4.07.2019 17:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Medien
Definitiv: SBV ruft den Presserat an
Der Schweizer Bauernverband (SBV) gelangt wegen der Berichterstattung der «Sonntagszeitung» über Tierschutzvergehen an den Presserat.

SBV-Präsident Markus Ritter hat es in einem Interview angekündigt, nun ist es so weit: Der Bauernverband geht gegen die Kampagne der Tamedia über Tierschutzvergehen in der Schweizer Landwirtschaft vor, indem er an den Schweizer Presserat gelangt. Das bestätigt SBV-Mediensprecherin Sandra Helfenstein auf Anfrage des «Schweizer Bauer».

«Extreme Einzelfälle und schockierende Bilder»

Helfenstein sagt: «Wir begründen die Eingabe damit, dass im Detail erläuterte, extreme (auch für die Branche nicht tolerierbare!) Einzelfälle und schockierende Bilder zusammen mit hingeworfenen, nicht näher ausgeführten Zahlen den Eindruck erwecken, dass es um die Tierhaltung in der Schweizer Landwirtschaft auf breiter Front miserabel steht und Nutztiere flächendeckend schlecht gehalten würden.»

Die Landwirtschaft selber sei praktisch nicht zu Wort gekommen und habe zu den konkreten Vorwürfen auch nicht Stellung beziehen können. «Alles in allem gibt der Sonntagszeitungsartikel einen falschen Gesamteindruck. Nicht zuletzt, wenn man sich vor Augen führt, dass es in 87 Prozent der Kontrollen keinerlei Mängel bei der Tierhaltung gab», so Helfenstein. 

Presserat macht Stellungnahme publik

Der Presserat ist die Selbstregulierungsbehörde für medienethische Fragen. Er besteht aus 21 Mitgliedern und wird getragen von einer Stiftung, in welcher auch der Verlegerverband «Schweizer Medien» vertreten ist, dem auch Tamedia als grösster Verlag der Schweiz angehört.  Der Presserat kann in seinen Stellungnahmen Feststellungen treffen und Empfehlungen erlassen. Diesen werden auf presserat.ch publiziert. Sanktionsmöglichkeiten hat er keine.  

«SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» haben Verstösse von Bauern gegen den Tierschutz untersucht. Im vergangenen Jahr sind 613 Halter und Händler von Nutztieren verurteilt worden, weil sie das Tierschutzgesetz verletzt hatten. Die beiden Sonntagszeitungen aus dem Hause Tamedia erhielten vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Einblick, wie viele Betriebe Kürzungen der Direktzahlungen hinnehmen mussten. 2017 kam es bei 7398 Betrieben zu Kürzungen wegen Tierschutzverstössen.

Das entspricht jedem siebten Hof mit Direktzahlungen. Das heisst aber auch, dass 85 Prozent der Betriebe sich an die Regeln halten. Dieser Fakt wird in den Artikeln nur beiläufig erwähnt. Im Gegenteil, die Sonntagszeitung titelt: «Skandalöse Zustände auf Schweizer Bauernhöfen»Insgesamt stellten die Kontrolleure bei den 7398 Betrieben 21’250 Mängel fest, diese umfassten falsche Flächenangaben bis Verfehlungen im Tierschutz. Die Zeitungen untersuchten in der Folge die Verstösse beim Tierschutz. 2018 lagen Mängel beim qualitativen Tierschutz von Rindern (3905) erster Stelle. Dahinter folgten Verstösse im Umgang mit Weidetieren (1903). Bei 1298 Fällen ging es um fehlerhafte Dokumente.

Die Sonntagszeitungen recherchierten auch in den Strafbefehlen. Im vergangenen Jahr wurden 613 Bauern oder Tiertransporteure wegen Verletzungen des Tierschutzgesetzes verurteilt. Diese Fälle haben die beiden Zeitungen analysiert. blu

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE