10.08.2015 08:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Direktzahlungen
Buntbrachen nur noch im Berggebiet
Talbetriebe müssen mehr auf Impulse des Marktes reagieren. Berg- und Hügelbetriebe sollen sich dafür mehr auf öffentliche Aufgaben konzentrieren. Der Vorschlag der OECD löst bei Verband und Amt Unterschiedliches aus. Was halten Sie vom Vorschlag der OECD, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Wie sollte er sein, der typische Schweizer Landwirtschaftsbetrieb? Kleinbäuerlich strukturiert, konkurrenzfähig oder vielleicht doch ganz im Zeichen eines geschlossenen Nährstoffkreislaufs? Während sich in den vergangenen Jahren unterschiedliche Auffassungen entwickeln und etablieren konnten, folgte der Markt seinen eigenen Gesetzen. Heute ist die Schweizer Landwirtschafts- und Ernährungsbranche – durch den schwachen Euro bzw. den starken Franken – gefordert wie kaum je zuvor, um Produkte auf einem immer mehr international ausgerichteten Markt abzusetzen.

Zweigleisiges System

Damit die Schweiz die aktuellen Herausforderungen meistern kann, schlägt ihr die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor, dass sie ihre Handelsbeschränkungen weiter abbauen solle. «Die Agrarsubventionen sind so hoch, dass Marktsignale einen immer geringeren Einfluss auf Produktionsentscheide haben», schreibt die OECD in ihrem Bericht.

Damit Schweizer Landwirte den sich zunehmend widersprechenden Ansprüchen von Gesellschaft und Wirtschaft nachkommen können, schlägt die OECD ein «zweigleisiges System» mit «differenzierten Direktzahlungen» vor. So soll beispielsweise der Erhalt der Agrarlandschaft oder der Biodiversität überwiegend in Hügel- und Bergregionen sichergestellt und abgegolten werden. Mittellandbetriebe sollen gemäss OECD mehr dem Wettbewerb ausgesetzt sein und sich entsprechend entwickeln können.

Von Schreibtischtätern

«Nichts von dieser Idee» hält der Schweizer Bauernverband (SBV). «Sie ist schlicht nicht praktikabel und von Schreibtischtätern ausgebrütet worden», schreibt der SBV unmissverständlich auf Anfrage. Multifunktionalität ohne Produktion mache keinen Sinn, das sei ein Koppelprodukt. Auch dass Betriebe nicht auf den Markt reagieren würden, bestreitet der SBV. «Betriebe reagieren sehr wohl, da aber viele Betriebszweige hohe Investitionen bedingen, kann man auch nicht wie in der Modebranche alle paar Jahre etwas anderes machen», so der SBV weiter.

Ausserdem sei der Anteil an extensiven und biologisch wirtschaftenden Betrieben im Berggebiet bereits heute höher, während im Talgebiet die Bedingungen für die Produktion vorteilhafter seien. «Deshalb ist genau das Gegenteil nötig: Im Talgebiet braucht es Anreize zur Förderung der Qualität der bereits ausgeschiedenen Ausgleichsflächen, im Berggebiet eher Produktionsanreize», so der Bauernverband.

Mehr Marktorientierung

Ähnliches ist vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zu vernehmen. Man habe bereits heute ein auf die Berg- und Hügellandwirtschaft gut abgestimmtes Instrumentarium. «Die Stärkung des Berggebiets mit Direktzahlungen im Rahmen der AP 14–17 geht zusätzlich in Richtung der Anliegen der OECD», heisst es seitens des BLW. Ob weitere Differenzierungen notwendig und sinnvoll sind, werden Resultate aus kommenden Evaluationen und Monitorings zeigen.

Was Vor- und  Nachteile einer Umsetzung von zwei voneinander völlig unabhängig geführten Systemen wären, sei für das BLW schwer zu sagen, da es auf die konkrete Ausgestaltung ankäme. «Mit einem vollständig zweigleisigen System würde die Agrarpolitik aber zumindest für den Bund wahrscheinlich nicht einfacher», so das Bundesamt. Anders als der Bauernverband beurteilt das BLW die von der OECD kritisierte Marktabschottung. «Viele Rückmeldungen aus der Praxis zeigen uns, dass hier noch Optimierungsbedarf besteht. Dies wird durch die OECD-Empfehlungen zum Teil bestätigt.»

Keine Landwirtschaft ohne Direktzahlungen und Grenzschutz

Das BLW fügt an, dass eine am Markt ausgerichtete Landwirtschaft Gegenstand der Bundesverfassung sei. Das Bundesamt habe daher u.a. die Aufgabe, die Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten, sodass Betriebe unternehmerisch erfolgreich sein könnten. Und dies sowohl kurz-, mittel- als auch langfristig, und auch national wie auch international.

Gemäss dem Bauernverband sollte man sich aber keine Illusionen machen. «Ohne Direktzahlungen und Grenzschutz gibt es in der Schweiz keine Landwirtschaft, die diesen Namen verdient.»

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