Montag, 8. August 2022
03.05.2020 06:01
Import

Darum wird Saatgut importiert

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Von: sal

Die Gründe für den Verzicht auf eine eigene Saatgutproduktion bei Raps und Zuckerrüben sind vielfältig.

«Grosse Teile des Saat- und Pflanzguts werden importiert. Bei Raps und Zuckerrüben sind es 100%.» Nationalrat Kilian Baumann (Grüne, BE) hielt das kritisch fest im «Sonntagblick» und im «Schweizer Bauer». Er fordert mehr Schweizer Züchtung.

Was sagen die entsprechenden Branchenverbände dazu? Swiss Granum, die sich auch um Ölsaaten kümmert, sagt auf Anfrage: «Ja, aus der Schweiz gibt es unseres Wissens kein Saatgut für Raps.» Das Saatgut stamme zumeist aus Deutschland und aus Frankreich. Die Branchenorganisation erklärt das wie folgt: «Die in der Schweiz eingesetzten Rapssorten sind primär Hybridsorten (ausser bei Bio).

Die Vermehrung von Hybridsorten ist kompliziert, die in der Schweiz verwendeten Mengen sind gering. Deshalb findet keine Vermehrung in der Schweiz statt.» In einem Bericht des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung von 2019 steht: «Die Realisierbarkeit eines Rapssaatgutpflichtlagers mit marktüblichen Sorten (insbesondere Holl21-Raps) im Umfang eines Jahresbedarfs ist zu prüfen.» Swiss Granum weiss da allerdings für den Moment nicht mehr.

Wegen Klima risikoreich

Auch beim Saatgut für Zuckerrüben sei vor zwei Jahren über ein Pflichtlager gesprochen worden, schreibt Irene Vonlanthen im Namen der Zuckerbranche. Doch: «Ein Saatgutpflichtlager mit pilliertem Saatgut macht keinen Sinn, da die Keimfähigkeit beim Überlagern stark abnimmt. Auch die Landwirte machen bei überlagertem Saatgut Keimproben, um eine Weiterverwendung abzuklären.»

Die klimatischen Bedingungen in der Schweiz seien in den letzten Jahren im Sommer trockener geworden, sodass eine Inlandproduktion in einigen Gebieten eventuell möglich wäre, aber risikoreich bleibe.

«Trockene Bedingungen sind insbesondere zur Blütezeit (Juli) und während der Saatguternte im August/Anfang September wichtig», schreibt Vonlanthen. Die Zuckerbranche erachte eine eigene Zuckerrübensaatgutproduktion nicht als sinnvoll und wirtschaftlich. Neben Spezialwissen brauche es das entsprechende Basissaatgut (mit den Resistenzen SBR, Cerco etc.) und eine Stecklingsproduktion.

Die Zuckerbranche betont auch: «Bezüglich Basissaatgut oder Stecklingen bleibt trotzdem eine Abhängigkeit vom Ausland bestehen, da es kein eigenes Zuckerrübenzüchtungsprogramm in der Schweiz gibt.» Zudem sei die Aufbereitung, Pillierung und Beizung technisch sehr aufwendig, der finanzielle Aufwand wäre immens und würde in keinem Verhältnis zur Anbaufläche von rund 18000 Hektaren stehen. Es gäbe weitere Nachteile: «Mit einer eigenen Produktion würde auch der züchterische Fortschritt gebremst, da primär das Saatgut aus eigener Produktion vermarktet werden müsste und da nicht die neusten Sorten mit z.B. spezifischen Toleranzen verwendet werden könnten.» 

Pflichtlager für Zucker

Per dato gebe es keine konkreten Bestrebungen, die Importabhängigkeit zu reduzieren. «Die Importe des Saatgutes erfolgen frühzeitig während den Wintermonaten und führten bisher nie zu Problemen», so Vonlanthen. Wichtig für das Risikomanagement sei, eine breit aufgestellte Sortenliste mit Sorten von möglichst allen Züchterhäusern und gute Kontakte. Dann verteilten sich die Abhängigkeiten und ein allfälliger Ausfall reduziere sich.

Nicht zuletzt hält die Branche fest: «Wichtig für die Versorgungssicherheit der Schweizer Bevölkerung ist das Pflichtlager von 55000  Tonnen Zucker.» Dieses Pflichtlager ist obligatorisch, es muss den Bedarf von drei Monaten decken. 

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