramm bezahlt wurden. Um 75 Rappen garantieren zu können, wäre also ein dauerhafter Markteingriff mit hohen Kosten für den Bund nötig. Das Parlament müsste im Landwirtschaftsgesetz zuerst die rechtlichen Grundlagen für solche Massnahmen neu schaffen, mahnt der Bundesrat. Derzeit verfüge der Bund über keine Instrumente, um zeitlich unbegrenzt Marktentlastungsmassnahmen im Milchmarkt durchzuführen, heisst es in der Begründung weiter. 

Der einheitliche Milchgrundpreis ist 1999 aufgehoben worden, die Milchkontingentierung 2009. Produktegebundene Milchmarktstützungen wurden schrittweise in Direktzahlungen umgelagert. Diese Reformschritte seien wichtig gewesen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Milchwirtschaft zu verbessern, schreibt der Bundesrat. Er befürchtet, dass ein garantierter Milchpreis diese positiven Entwicklung gefährden würde. Aus diesen Gründen beantragt die Ablehnung der Motion.

Milchbranche hat gute Perspektiven

Die Landesregierung ist überzeugt, dass die Schweizer Milchwirtschaft über gute Perspektiven verfügt. Die Milchbranche habe im internationalen Vergleich über einige wertvolle Alleinstellungsmerkmale. Der Bundesrat nennt beispielsweise die traditionellen Familienbetriebe, die sehr hohen Standards beim Tierwohl, weidende Kühe (hohe Beteiligung am RAUS-Programm), die grünlandbasierte Fütterung, die mehrheitlich handwerkliche Käseproduktion (Rohmilch) sowie das hohe Qualitätsimage der Schweiz.

Diese Mehrwerte gilt es aus Sicht des Bundesrates in Zukunft besser zu vermarkten und in der Kommunikation der Milch- und Käsebranche im In- und Ausland einzusetzen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE