29.10.2015 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Tierwohl (3/8)
Der Weg zum Tierschutzgesetz
Die Basis für den Schutz des Tiere legte Albert Schweitzer. In der Schweiz wurde der Tierschutz 1973 in der Bundesverfassung verankert. Wie sich das Tierschutzgesetz entwickelte, lesen Sie im folgenden Artikel.

Bis 1978 war der Tierschutz in der Schweiz lediglich im Strafgesetzbuch geregelt. In Artikel 264 stand damals: "Wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, arg vernachlässigt oder unnötig überanstrengt, wer Schaustellungen veranstaltet, bei denen Tiere gequält oder getötet werden, insbesondere wer derartige Tierkämpfe oder Kämpfe mit Tieren oder Schiessen auf zahme oder gefangengehaltene Tiere abhält fällt unter Strafe.“

Albert Schweitzer legte Grundstein

Es ging also nicht in erster Linie darum, das Leiden des Tieres zu verhindern, sondern eher darum den unschönen Anblick aus der Welt zu schaffen. Die Basis für einen ethischen Tierschutz und den Schutz des Tieres um des Tieres willen, legte vermutlich Albert Schweitzer 1923 mit seiner Forderung nach "Ehrfurcht vor dem Leben“.

Jahre später wurden in den Tierschutzgesetzen Deutschlands (1972), der Schweiz (1978) und Österreichs (2004) einige a¨hnlichlautende Grundsätze verankert. So hiess es z.B. dass Tieren „keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen“ (Deutschland, Schweiz, Österreich), dass sie nicht „in Angst versetzt“ werden dürfen (Schweiz, Österreich) und dass man ihnen „nicht ungerechtfertigt“ Leiden zufügen darf (Schweiz, Österreich), bzw. nicht „ohne vernünftigen Grund“ (Deutschland).

Europarat und OIE

Interessanterweise war im Europarat in Strassburg Tierschutz schon früher ein Thema: Dort wurde bereits 1968 das Übereinkommen über den Schutz von Tieren auf internationalen Transporten verabschiedet, 1976 das Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen, 1979 das Übereinkommen über den Schutz von Schlachttieren, 1986 das Übereinkommen zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Wirbeltiere, und 1987 das Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren.

Noch länger, seit 1924, kümmert sich die World Organisation for Animal Health (OIE) in Paris um Tierschutzbelange. Es ist die einzige staatliche Organisation die in diesem Bereich weltweit tätig ist. Die Gründung der OIE war seuchenpolitisch motiviert, Auslöser war ein Ausbruch der Rinderpest im Jahr 1920 in Belgien, nachdem Zebus auf ihrem Weg von Indien nach Brasilien die Seuche nach Antwerpen schleppten. Seit rund 10 Jahren beschäftigt sich die OIE nun auch mit Fragen des Tierwohls.

Der Vorläufer von allen Tierschutzgesetzen überhaupt dürfte der „Cruelty to Animals Act" gewesen sein. Dieses Gesetz hat sich mit der Tierquälerei, v.a. bei Versuchstieren, beschäftigt und wurde 1876 vom Parlament des Vereinigten Königreichs verabschiedet.

Schlüsselstellung Tiergesundheit 

Nutztierschutz ist übrigens nicht einfach eine noble Geste, sondern das Wohl der Tiere hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Tierwohl  beruht auf der Freiheit von Hunger und Durst, physischen Belastungen, von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten, Furcht und Gefahr sowie auf der Freiheit, normales artgemässes Verhalten zu zeigen.

Eine Schlüsselstellung nimmt dabei die Tiergesundheit ein. Wenn Stressfaktoren und eine nicht artgerechte Tierhaltung die Tiere krankheitsanfälliger machen steigt gleichzeitig das Risiko dass Krankheitserreger wie Salmonellen, Campylobacter und E.coli in Lebensmittel gelangen und verbreitet werden.

Das Tierschutzgesetz in der Schweiz

Seit 1973 ist der Tierschutz in der Schweiz auf Ebene Bundesverfassung verankert: Art. 80 BV weist dem Bund die Kompetenz zu, Vorschriften zum Schutz von Tieren zu erlassen. Dabei geht es insbesondere um die Tierhaltung und Tierpflege, Tierversuche und Eingriffe am lebenden Tier, die Verwendung von Tieren, Einfuhr von Tieren und tierischen Erzeugnissen, den Tierhandel,  Tiertransporte und das Töten. Dem Verfassungsauftrag ist der Gesetzgeber mit dem Erlass des Tierschutzgesetzes (TSchG) und der darauf basierenden Tierschutzverordnung (TschV) nachgekommen.

1992 hielt die Würde der Kreatur in die Bundesverfassung Einzug. Art. 120 Abs. 2 lautet: „Der Bund erlässt Vorschriften über den Umgang mit Keim- und Erbgut von Tieren, Pflanzen und anderen Organismen. Er trägt dabei der Würde der Kreatur sowie der Sicherheit von Mensch, Tier und Umwelt Rechnung und schützt die genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten.“ 

Wann ist ein Tier ist ein Tier?

Nicht alles was kreucht und fleucht fällt unter die Tierschutzgesetzgebung. Die Tierschutzverordnung regelt nur den Umgang mit Wirbeltieren, Kopffüssern (Cephalopoda) und Panzerkrebsen (Reptantia). Dabei werden, wie zuvor erwähnt, drei Tierkategorien unterschieden:

Nutztiere: Das sind Tiere von Arten, die direkt oder indirekt zur Produktion von Lebensmitteln oder für eine bestimmte andere Leistung gehalten werden oder dafür vorgesehen sind.

Heimtiere: Tiere, die aus Interesse am Tier oder als Gefährten im Haushalt gehalten werden oder  für eine solche Verwendung vorgesehen sind.

Versuchstiere: Tiere, die in Tierversuchen eingesetzt werden oder zur Verwendung in Tierversuchen vorgesehen sind.

Zu den Haustieren im Sinne der Gesetzgebung gehören alle domestizierten Tiere der Pferde-, Rinder-, Schweine-, Schaf- und Ziegengattung (ausgenommen exotische Arten);  domestizierte Yaks und Wasserbüffel; Lamas und Alpakas; Hauskaninchen, Haushunde und Hauskatzen; Haustauben sowie Hausgeflügel wie Haushühner, Truthühner, Perlhühner, Hausgänse und Hausenten. Zu den Wildtieren gehören alle Wirbeltiere (ausser Kopffüssern und Panzerkrebsen), die nicht zu den Haustieren gehören.

Wirbellose Tiere wie Schnecken, Regenwürmer oder Insekten fallen folglich nicht unter das Tierschutzgesetz. Fische werden erst seit dem 1. September 2008 durch die Tierschutzgesetzgebung  geschützt.

Tierschutz beginnt vor der Geburt

Tierschutz beginnt bereits weit vor der eigentlichen Haltungsform, nämlich bei der Züchtung. In der  Nutztierzüchtung ist das Ziel klar: Man will gesunde und leistungsfähige Haustiere, die in einem gegebenen Lebensraum das verfügbare Futter mit hohem Wirkungsgrad in dienstbare Leistungen und Produkte für den Menschen umwandeln können. Bei der Heimtierhaltung sind die Zuchtziele weniger fassbar, sie erfolgen teilweise nach rein optischen Merkmalen, was in der Vergangenheit zu diversen Qualzuchten geführt hat.

Tierschutz beginnt also schon vor der Geburt und er hört erst mit dem Tod auf: Mit Vorschriften zum Tiertransport und der Schlachtung. In diesen Bereichen gab es bei der Betäubung, besonders der Elektro- und CO2-Betäubung, einige Fortschritte. Weniger positiv sieht es mit den zunehmend grösseren Transportdistanzen aus, weil die Schlachthöfe zentralisiert wurden, was letztlich eine Folge vom hohen wirtschaftlichen Druck auf die Schlachthöfe ist. Die hohen Schlachtfrequenzen, und die damit verbundene Überforderung des Personals sind dem Tierwohl nicht besonders förderlich.

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